Problem der Überalterung 11.04.2014, 07:00 Uhr

VDI warnt: Auf Deutschland kommt massiver Ingenieurmangel zu

Ab dem Jahr 2020 könnte das Problem der Überalterung die Ingenieurbranchen voll im Griff haben. Zukünftig könnten bis zu 50.000 Ingenieure pro Jahr ausscheiden und gleichzeitig konjunkturbedingt 40.000 neue Ingenieurstellen benötigt werden. Aber der Nachwuchs bleibt weit hinter dem Bedarf zurück.

Nach einer Berechnung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) gab es Anfang des Jahres in Deutschland insgesamt 63.700 unbesetzte Arbeitsplätze für Ingenieure. Spitzenreiter in der Ingenieurbeschäftigung in Deutschland ist die Region um Dresden mit 78 Ingenieuren je 1000 Erwerbstätige.

Nach einer Berechnung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) gab es Anfang des Jahres in Deutschland insgesamt 63.700 unbesetzte Arbeitsplätze für Ingenieure. Spitzenreiter in der Ingenieurbeschäftigung in Deutschland ist die Region um Dresden mit 78 Ingenieuren je 1000 Erwerbstätige.

Foto: dpa/Stephanie Pilick

Deutschland hat die ältesten Ingenieure in Europa. Laut einer neuen VDI-Untersuchung ist bereits jeder Fünfte älter als 55 Jahre. Umgekehrt sind nur 18 Prozent der Ingenieure in Deutschland jünger als 34 Jahre. Beide Werte bilden Schlusslichter im Europa-Vergleich. 

VDI-Chef: „Da tickt eine Zeitbombe“

Udo Ungeheuer, Präsident des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI), geht von einer zunehmenden Verschärfung des Problems aus. „Ab dem Jahr 2020 wird uns das Problem der Überalterung voll im Griff haben“, sagte Ungeheuer auf der Hannover Messe. 

Der VDI wartet allerdings nicht mit Effekt-Hascherei auf, sondern untermauert diese Äußerungen mit konkreten Werten. So wird die deutsche Industrie in Zukunft Jahr für Jahr weitere 90.000 Ingenieure benötigen. Etwa die Hälfte dieses Bedarfs geht darauf zurück, dass aktive Ingenieure die Altersgrenze erreichen. 

Die andere Hälfte des Ingenieurbedarfs hat ihre Ursache im anhaltend starken und schnellen technischen Fortschritt, der immer weitere Ingenieure erfordert – und zwar keineswegs nur in der Industrie. Gerade Banken und Versicherungen bemühen sich heutzutage genauso um die Anwerbung von Ingenieuren wie die Industrie, da sich immer mehr technisch-wirtschaftliche Zusammenhänge nicht mehr ohne solide Ingenieurausbildung beurteilen lassen. 

Zudem dringen in der Industrie in Unternehmensbereichen wie dem Marketing und Vertrieb Ingenieure vor, weil die potenziellen Abnehmer auf die Beratung durch gut geschulte Techniker besonderen Wert legen.

Seit Jahren steigt die Zahl der benötigten Ingenieure

Von 2005 bis 2011 ist die Zahl der erwerbstätigen Ingenieure in Deutschland um 20 Prozent auf 1,66 Millionen gestiegen. Dabei nahm die Zahl der Ingenieurinnen mit 34 Prozent auf 275.000 sogar deutlich überproportional zu. 

Nach einer Berechnung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) gab es Anfang des laufenden Jahres in Deutschland insgesamt 63.700 unbesetzte Arbeitsplätze für Ingenieure. Gleichzeitig waren 27.200 Ingenieure arbeitslos gemeldet. Frank Ferchau, geschäftsführender Gesellschafter des Ingenieurdienstleisters Ferchau, nennt regionale Gegebenheiten sowie unterschiedliche Erwartungen von Jobsuchenden und Arbeitgebern als wesentliche Gründe dafür, dass es überhaupt arbeitslose Ingenieure gibt.

Spitzenreiter in der Ingenieurbeschäftigung in Deutschland ist die Region um Dresden mit 78 Ingenieuren je 1000 Erwerbstätige. Dicht danach folgen die Regionen München und Mittelthüringen. 

Bei der Ingenieurausbildung sieht es ganz anders aus. Hier ist die Region Aachen mit 171 Ingenieurabschlüssen je 1000 Erwerbstätige Spitzenreiter. Der hohe Ingenieurbedarf in Deutschland und die vielfach besonders guten Arbeitsbedingungen haben im Laufe der Zeit zu einer starken Zuwanderungsbewegung geführt. 239.000 Ingenieure, die heute in Deutschland arbeiten, sind im Ausland geboren und später zugewandert. 139.000 haben ihre Ingenieursausbildung im Ausland erhalten. 

  • Peter Odrich

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