Karriere 11.05.2001, 17:29 Uhr

Wahlspruch: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“

Das Elektronikstudium sei der sichere Weg in die Arbeitslosigkeit. Mit diesem „guten Tipp“ schickte das Arbeitsamt Andreas Kirchner-Gellert auf den weiteren Berufsweg. Er entschied sich, den Ratschlag nicht zu befolgen. Ein weiser Entschluss.

Die Firma Balluff in Neuhausen auf den Fildern ist weltweit führend auf verschiedenen Gebieten der Sensortechnik. Für ihre innovativen Leistungen und ihren wirtschaftlichen Erfolg erhielt sie im März dieses Jahres die Bronzemedaille beim Innovationswettbewerb „Best of Top 100 Germany 2001“ verliehen. Einer, der dazu seinen Teil beigetragen hat, ist Andreas Kirchner-Gellert.
In der Entwicklungsabteilung des Geschäftsbereichs Sensoren arbeiten heute rund 40 Mitarbeiter, meist Ingenieure. In dem Großlabor sind die einzelnen Arbeitsplätze voneinander abgetrennt. Jeder Mitarbeiter hat sein eigenes Reich und kann sich doch jederzeit mit seinen Kollegen austauschen. So viel geistige Konzentration wie nötig und so viel Kommunikation wie möglich, könnte die Firmenphilosophie von Balluff lauten. Manfred Jagiella, der Leiter des Geschäftsbereichs, bringt es auf den Punkt: „Für uns ist wichtig, dass die Mitarbeiter sich als Team verstehen.”Auch bei Einstellungsgesprächen verfährt er nach diesem Gesichtspunkt, denn „fachliche Lücke kann man schließen, Sozialkompetenz dagegen nur schwer erlernen. Leute, die Teamgeist und technisches Know-how mitbringen, suchen wir händeringend”.
Andreas Kirchner-Gellert, heute 30 Jahre alt und Ingenieur für Elektrotechnik, erfüllt diese Anforderungen. Er gehört zu den Menschen, die sowohl Fach- als auch Sozialkompetenz aufweisen. Während des Studiums hatte er sein Praxissemester bei der Firma Balluff absolviert. „Ich fand die Atmosphäre schon damals sehr angenehm”. Doch nach seiner Ausbildung arbeitete Kirchner-Gellert zunächst drei Jahre lang in einem Ingenieur-Büro, das sich auf Hardware-und Software-Entwicklung von Messplätzen spezialisiert hatte. Als ihm ein Stellenangebot der Firma Balluff in die Hände fiel, bewarb er sich und wurde prompt eingestellt.
Seit einem knappen Jahr ist der Elektronik-Ingenieur bei dem schwäbischen Unternehmen beschäftigt. Hier befasst er sich mit elektronischen Sensoren, induktiven Näherungsschaltern und deren analogem Schaltungsdesign. Von Praxisschock in der Anfangsphase konnte keine Rede sein. „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt”, sagt Andreas Kirchner-Gellert rückblickend. Die positive Grundeinstellung allein hätte aber kaum ausgereicht. Wesentliche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Tätigkeit seien der Wille zu lernen, die Fähigkeit, Themen selbständig zu erarbeiten und die Bereitschaft, Kontakte zu knüpfen. Dazu kam, dass die Firma Balluff ihn in der Einstiegsphase massiv unterstützte. Vier Wochen lang durchlief Andreas Kirchner-Gellert die einzelnen Abteilungen. „Ich bekam in dieser Zeit eine Vorstellung über die Struktur des Unternehmens, kannte meine Ansprechpartner nicht nur namentlich und vom Telefon.“
Andreas Kirchner-Gellert ist froh, diese Wahl getroffen zu haben. Spaß macht ihm der ganzheitliche Ansatz von Balluff denn wer hier im Entwicklungsbereich arbeitet, sitzt nicht im Elfenbeinturm. „Man bekommt über Produktion und Vertrieb hautnah mit, wie sich Neuentwicklungen in der Praxis bewähren”. Das mache seine Arbeit so faszinierend: heute ein Produkt erstellen, das morgen auf den Markt kommt, wobei er als unmittelbar Beteiligter immer einen kleinen Wissensvorsprung hat.
Wie bei so vielen Karrieren, war auch Kirchner-Gellerts beruflicher Werdegang seit Schultagen vorgezeichnet: Mathematik und Physik mit Begeisterung, Fremdsprachen mit der zum Erreichen des Klassenziels nötigen Distanz. Nach der Schule absolvierte er eine Lehre als Elektroinstallateur, erwarb dann die Fachhochschulreife und studierte schließlich Elektronik an der Fachhochschule Furtwangen. „Bevor ich 1993 damit begann, riet mir das Arbeitsamt, doch bloß die Finger von diesem Studium zu lassen. Es sei der sichere Weg in die Arbeitslosigkeit“, erinnert sich Kirchner-Gellert. Er ließ sich von dieser Aussage jedoch nicht beirren. Fachliche Inhalte und persönliche Kriterien zählten für ihn mehr als die Aussicht, irgendwann „fette Kohle“zu machen. „Man kann nicht nur des Geldes wegen studieren”. Diese Auffassung teilte der Ingenieur mit vielen seiner Kommilitonen. Eine weise Entscheidung, wie sich zeigen sollte.
Gemeinsam mit zwei Freunden erweiterte Kirchner-Gellert seinen Wissenshorizont über seinen Fachbereich hinaus. Das Trio nutzte die von der Fachhochschule angebotenen Seminare zu Wirtschaftsthemen wie Produkt-engineering, Marketing oder Produktplanung. „Viele haben damals nicht eingesehen, dass ihnen das nützen könnte”. Für Andreas Kirchner-Gellert ist dieses Know-how zu einem wichtigen Werkzeug geworden, um betriebliche Abläufe zu verstehen und Gesamtprozesse besser einordnen zu können. Allen Schulabgängern und Abiturienten rät er deshalb, sich mehr auf die Industrie zuzubewegen. „Einfach mal an Firmen wenden und dort reinschnuppern” – das inspiriert und kann den Beginn einer Erfolg versprechenden Karriere markieren. MONIKA ETSPÜLER

Balluff

Bronzemedaille für Innovationen

Die Firma Balluff GmbH ist ein Familienunternehmen mit weltweit rund 1400 Mitarbeitern, einem konsolidierten Umsatz von rund 300 Mio. DM und Produktionsstandorten in Deutschland, Ungarn, USA, Japan, Brasilien und der Schweiz. Das Unternehmen ist Anbieter von Wegaufnehmern und Sensoren zum intelligenten Identifizieren, Positionieren, Regeln, Steuern und Kontrollieren von Arbeitsabläufen in der Fabrikautomation. Es gibt vier Geschäftsbereiche, wobei der Bereich „Sensoren” etwas 50 % des Gesamtumsatzes ausmacht.
Im März erhielt Balluff die Bronzemedaille beim Innovationswettbewerb „Best of Top 100 Germany 2001”, der von der Fraunhofer Gesellschaft und der Zeitschrift „Markt und Mittelstand” ausgerichtet wird. Maßgeblich für die Preisvergabe sind Prozess- und Produktionsinnovation sowie wirtschaftlicher Erfolg. In der Begründung der Jury heißt es: „Der Erfolg und die Innovationskraft von Balluff beruhen auf einer strategischen Planung. Alle Kernprozesse im Unternehmen werden dabei berücksichtigt. Dazu gehören Programm- und Absatzplanung, Finanzplanung, Kostenmanagement, ein weltweiter Produktions- und Logistikverbund, firmeninternes Know-how und Wissensmanagement.“ Zu den Produktinnovationen zählt der weltweit kleinste induktive Schalter mit einem Schaltabstand von einem Millimeter. M.E.

Von Monika Etspüler
Von Monika Etspüler

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