Arbeitsmarkt 20.02.2009, 19:39 Uhr

„Wenn die Chefsekretärin plötzlich die Kantine meidet, ist Gefahr im Verzug“  

Bin ich auf der sicheren Seite oder ist meine Arbeitsstelle akut gefährdet? Diese Frage beschäftigt derzeit Millionen und selbstverständlich auch Ingenieure. An psychologischen Signalen können Mitarbeiter erkennen, wie es um ihren Job bestellt ist, sagt Susanne Rausch im Interview. Sie ist Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung e.V. und Geschäftsführerin des Karriereberatungshauses act value in Berlin. VDI nachrichten, Ellwangen, 20 2. 09, cha

Rausch: Ingenieure sind insofern von der Krise betroffen, als ihr Arbeitgeber unter der aktuellen Situation leidet. Wie gut ein Arbeitgeber ist, zeigt sich in der Not: Werden die Mitarbeiter gehalten, überlegt sich die Unternehmensleitung Konzepte, die über die schwierige Zeit hinaushelfen oder werden die Mitarbeiter kurzerhand vor die Tür gesetzt? Um diese Fragen geht es und selbstverständlich entscheiden die finanziellen Möglichkeiten über die Antworten.

Was sind Indikatoren dafür, dass ein Ingenieur um seinen Job bangen muss, auf welche Signale sollte er achten?

Ingenieure sind bekanntermaßen Problemlöser und betriebswirtschaftliche Themen interessieren sie weniger. Das müssen sie aber. Jeder Ingenieur sollte wissen, wie sein Arbeitgeber aufgestellt ist: Ist er zukunftsfähig, wie ist die Auftragslage, bestehen langfristige Kundenbindungen oder hängt die Firma am Tropf eines Geldgebers? Aus solchen Überlegungen leiten sich die Signale ab. Dann stellt sich die Frage, ob das Unternehmen eine offene Politik betreibt und ob diese transparent ist?

Wie kann der Mitarbeiter erkennen, ob sein Arbeitgeber mit offenen Karten spielt und wie zeigen sich die oben angedeuteten Signale in der Praxis?

Jetzt sind wir im Bereich der Psychologie, in der sich vieles im Verhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber abspielt. In Unternehmen, in denen offen kommuniziert wird und man sehen kann, was geschieht, zudem Entscheidungen plausibel kommentiert werden, ist eine Vertrauensbasis vorhanden. Solche Firmen gehen offen mit Problemen um und suchen gemeinsam mit ihren Mitarbeitern nach Lösungen. Ingenieure sind hoch qualifizierte Mitarbeiter, deshalb sollten sie in die Prozesse miteingebunden werden. Wenn sich die Entscheider aber nicht mehr blicken lassen, Türen, die sonst offen waren, plötzlich zu sind und es auf klare Fragen ausweichende Antworten gibt, dann wackelt der Arbeitsplatz. Ich gehe sogar so weit zu sagen: Wenn die Chefsekretärin plötzlich die Kantine meidet, ist Gefahr im Verzug.

Wie sollte der Ingenieur reagieren, wenn er sieht oder spürt, dass etwas nicht mehr stimmt?

Der erste gute Schritt wäre es, ein vertrauliches Gespräch mit einem Verantwortlichen im Unternehmen zu führen, um für sich selbst zu klären, wie die aktuelle Situation tatsächlich ist. Wenn das Unternehmen mitmacht, erfährt der Betroffene im Idealfall, was auf ihn zukommt. Damit fällt zumindest seine Unsicherheit weg, egal was kommen mag. Er weiß aber nun, ob er reagieren muss. Vielleicht ist die Lage aber gar nicht dramatisch und das Unternehmen agiert eben vorsichtig. Dann lautet das Gebot der Stunde, abwarten.

Und wenn sie oder er weg muss?

Ein Arbeitgeberwechsel in der Krise ist deutlich gefährlicher als unter normalen Bedingungen. Denn dem neuen Arbeitgeber steht das Wasser eventuell selbst bis zum Hals. Das bekommt man allerdings bei Weitem nicht so verlässlich mit, wie in einem Unternehmen, das man aus eigener Erfahrung kennt. Wenn von heute auf morgen Kosten eingespart werden müssen, stehen Mitarbeiter in der Probezeit ganz oben auf der Liste derjenigen, die gehen müssen.

Ja, das Risiko ist hoch. Aber in einer Firma zu bleiben, von der man weiß, dass sie keine Zukunft mehr hat, wäre dumm.

Zweifellos. Gehen wir davon aus, dass der Ingenieur das Gespräch gesucht hat und es wurde gemauert, dann würde ich meine Konsequenzen daraus ziehen und ernsthaft darüber nachdenken: Was bedeutet das für mich? Die Entscheidung, mich wegzubewerben, würde ich auf Basis dessen treffen, wie ich meine eigene Marktposition einschätze.

Wie kann ein Bewerber prüfen, ob ein Unternehmen tatsächlich hält, was es verspricht?

Interessenten sollten intensive Recherchen über einen potenziellen Arbeitgeber anstellen. Da helfen das Internet, und natürlich auch Netzwerke, Verbände oder Internetplattformen, über die man mit Personen in Kontakt treten kann, die Erfahrungen mit dem Unternehmen haben. Ganz wichtig ist auch, im Kontakt mit dem Unternehmen immer wieder Fragen zu stellen und Gesagtes zu hinterfragen.

Sollte man seinen Arbeitgeber einweihen, wenn man weg will?

Ich rate dazu, die Bewerbungen zunächst so diskret wie möglich zu handhaben. Bevor jemand den neuen Arbeitsvertrag unterschreibt, sollte er oder sie schauen, wie die Situation beim alten Arbeitgeber ist und auch noch mal das Gespräch suchen. Vielleicht hat ja eine Wende eingesetzt.

Gehen wir zurück zur Psychologie: Wenn sich der Ingenieur ohne Wissen seines Arbeitgebers wegbewirbt, handelt er doch ähnlich wie sein Arbeitgeber, der nicht mit offenen Karten spielt.

Man begegnet sich immer mindestens zweimal im Leben – deshalb sollte man so reagieren, dass für den anderen kein Schaden entsteht, dabei aber immer seine eigenen Interessen wahren. Ab einem gewissen Zeitpunkt muss man die Kündigung ohnehin offen ansprechen. Vielleicht lenkt der alte Arbeitgeber spätestens dann ein. Wer sich bislang im Unternehmen wohlgefühlt hat, kann dann ruhig bleiben. Sollte das neue Jobangebot aber genau den eigenen Vorstellungen entsprechen, dann gibt es kein Zurück mehr. Für die eigene Karriere ist man selbst verantwortlich. Vom Arbeitgeber darf man in diesem Punkt nicht allzu viel erwarten. Denn sofern notwendig, wird er sich von einem Mitarbeiter trennen.

Der Kündigung zuvorzukommen, heißt schneller sein.

Lassen Sie mich darauf mit einem Sprichwort antworten: „Kein Selbstmord aus Angst vor dem Tod.“ Soll heißen, Mitarbeiter sollten nicht in Panik verfallen und sich woanders bewerben, weil sie denken, es könnte möglicherweise der Arbeitsplatz bedroht sein. Man sollte ruhig und gelassen reagieren. Die Krise ist da. Doch sie wirkt sich unterschiedlich aus und jeder muss herausfinden, ob er oder sie persönlich betroffen ist. Und: Ingenieure sind viel zu teuer, als dass sich ein Unternehmen so leicht von dieser Berufsgruppe trennt. P. ILG

Von P. Ilg
Von P. Ilg

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