Karriere 11.10.2002, 18:22 Uhr

Vorbeugung gegen den Praxisschock

Taxi fahren und Kellnern sind bei Studenten out, heute wird berufsorientiert und zielgerichtet gejobbt. Nicht nur Geld, auch soziale und berufliche Kompetenzen stehen weit oben auf der Prioritätenliste.

Was die Wirtschaft fordert und die Politiker predigen, haben viele Studenten längst verinnerlicht: Der Übergang von der Theorie zur Praxis soll immer nahtloser ineinander übergehen. Immer mehr Studenten sind daher erwerbstätig. Der Trend hält an. Die aus der Industriegesellschaft überlieferte Dreiteilung des Lebenslaufs in Vorbereitungsphase, Aktivitätsphase und Ruhephase wird sich immer mehr auflösen. Stattdessen sind diese Zeitabschnitte immer weniger voneinander zu trennen.
So lauten die Folgerungen des Eichstätter Soziologen Dr. Marek Fuchs, der an der Katholischen Universität eine Studie zum „Jobben im Studium“ durchgeführt hat. Diese wie auch andere zeigen, dass Studenten in Deutschland mehr arbeiten als früher. War 1987 nur jeder Zweite erwerbstätig, verdienen heute fast drei Viertel der Studenten regelmäßig Geld. Doch dies tun sie offenbar gern. Ihre wichtigste Motivation ist, „sich etwas mehr leisten zu können“. Zweithäufigster Grund ist die Sicherung des Lebensunterhalts. Aber auch praktische Erfahrungen sammeln, die für den späteren Beruf nützlich sind, zählt zu den häufigen Argumenten. Im Gegensatz zu vergangenen Zeiten hat bei etwa der Hälfte der Studierenden die Erwerbstätigkeit einen klaren Bezug zum Studium.
Dabei kommt es aber zu zeitlichen Überlappungen. Für jeden dritten Studenten stehen Job und Studium in Konkurrenz, denn sie arbeiten während des Semesters im Schnitt 20 Stunden pro Woche. Trotzdem verstehen sich nur wenige als „Nebenbei-Studierende“, die berufsbegleitend studieren (1,4 %). Das Studium ist also zumindest in der Selbsteinschätzung nach wie vor dominant. Eine Umfrage der Universität Konstanz ergab: Stark strukturierte Studiengänge wie Jura, Medizin oder Sozialarbeit lassen Jobben kaum zu. Auch Studierende der Ingenieurwissenschaften an Fachhochschulen sind in der Tendenz weniger erwerbstätig. Waren 1985 nur 9 % der angehenden Ingenieure an Fachhochschulen erwerbstätig, so ist es heute allerdings schon jeder vierte. Trotz allem stellt Soziologe Fuchs fest, dass sich die Auswirkungen auf das Studium in Grenzen halten. Wer jobbt, belege zwangsläufig weniger Veranstaltungen und erwerbe vier Scheine statt 4,4 pro Semester.
Die Lehrenden müssen die Verschiebung der Prioritäten ihrer Studenten zur Kenntnis nehmen. Fuchs fordert sie auf, mit den Terminen für Prüfungen und Blockseminare das Jobben nicht zu blockieren, und mit kritischeren jungen Studenten zu rechnen, die Praxisluft geschnuppert haben und mit älteren Studenten, die nach einigen Jahren im Job zurück an die Uni kommen.
Eine studiennahe Tätigkeit, sei es in Betrieben oder innerhalb der Universität, erhöht das Studienengagement. Der Journalistikstudent, der in einer Pressestelle jobbt oder die Lehramtsstudentin mit Kind, die Aushilfsunterricht gibt, wissen wofür sie studieren, sie üben Selbstorganisation und Zeitmanagement. „Es kostet viel Kraft und Zeit“, sagt Lehramtsstudentin Gabriele Krusch, „die zu Lasten meines Studiums und meiner Tochter gehen. Aber ich weiß, was mich erwartet, ich habe Verantwortung, ein Ziel vor Augen und mich selbst in diesem Feld bewiesen.“ Allerdings nehme sie die Diskrepanz zwischen universitärer Theorie und der Praxis umso deutlicher wahr.
Fuchs, der während seines Studiums Taxi gefahren ist, sieht an der Entwicklung viele positive Punkte für die Persönlichkeitsstruktur. Die Studenten zeigten große Verantwortung, sie seien konsequent („ich brauche Geld, um mein Studium zu finanzieren, also arbeite ich“), leistungsorientiert und arbeiteten berufsorientiert. „Die Studenten erwarten einen leichteren Berufseinstieg sie hoffen, dass die Personalmanager die Erfahrungen und Kompetenzen des Jobbens positiv bewerten“, weiß Fuchs. „Jobben, Praxiserfahrung oder ehrenamtliches Engagement sind auf jeden Fall positive Kriterien bei einer Bewerbung“, sagt Susan Bauer, Personalberaterin bei Kienbaum. Sie hat vor ihrem Einstieg bei ihrem jetzigen Arbeitgeber zwei Jahre studienbegleitend gejobbt. „Dadurch ist mein Marktwert gestiegen.“ Teamfähigkeit, Stressmanagement und Organisationsfähigkeit ließen sich als Schlüsselqualifikationen beim Jobben erwerben, meint Bauer. Man kennt die Arbeitsabläufe, man ist näher am Markt als der Nur-Student. „Lieber mehr Erfahrung als gute Noten ohne Erfahrung.“ Schließlich rangiert das Unterscheidungsmerkmal „reifere Persönlichkeit“ in der aktuellen Kienbaum-Umfrage unter den „High Potentials“ weit oben, Studienleistung und Methodenwissen dagegen belegen die letzten Plätze. MARIA M. HELD

  • Maria Magdalena Held

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