Consulting 01.10.2010, 19:49 Uhr

Vom Berater zum Innovator

Der Markt für Technologieberatung und Engineering-Dienstleistungen wächst wieder. Mit eigenständiger Entwicklungsleistung versucht die Branche, sich als Partner der Industrie und attraktiver Arbeitgeber zu positionieren.

Während Unternehmen aus Technologieberatung und Ingenieur-Dienstleister 2008/2009 ein herbes Minus von 5,9 % bei den Inlandsumsätzen verkraften mussten, geht es im laufenden Jahr bereits wieder aufwärts: 8,1 % Wachstum sollen der krisengebeutelten Branche zum Anschluss an frühere, bessere Zeiten verhelfen – für die anschließende Periode bis 2015 prognostiziert die aktuelle Lünendonk-Studie zu diesem Marktsegment sogar durchschnittliche Wachstumsraten von 8,5 %.

Am Fachkräftemangel der Branche hat die Krise nichts geändert. Bei der Elektroniksystem- und Logistik-GmbH ESG, so berichtete Wolfgang Sczygiol, Leiter Marketing, gebe es derzeit 70 offene Stellen, aber kaum Bewerber, die auf das Anforderungsprofil passten.

„Dabei bieten wir Berufseinsteigern Weiterbildung und die große Chance, sich im Lauf der Zeit in unterschiedlichen Projekten und Branchen zu bewähren“, sagt René Esser, Geschäftsführer beim Ingenieurdienstleister IndustrieHansa. So würden heute sehr viele Erkenntnisse aus dem Flugzeugbau, etwa die Verwendung neuartiger Verbundfasern zur Gewichtseinsparung, auf die Automobilindustrie übertragen. Beim Gehalt bestehe heute kaum noch ein Unterschied zur fertigenden Industrie.

Personal aus dem benachbarten Ausland zu holen, scheitert vielerorts an Sprachproblemen. „In deutschen Firmen hat sich Englisch als Verkehrssprache noch nicht durchgesetzt“, moniert Sczygiol. Vielerorts seien Mehrsprachigkeit und damit internationale Verwendbarkeit selbstverständlich. „In Schanghai gibt es beispielsweise einen Ingenieurstudiengang, dessen Teilnehmer nach drei Jahren fließend Deutsch und Englisch sprechen. Sie haben dann einen deutschen und einen chinesischen BA-Abschluss“, berichtet der Manager.

Gerade angesichts zu weniger Fachkräfte komme es darauf an, die Mitarbeiter durch eigenständige Forschungsleistung zu begeistern. ESG hat ein eigenes Solarfahrzeug zur Demonstration seiner E-Mobility-Fähigkeiten entwickelt. Olaf Schnell, Geschäftsführer von Altran Deutschland, bestätigt. „Wir müssen innovativ sein und eigene Themen besetzen“ – einschließlich des Erwerbs eigener geistiger Eigentumsrechte.

Gelegenheiten für solche Eigenständigkeit gibt es reichlich: Wichtigster Abnehmer der Services ist zwar noch immer die Automobilindustrie, sie generiert ein Drittel der Umsätze. Im Aufstieg begriffen sind als Kunden aber die eng zusammenhängenden Branchen Energie und Umwelt sowie Verkehr, Transport und Logistik. Im Jahr 2008 kamen aus Energie- und Umweltbranche 2,4 % der Umsätze der Ingenieurdienstleister, ein Jahr später waren es schon 3,4 %, ein Anstieg um rund 40 % also. Bei Verkehr und Logistik wuchs der Umsatz sogar noch stärker (2008: 2,2 % – 2009: 3,6 %).

Hier besteht enormer Erneuerungsbedarf. Es fehlen Langfristspeicher für Wärme oder Strom, Infrastrukturen für E-Mobility und neuartige, intelligente Energiedienstleistungen, um nur einiges zu nennen. Die Industrie wird nicht alles allein entwickeln können. Deshalb ist sie, so die Meinung der von Lünendonk befragten Technologieberater, heute eher bereit, sich auf intelligente Partnerschaftsmodelle einzulassen – zum Nutzen der beratenden Ingenieure.

ARIANE RÜDIGER

Die Lünendonk GmbH ist nach eigener Aussage „spezialisiert auf systematische Marktforschung, Branchen- und Unternehmensanalysen sowie Marktberatung für Informationstechnik-, Beratungs- und weitere hoch qualifizierte Dienstleistungsunternehmen“.

Ein Beitrag von:

  • Ariane Rüdiger

    Freie Journalistin in München. Schwerpunktthemen: Betriebliche IT-Themen (IT-Infrastruktur und ihr Management, Telekommunikation, Rolle des CIO), Nachhaltige Informationstechnik – Green IT (Virtualisierung, Recycling, nachhaltiges IT-Design…), Erneuerbare Energien (Smart Grid, Photovoltaik, Wind, Solarthermie, Pellets) und ökologisches Bauen, Nachhaltiges Wirtschaften und nachhaltige Stadtentwicklung, Queer Culture.

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