Karriere 15.04.2011, 19:53 Uhr

Weiblich, jung, erfolgreich – und was dann?

Barbara Behrens, Sophia Hannig und Huesniye Dörner haben alles, wovon Industrie und Wirtschaft derzeit träumen: Sie sind jung, diplomierte, zum Teil bereits promovierte Ingenieurinnen und damit hoch qualifiziert und auf dem besten Wege, die Karriereleiter ganz nach oben zu klettern. Was sie wollen, sind Kinder und beruflichen Erfolg. Was sie nicht wollen, ist eine Quote.

Die Frauenquote entwickelt sich in Berlin gerade zum Evergreen des politischen Themenkatalogs. Landauf, landab wird in Industrie, Wirtschaft und Wissenschaft diskutiert, ob die Quote denn nun her solle oder lieber doch nicht – oder gar eine Männerquote. Die Gemüter sind sich uneins. Was Frau keinesfalls will, ist als Quotenfrau abgestempelt zu werden. Nach wie vor solle bei der Besetzung von Führungspositionen das Leistungsprinzip gelten.

Immer wieder wird gefragt, wo denn all die hoch qualifizierten Frauen bleiben, die mit Erfolg das Abitur abgelegt, das Studium absolviert haben und in den Beruf eingestiegen sind. Plötzlich würden sie von der beruflichen Bühne verschwinden und fänden als Mutter ein neues Betätigungsfeld.

So weit sind die Nachwuchswissenschaftlerinnen Barbara Behrens, Sophia Hannig und Huesniye Dörner noch nicht – zum Glück möchte man sagen. Alle drei sind nach ihrem Ingenieurstudium am Fraunhofer Institut für Produktionstechnik (IPT) in Aachen gelandet. Alle drei haben sich somit – zumindest eine Zeit lang – der Wissenschaft verschrieben. Wenn man so will, bedienen sie das Klischee der zu Beginn ihrer Karriere erfolgreichen Frau: Ihr Hochschulstudium haben alle drei mit Bravour abgeschlossen, was folgt, ist die Promotion.

Sophia Hannig zog es schon vor der Promotion nach Aachen. Sie studierte an der RWTH Maschinenbau mit der Fachrichtung Produktionstechnik. Technik und Naturwissenschaften waren ihr Ding, schon als Schülerin. „Ich hatte Mathe- und Chemie-Leistungskurs und war in den Naturwissenschaften einfach besser als in anderen Fächern.“

Somit kam das Technikinteresse bei Hannig wie von selbst, höchstens ihr Vater hätte da noch mitgemischt, erklärt die 27-Jährige. Seit Dezember 2007 ist sie als Doktorandin beim Fraunhofer IPT in der Abteilung „Produktionsmaschinen“ tätig. Wie schon im Studium, findet sie hier kaum weibliche Mitstreiter. „Das ist zwar schade“, erklärt Hannig, „der Vorteil ist jedoch, dass sich die wenigen Frauen schnell finden und wir zusammenhalten.“

So war der Kontakt zu Barbara Behrens schnell hergestellt. Die damals frisch gebackene Ingenieurin der Informationstechnik kam 2008 von der Uni Clausthal ans Aachener IPT. Auch sie will, wie Hannig, in den kommenden zwei Jahren die Doktorwürde erlangen. Nun poliere sie Stahl, sagt Behrens. Das klinge zwar trivial, aber bringe sie nicht in Erklärungsnöte, wenn sie nach ihrem Promotionsthema gefragt werde. „Ich arbeite im Bereich der automatisierten Feinbearbeitung und erforsche den Polierprozess, um ihn – als großes Ziel – zu automatisieren.“ Behrens Augen glänzen.

Schon als Kind habe sie Rätsel geliebt und in der Schule die Herausforderung, mathematische Beweise zu lösen.

Dass diese beiden erfolgreichen, technikverliebten Frauen einmal ihre Karriere zugunsten von Kindern an den Nagel hängen, scheint kaum vorstellbar. Wieso auch? Beides ließe sich doch miteinander verbinden. So zumindest der Plan. Von Frauenquote halten die Nachwuchswissenschaftlerinnen wenig. „Man sollte weder einen Vorteil haben, weil man eine Frau ist und eine Quote erfüllen muss, noch, weil man ein Mann ist und nicht per se ausfällt, weil man ein Kind bekommt. Am Ende sollte immer noch Leistung zählen“, erklärt Behrens.

Und: „Statt einer Quote muss endlich der Missstand, der zwischen den Gehältern von Frauen und Männern immer noch existiert und bei denen Frauen in vielen Unternehmen immer noch benachteiligt werden, ausgeglichen werden“, fordert Hannig.

Huesniye Dörner ist schon einen Karriereschritt weiter, denn sie hat ihre Promotion bereits abgeschlossen. Bis Mai 2009 waren Dörner, Behrens und Hannig am Fraunhofer IPT Kolleginnen. Inzwischen ist Dörner als promovierte Werkstoffwissenschaftlerin bei Dräger, einem international tätigen Unternehmen der Medizin- und Sicherheitstechnik, in Lübeck tätig. Durch den Wechsel von der Forschung in die Industrie arbeitet Dörner heute sehr nah am Produkt. „Das habe ich während meiner Forschungstätigkeit am Institut manchmal vermisst“, meint die 32-Jährige. Eines habe sich aber definitiv nach dem Wechsel von der Wissenschaft in die Industrie nicht geändert: „Ich bin in meiner Abteilung die einzige Frau unter 30 Kollegen.“

Behrens schmunzelt. Das Frauendefizit im Ingenieurberuf habe auch sein Gutes – man laufe nie Gefahr, in der Masse unterzugehen. „In der Uni begrüßte uns ein Professor stets mit “Guten Morgen Frau Behrens, guten Morgen meine Herren“.“ Doch die Kehrseite der Medaille schiebt sie sogleich hinterher: „Schlecht ist es allerdings, wenn man Fehler macht. Verstecken kann man sich dann nicht.“

Auch müssten Frauen immer noch mehr leisten als Männer, um Anerkennung in der Welt der Technik zu erlangen. Behrens: „Wenn man hier als Frau mitspielen will, akzeptiert man das, beweist sich und wird integriert.“

Dörner hat dieses ungeschriebene Gesetz ebenso beachtet wie Behrens und Hannig, ohne viel Aufhebens, und hat es weit gebracht. Dass eines Tages Kinder zum Stolperstein ihrer Karriere werden, glaubt die Berufsanfängerinnen nicht: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich für mich mal die Frage nach Schwarz oder Weiß stellt. Bei Dräger haben wir einen Betriebskindergarten, Tagesmütter und ein umfangreiches Programm, das die Nöte von Eltern auffängt.“

So kommt die Politik wieder ins Spiel und auch die Unternehmen. Letztere müssen die Bedingungen schaffen, um für Frauen als Arbeitgeber attraktiv zu sein. Trotz Kindern oder gerade deswegen. Gesellschaftsbilder, die im Westen Deutschlands bis weit in die 1990er-Jahre kultiviert wurden, lassen sich nicht von heute auf morgen ins Gegenteil verkehren. Da braucht es keine Studien, die das wieder und wieder belegen, sondern entsprechende Maßnahmen. Und Männer, die das mittragen – im Berufsleben wie im Privaten.

Hannig: „Wenn sich Familien fragen, wer zu Hause bleibt, entscheiden sie sich für denjenigen, der weniger verdient, die schlechteren Aufstiegschancen und die geringere Sicherheit im Job hat.“ In der Regel seien das immer noch die Frauen.

Die drei Nachwuchswissenschaftlerinnen jedenfalls haben nicht vor, ihre Karriere gegen Kinder einzutauschen. Sie wollen beides. Doch sagen Hannig und Behrens auch: „Die Kindererziehung möchten wir nicht vollends anderen überlassen.“ Da gäbe es ja noch Teilzeit. Da ist sie also wieder, die berufliche Bühne von Müttern. Zumeist sieht sie anders aus als die von Frauen ohne Kindern, aber zumeist auch ganz anders als die von Männern mit Kindern.

JULIA SCHLINGMANN

Ein Beitrag von:

  • Julia Schlingmann

    Redakteurin VDI nachrichten im Ressort Management und Karriere.

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