Karriere 21.12.2007, 19:32 Uhr

Weihnachten ohne Trommeln, Tannenbaum und Tanz  

Es weihnachtet sehr. Auch bei der Kenianerin Emily Sebalamu, die seit einigen Jahren in Deutschland lebt und arbeitet. Die Zeit der Besinnung, wenn die Menschen enger zusammenrücken, verbringt die 29-jährige Ingenieurin fernab ihrer Heimat; nicht allein, aber doch mit ein wenig Sehnsucht.

Als Emily Claire Sebalamu an die Türen ihrer neuen Nachbarn in einem Düsseldorfer Mietshaus klopfte, kam nichts weiter zurück als pures Nichts. Keine Reaktion. „Ich wollte mich nur vorstellen.“

Inzwischen hat sich Emily an die Kultur der verschlossen Türen gewöhnt. Im Aachener Studentenwohnheim ist das noch ganz anders gewesen. Dort leben verschiedene Nationalitäten Tür an Tür – ohne dass diese verrammelt seien.

Die Kenianerin, die an der FH Aachen den Master of Science in Mechatronics absolvierte, ist keineswegs empört über diese Zurückhaltung, sie lebe halt jetzt in einer anderen Kultur. Da müsse man sich nach richten. Ein Stück gelebte Globalisierung eben.

Die Anpassung an die neuen Lebensumstände stößt aber dann häufig an ihre Grenzen, wenn der Alltagstrott der Zeit der Besinnung weicht. Gerade in der Weihnachtszeit liegen die Gefühle zuweilen offen. Bei Emily ist das nicht anders. Dann sehnt sie sich ab und zu nach Hause, nach Mumias, einem Ort mit rund 45 000 Einwohnern im Westen Kenias, und nach der offenen Herzlichkeit von Verwandten, Bekannten und Freunden.

Früher, als die achtköpfige Familie noch zusammen war, gemeinsam feierte und nicht in alle Welt verstreut war, hatte Weihnachten für Emily eine andere Bedeutung als heute. Und das, obwohl die 29-Jährige als bekennende Katholikin die Geburt Jesu mit der Intensität einer Gläubigen wahrnimmt.

„Meine Eltern sind Lehrer und tief im katholischen Glauben verwurzelt. In meiner Kindheit hatten wir auch in Mumias immer einen Tannenbaum. In der Heiligabendnacht zogen wir Kinder von Tür zu Tür, sangen Lieder und wünschten den Bewohnern ein frohes Fest.“ Jedem stünden in Kenia, wo über 70 % der Bevölkerung katholischen Glaubens sind, die Haustüren zu Heiligabend offen – ob geladen oder nicht. „Manchmal sitzt man mit Leuten zusammen, die man gar nicht so gut kennt, und plaudert. Danach trifft sich die Gemeinde zum Gottesdienst und zum gemeinsamen Essen.“ Erst nach einer Nacht ausgelassenen Feierns werden die Geschenke ausgepackt.

Das alles seien schöne Erinnerungen, die sich in der Fremde auch nicht mit dem Aufstellen eines Tannenbaums herbeizaubern ließen. Jetzt, in ihrer neuen Wahlheimat Düsseldorf, wo sie den Telekommunikations-Konzern Ericsson national und international als „Solution Integrator“ vertritt, werden die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr eben anders gestaltet als zu Kindertagen. Hauptsache, sie sei über Weihnachten nicht wieder allein, wie vor wenigen Jahren in Aachen. „Das war alles andere als schön“, erinnert sie sich an triste Feiertage.

Das soll und wird nicht wieder vorkommen. Mit Ehemann Timothy, einem ugandischen Ingenieur, wollte sie ursprünglich mit Gesang und Gitarre einen der bunten Gottesdienste in der afrikanischen Gemeinde in Düsseldorf beleben, an denen Gläubige vieler verschiedener Nationen teilnehmen.

Dass daraus jetzt nichts wird, sieht Emily mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn so schön wie zu Hause ist es in der Fremde nun einmal nicht: „Bei uns in Kenia wird in der Kirche viel getanzt, getrommelt und gelacht. Da ist mir der katholische Gottesdienst in Deutschland doch manchmal ein bisschen zu ernst.“

Wenn schon kein weihnachtliches Kenia, dann doch wenigstens gute Freunde. Die Festtage verbringen Emily und Timothy bei Bekannten in Norddeutschland, danach treffen sie über Silvester in der kalten Schweiz doch noch ein warmes Stück Heimat: Emilys Schwester, die wie zwei weitere Geschwister in Europa arbeitet, möchte mit Emily und Timothy auf das neue Jahr anstoßen. Gezögert hat Emily keine Sekunde – Globalisierung hin, Völkerverständigung her.

Ein Beitrag von:

  • Wolfgang Schmitz

    Wolfgang Schmitz

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Bildung, Karriere, Management, Gesellschaft

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