Karriere 19.05.2000, 17:25 Uhr

Weltweit erfolgreich mit Beachvolleyball-Netzen

Ralf Essers ungewöhnliche Karriere.

Ralf Esser hat einen Traum. Riesig groß ist dieser Traum, um exakt zu sein: 184 m mal 108 m Grundfläche bei einer Höhe von 25 m. Eine ganze Halle voller Trendsport, einmalig in der Welt, mit den verrücktesten Ideen, einer Inline-Rollschuhbahn mit Rolltreppe für Fun- und Familysportler sowie schrillen Rampen für waghalsige Extremsportler, dazu hoch oben ein Fitnessclub mit Aussicht auf das bunte Treiben. Auf 180 Seiten hat Ralf Esser sein Konzept für die ehemalige Hanomag-Halle in Hannover als größte Funsporthalle der Welt in mühsamer Kleinarbeit zusammengeschrieben und mit Wirtschaftlichkeitsberechnungen aufwendig unterlegt. Verrückt, denken viele, und Ralf Esser sagt: „Sie nennen mich schließlich den Dr. Fun“.
Der 34-Jährige war Mitte der 80er Jahre einer von vielen Maschinenbau-Studenten an der RWTH Aachen. Von der Luft- und Raumfahrttechnik wechselte er in den neuen Studiengang Werkstoff-Technik und arbeitete nebenbei im Aachener Institut für schweißtechnische Fertigungsverfahren (ISF). Dass er zudem auch Patentrecht belegt hatte, zahlte sich schon 1993 aus, als er sein erstes Patent für eine transportable Beachvolleyball-Anlage schrieb und seine Firma gründete. Wenig später folgte die Idee der „Citybeach-Bodenhülse“: Ohne Netze aufwendig im Boden verankern zu müssen, nutzte Esser den Sanddruck mit Hilfe einer simpelen Dreibein-Konstruktion, um eine stabile Anlage in Windeseile auch auf Kundenparkplätzen, in Fußgängerzonen oder auf Firmenhöfen zu installieren – ein Meilenstein für die plötzlich steigende Popularität des Beachsports.
Was für seine ehemaligen Kommilitonen eine mehr als seltsame Beschäftigung war, bedeutete für Esser nur die Verbindung von Hobby und Studienfach, denn in der noch jungen Beachvolleyball-Szene zählte er zu den begeisterten Anhängern der ersten Stunde. Nur wenige Wochen nach Essers Patentanmeldung wurde Beachvolleyball in den Kreis der olympischen Sportarten aufgenommen. Eine kräftige Boomphase begann, und Ralf Esser katapultierte sich mit seiner Firma Funtec auf dieser Welle schnell zum weltweiten Marktführer.
Weiterer Schlüssel dafür war ein stufenlos verstellbarer Teleskop-Netzpfosten, der die Konkurrenz erneut durch seine Einfachheit, Unverwüstlichkeit und vor allem, dank seiner Unempfindlichkeit gegen Sand, schnell aus der Vormachtstellung drängte. Geradezu unglaublich einfach war Essers Idee, zum Beispiel Inlineskating-Rollen einzubauen, die über zwölf Kugellager und komplett verkapselt einen perfekten Bedienungskomfort garantieren, während sich andere Anlagen hinter viel Bedienungsfeindlichkeit verstecken. Den passenden Seilzug fand Esser im Surfsport und funktionierte ihn mittels einer Bremse als narrensichere Sicherung einfach um, ohne dass ihr Sand schadet. Esser: „Im Gegensatz zur Konkurrenz rechnen wir mit Sand als Störfaktor, anstatt ihn auszuschließen.“ So einfach können Innovationen sein.
Während dieses Produkt mit großem Erfolg seit 1995 über die Firma Erhard Sportgeräte in Rothenburg o.d.T., Europas Nummer eins auf diesem Gebiet, vertrieben wird, ließ Esser nicht locker und legte mit dem Nachfolger der Citybeach-Bodenhülse nach, der patentierten „multifunktionalen Bodenhülse“ als erneut revolutionäres wie simpeles Prinzip nach dem Vorbild der Skibindung, um innerhalb nur einer Anlage alle Beachsportarten betreiben können, in die je nach Lust und Bedarf zum Beispiel Netz- oder Torpfosten eingekoppelt werden können. Auch diese Idee wurde schnell zum weltweiten Kassenknüller.
Doch auch damit war der Ingenieur aus Hennef nicht zufrieden. Wieder hatte der Ex-Profi im Skikunstspringen eine Vision und ließ nicht locker, ehe schließlich in Witten der erste Neubau für Beachsport der Welt realisiert wurde – zudem größte Anlage Europas, die im vergangenen Jahr mit glänzenden sechsstelligen Umsatzzahlen im Monat ihren Betrieb aufgenommen hat. Längst laufen die Planungen für ein vergleichbares Projekt in Köln. „Bislang“, so Esser, „gab es für Anlagen mit Beachvolleyball und -soccer nur Umnutzungskonzepte für alte Fabriken und ehemalige Tennishallen, während man vor solchen Neubauten bislang zurückschreckte.“ Dass er mit seinen Partnern auch hier gegen die Warnungen konservativer Banker und Investoren handelte, hat ihm erneut den Erfolg eines Trendsetters eingebracht.
Genau hier liegt Essers Erfolgsgeheimnis: Dort, wo andere fürchten, sich mit neuen Ideen die Finger zu verbrennen, „da steigen wir ein“. Die Angst, dass gerade Trendsportarten einem schnellen Wechsel in der Publikumsgunst unterliegen, hat ihn nicht geschreckt. „Wichtig war, dass wir alle Konstruktionen wissenschaftlich exakt und nach ökonomischen wie ökologischen Aspekten realisiert haben statt nach dem Prinzip trial and error.“
Das Ergebnis, eine ständig wachsende Zahl überaus wartungsfreundlicher und innovativer Funtec-Produkte, stieß bei der Konkurrenz auf wenig Gegenliebe. „Einer fragte mich, warum ich nicht wie üblich auf das Geschäft mit Ersatzteilen setze“, so Esser, der darüber nur den Kopf schüttelt, statt dessen mit immer neuen Systemen überzeugen will. Hier nutzt er modernste Verarbeitungsmethoden in Deutschland, die seinen Anlagen „made in Germany“ einen weltweit glänzenden Ruf einbringt, und genau deshalb schwingt in seinem Spitznamen „Dr. Fun“ auch viel heimliche Bewunderung der Szene mit.

Hoher Qualitätsstandard hat bei uns oberste Priorität

Die Früchte erntete er 1997 bei der Beachvolleyball-WM in Los Angeles. Überall prangte das Logo des Exklusivausstatters „Funtec by Erhard“, der dank der weltweit besten Lösungen den Zuschlag bekommen hatte. „Wir sind andere Wege gegangen“, sagt Esser stolz, und genau das hat ihn mit seiner Firma nach ganz oben gebracht. Dabei will er die Ingenieurleistung, die dahinter steckt, nicht unterschätzt wissen, „denn für uns ist unser hoch entwickelter Qualitätsstandard für den Beachsport eine genau so seriöse Arbeit wie das Entwickeln von Maschinen.“ Und nicht nur das, gerade weil diese Modebranche von vielen Träumern geprägt ist, konnte Essers Team mit harter, durchdachter Ideenentwicklung und Konstruktionsarbeit solche Erfolge feiern.
Eines hasst er dabei ganz besonders: sich auf diesen Erfolgen auszuruhen. Deshalb schöpft er aus jedem abgewickelten Projekt schon wieder Anregungen für Verbesserungen, sitzt er in Sportgremien, um auch dort ganz vorn dabei zu sein und wagt sich an scheinbar verrückte Großprojekte wie das in Hannover, bei dem er sich ganz sicher ist, bald einen Großinvestor zu finden, „weil auch das die reinste Goldgrube ist“.
Die einzige Beschränkung, die er hat, sind mangelnde Zeit und frisches Kapital. So warten viele Ideen noch in der Schublade, „weil ich ja nicht alles auf einmal machen kann“. Typisch, dass er über seine Visionen viel lieber spricht als über Erfolge. Klar ist er stolz, dass er mit seinem Beachequipment auch bei Olympia in Sydney vertreten ist diesmal jedoch ganz ohne Logo. Dafür wollte der Weltverband sechsstellige Dollarbeträge extra kassieren. Ralf Esser winkte ab. „Das Geld nutzen wir anders, denn die Branche weiß eh, wie gut wir sind.“ Und Dr. Fun lächelt. ANDREAS LEIMBACH
Ralf Essers Erfolgsgeheimnis ist einfach und doch überzeugend: „Wir steigen dort ein, wo andere fürchten, sich mit neuen Ideen die Finger zu verbrennen.

Von Andreas Leimbach
Von Andreas Leimbach

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