Elternzeit 06.03.2009, 19:40 Uhr

Vorsicht vor der Baby-Falle!  

Bei der Rückkehr ins Berufsleben wartet in den Firmen oft das böse Erwachen: Statt weiterhin spannende Aufgaben zu betreuen, sind sie nur noch auf Nebenschauplätzen tätig und erhalten im schlimmsten Falle Auflösungsverträge. Doch man kann durch klare, schriftlich festgehaltene Absprachen vorbauen. VDI nachrichten, Düsseldorf, 6. 3. 09, ws

Der Schock war groß: Diplom-Ingenieurin Monika Gerstenberg (Name von der Redaktion geändert) hatte nur ein halbes Jahr für ihre Babypause eingeplant. Mit ihrem Arbeitgeber, einer Hamburger Baufirma, für die sie freiberuflich die Projektsteuerung sowie das Vertragswesen betreute, hatte die heute 37-Jährige besprochen, dass sie umgehend wieder in den Beruf einsteigt – ein Kitaplatz war vorhanden, die Arbeitsstunden festgelegt. Doch kaum war das Kind geboren, teilte man ihr mit, dass ein fest angestellter Kollege ihre Aufgaben übernimmt. Glücklicherweise hatte die Freelancerin noch andere Projekte mit anderen Firmen in der „Pipeline“. Kürzlich kam ihr zweites Kind zur Welt.

Aus den Fehlern hat Monika Gerstenberg gelernt: Wie beim ersten Mal ist ein Kitaplatz organisiert, der Stundenumfang festgelegt und die Arbeitsinhalte besprochen. „Nur habe ich in diesem Fall mit einem Arbeitgeber für ein Projekt eine schriftliche Abmachung, wie es im neuen Jahr weitergehen soll. Für den anderen Auftraggeber arbeite ich derzeit schon wieder – soweit das zeitlich mit meinem Baby möglich ist.“

Kontakt zu beiden Firmen hält sie, indem sie mit Kollegen regelmäßig telefoniert oder selbst für Fragen Ansprechpartnerin ist. Sind diese inhaltlich tiefgreifender, schreibt sie ihrem Chef eine Rechnung. Geplant ist, dass sie zwei oder drei Tage in jeder Firma arbeitet – insgesamt also 25 bis 30 Stunden. Wie reibungslos der Wiedereinstieg wirklich klappt, lässt sie auf sich zukommen. „Dieses Mal sehe ich alles gelassener.“

Obwohl das Thema „Mütter und Karriere“ momentan in aller Munde ist, wird die Rückkehr in den Beruf für viele Frauen zum bösen Erwachen. „Ingenieurinnen arbeiten nach der Babypause häufig in Teilzeit, akzeptieren für eine schnelle Rückkehr auch eine geringere Vergütung, müssen um flexible Arbeitszeiten kämpfen und bekommen eher unattraktive Aufgaben – oder gar keine Vollzeit-Anstellung mehr“, sagt Anke Leicht vom „deutschen ingenieurinnenbund“. „Komplexe Projekte erfordern meist, dass die verantwortliche Person bestmöglich erreichbar und möglichst immer im Büro präsent ist. So denken zumindest viele Kollegen und Vorgesetzte. Sie befürchten, dass bei Abwesenheit die fällige Arbeit an ihnen hängen bleibt.“

Gegen einen negativen Rückkehrerinnen-Alltag beginnen Frauen sich neuerdings zu wehren. Der spektakulärste Fall war der einer Controllerin der Deutschen Bank. Sie hatte acht Monate pausiert und durfte danach nur noch „Hiwi“-Jobs machen. Arbeiten von zu Hause aus war plötzlich gestrichen – was vorher nie ein Problem gewesen war.

Insbesondere in technisch orientierten Berufen gestaltet sich der Wiedereinstieg schwer

Pikanterweise war das Unternehmen im vergangenen Juni 2008 für seine familienfreundliche Politik ausgezeichnet worden. Da sich die Frau nicht mit einem Aufhebungsvertrag abspeisen lassen wollte, zog sie vor Gericht. Und auch eine Regionalleiterin von der R+V-Versicherung zog kürzlich vor den Kadi, um sich gegen Diskriminierung zu wehren.

Elke Homburg, freie Autorin und Redakteurin, kennt all diese Probleme durch die Recherche zu ihrem Buch „Zurück in den Job. So meistern Frauen ihr berufliches Comeback“. Sie rät ihren Leserinnen deshalb, frühzeitig das Procedere nach der Rückkehr mit dem Arbeitgeber beziehungsweise mit der Personalabteilung genau zu klären und vor allem schriftlich festzuhalten.

Auch in der Elternzeit selbst sollten sich Frauen aktiv um den Arbeitgeber bemühen und Engagement signalisieren: regelmäßig in der Firma vorbeischauen – allerdings ohne Kind -, sich um freie Mitarbeit oder Urlaubsvertretungen bemühen. Zudem sei es ratsam, stets zu betonen, dass man sich fachlich auf dem Laufenden hält.

Anke Leicht vom „deutschen ingenieurinnenbund“ rät Frauen dazu, nicht zu lange zu pausieren: „Insbesondere in der Technik kann es schnell passieren, dass sich bereits nach wenigen Jahren Auszeit der Wiedereinstieg nicht so einfach gestalten lässt, selbst wenn man sich kontinuierlich weiterbildet.“

Was aber ist mit den Männern, die die Elternzeit nutzen? Laut Ingenieurin Monika Gerstenberg werde diese Möglichkeit noch viel zu selten genutzt. Das läge daran, dass in der Regel Frauen weniger verdienen als die Männer und deshalb zu Hause beim Kind bleiben, aber auch in der Angst vor dem Karriereknick. Auch Anke Leicht kann keinen Mann nennen, der in Elternzeit war. Sie vermutet, die Zurückhaltung der Männer werde ausgelöst durch „Unverständnis oder sogar Spötteleien der Kollegen. Diese können sich häufig nicht vorstellen, dass sich der Mann bewusst dafür entscheidet und dadurch gegebenenfalls auch die eigene Karriere für die Familie zurückstellt“.

Schön, dass es auch Bilderbuchbeispiele gibt: Mit dem Mercedes Benz Werk Berlin haben beispielsweise Sandra und Michael Neuwirth positive Erfahrungen gemacht: Die 36-jährige Diplom-Wirtschaftsingenieurin und der 47-jährige Diplom-Ingenieur, die dort als Leiterin Materialplanung Komponenten beziehungsweise als Funktionsgruppensprecher Motorenprojekt arbeiten, haben jeweils ein Jahr Elternzeit genommen.

Zeitlich flexibel sein, um mit dem alten Aufgabengebiet verknüpft zu bleiben

Dazu vereinbarten sie mit ihrem Arbeitgeber genau, wie lange sie zu Hause bleiben und wie ihre Tätigkeit danach wieder aussehen wird. „Das Unternehmen brauchte mein Know-how einen Monat früher als geplant. Diese zeitliche Flexibilität war für mich selbstverständlich, um im gleichen Aufgabengebiet wieder einzusteigen“, sagt Michael Neuwirth.

Auch Sandra Neuwirth konnte wieder exakt auf ihre alte Stelle einsteigen. Grund für sie, für das zweite Kind noch mal ein Jahr zu Hause zu bleiben. „Das A und O dafür ist, ständig im Kontakt mit der Firma zu bleiben, um informiert zu sein und Interesse sowie Engagement zu signalisieren.“ KATJA WINCKLER

Von Katja Winckler
Von Katja Winckler

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