Interview: Initiative "MINTalente" 30.11.2012, 20:10 Uhr

VDI sucht Frauen mit Migrationshintergrund

Frauen sind heiß begehrt – in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT). Wie der VDI um sie wirbt, gegen welche Ressentiments die Fachbereiche kämpfen und welche Vorteile Frauen in „Männerberufen“ haben können, erklärt Tina Lackmann, im VDI verantwortlich für die Initiative „MINTalente“.

VDI nachrichten/INGENIEUR.de: Frau Lackmann, die ganze Republik ruft nach Fachkräften und unterstützt Frauen durch vielfältige Aktionen, sich für MINT-Berufe zu entscheiden. Wofür braucht es Initiativen wie MINTalente?

Tina Lackmann: Schauen wir in die Schulen: 40 % der Oberstufenschülerinnen interessieren sich für MINT-Tätigkeiten, aber nur 23 % fangen ein entsprechendes Studium an. Da setzen wir an, um die Unentschlossenen zu erreichen. An den Hochschulen verhält es sich ähnlich. Viele Absolventinnen aus MINT-Fächern wandern in MINT-ferne Tätigkeiten ab, zum Beispiel in die Verwaltung. Unser Ziel ist es, Frauen zu zeigen, die mit ihrem Studiengang in den Beruf gegangen sind und Erfolg haben.

Gelingt Ihnen das?

Tina Lackmann: Wir erhalten viel positives Feedback. Bei einer Befragung von Teilnehmerinnen, die vom com-X Institut durchgeführt wurde, kam heraus, dass viele Schülerinnen nach dem Treffen mit einem Role Model positiv motiviert sind, sich selbstständig neue Informationen über MINT-Tätigkeiten zu suchen. Die Role Models werden dank ihrer persönlichen Erfahrungen „aus erster Hand“ als glaubwürdige Quellen gesehen. Insofern verstehen wir uns als begleitendes Angebot, das anschauliche Beispiele für diese Berufszweige aufzeigen kann.

Es gibt so viele MINT-Initiativen. Könnte man Synergien besser nutzen?

Tina Lackmann: Um die MINT-Initiativen bundesweit zu bündeln und Partner zusammenzubringen, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung 2008 den nationalen Pakt „Komm mach MINT“ initiiert. Seither vernetzen sich dort Unternehmen, Verbände, Bundesländer, Hochschulen und Forschungsinstitute. Unser Role Model Nachfolgeprojekt MINTalente läuft in Kooperation mit der Fachhochschule Köln und der Stiftung Jugend forscht. Der VDI nutzt die Plattform für die Projektpartnersuche, den Austausch mit Partnern und ganz aktuell die Suche nach neuen Role Models.

Wie läuft so eine Suche ab?

Tina Lackmann: Die meisten Frauen melden sich selbst. Voraussetzung ist, dass sie ein MINT-Fach studieren oder vor diesem Hintergrund in Wirtschaft oder Wissenschaft berufstätig sind. Für MINTalente müssen sie bereit sein, ehrenamtlich für mindestens eine Veranstaltung im Jahr als Role Model bereitzustehen.

Bewerben sich vor allem Frauen, die Karriere über alles stellen?

Tina Lackmann: Nein. Bei unserem Projekt engagieren sich Frauen in ganz unterschiedlichen Positionen und Karrierestufen, von der Schiffsbaustudentin bis zur gestandenen Geschäftsführerin. Viele sagen uns: „Ich hätte mir selbst eine Frau gewünscht, die mir ihren Weg aufzeigen kann. Die mir die Herausforderungen schildert und wie sie damit umgegangen ist.“ Die Role Models möchten Schülerinnen Mut machen.

Wie verteilen sich die 400 Role Models denn auf die vier Bereiche M-I-N-T?

Tina Lackmann: Die meisten kommen aus der Technik, weil dort die größte Nachfrage ist. Im Moment suchen wir aber verstärkt Mathematikerinnen, Frauen aus Großstädten und Ballungsräumen und solche mit Migrationshintergrund. Damit wollen wir unseren Role Model-Pool noch vielfältiger machen.

Welche Vorurteile sind bei Mädchen und jungen Frauen besonders hartnäckig?

Tina Lackmann: Knapp 17 % der erwerbstätigen Ingenieure in Deutschland sind weiblich. Natürlich ist es so, dass das immer noch eine Männerwelt ist und das wird auch so wahrgenommen. Die Berufe sind oft mit einem männlichen Rollenbild behaftet. Wenn eine Frau Kinder bekommen will, bietet der MINT-Bereich Tätigkeiten, bei denen viele annehmen, sie seien nicht vereinbar mit Familie.

Ist dem nicht so?

Tina Lackmann: Das ist sicherlich ein Problem. Aber in typisch weiblichen Berufen, wie Krankenschwester, sind die Voraussetzungen durch Schichtdienste und geringe Bezahlung eher schlechter als im Ingenieurberuf. Die Einstiegs- und Verdienstchancen bei Ingenieuren sind gut. Zudem suchen viele Firmen gezielt nach Frauen, um den Fachkräftemangel auch über diese Gruppe auszugleichen – und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf betrifft nicht nur Frauen. Immer mehr Männer gehen in Elternzeit und zwingen die Unternehmen dazu, über alternative Modelle nachzudenken.

Geschieht das?

Tina Lackmann: Derzeit gibt es viele Bemühungen, Teams divers zusammenzusetzen. Dabei werden das Alter, die Nationalität und das Geschlecht berücksichtigt. Es gibt Studien, die besagen, dass die erzielten Ergebnisse in einem solchen Team besser sind. Die Unternehmen haben erkannt, dass ihnen das gut tut und haben vielfältige Initiativen gegründet.

Was muss sich ändern, damit Frauen in Zukunft ebenso wie Männer in MINT-Bereiche gehen?

Tina Lackmann: Ein wichtiger Teil sind Vorbilder. Wer sich Ingenieure vorstellt, denkt an einen Mann mittleren Alters, der in einer stillen Kammer sitzt und tüftelt. Wir wollen zeigen, dass der Ingenieurberuf kommunikativ ist, dass man mit ihm die Zukunft mitgestaltet und Menschen helfen kann. An diesem Fakt setzen wir an und liefern Rollenbilder. Damit wollen wir den Mädchen Mut machen, ihren Weg in Technik und Naturwissenschaften zu finden – auch wenn der nicht von Beginn an geradlinig ist. 

  • Lisa Schneider

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