Arbeitsmarkt 22.02.2013, 16:59 Uhr

Trotz Wirtschaftskrise finden Ingenieure in Osteuropa Arbeit

Die Krisen in Griechenland, Spanien und Portugal sind in aller Munde. Doch worüber kaum einer spricht: In vielen Ländern Osteuropas ist die Krise nicht weniger ausgeprägt und noch längst nicht vorbei. Hohe Arbeitslosigkeit verstärkt die seit Jahren anhaltende Abwanderung. Nur gut qualifizierte Fachkräfte haben weiterhin gute Jobaussichten. Deutsche Unternehmen in Osteuropa können über einen Ingenieurmangel nicht klagen.

Einige Länder Ost- und Südosteuropas hat die Krise teils härter getroffen als Spanien und Griechenland. Rumänien musste 2010 und 2011 wegen der Finanzkrise ein beispielloses Sparprogramm umsetzen. Heute haben sich die Immobilienpreise in Bukarest mehr als halbiert, überall ragen Bauruinen in den Himmel.

Auch andere osteuropäische Länder hat die Krise im Griff. In Ungarn schrumpfte die Wirtschaft 2012 um 1 %. Selbst das einstige Musterland Slowenien, das als erstes neues EU-Mitglied 2007 den Euro einführte, steckt in einer schweren Rezession.

Überall ist die Arbeitslosigkeit gestiegen, teilweise hat sie sich in wenigen Jahren verdoppelt, etwa in Serbien und Kroatien. Wie auch in den Euro-Krisenstaaten waren von der steigenden Arbeitslosigkeit vor allem schlecht oder gar nicht ausgebildete Arbeitskräfte betroffen. Facharbeiter und andere gut Qualifizierte hatten immer eine gute Chance auf einen Job, so Christoph Dovits, Unternehmensberater bei Kienbaum in Wien. „Inzwischen haben Unternehmen in Mittel- und Osteuropa wieder erhebliche Schwierigkeiten, gute Leute zu finden.“ Das zeigen die jährlich von Kienbaum durchgeführten Befragungen von Unternehmen. Besonders gesucht sind Facharbeiter und Ingenieure. Für diese sind die Jobchancen in den meisten Ländern derzeit wieder so gut wie zuletzt vor der Wirtschaftskrise.

„In den meisten Branchen in Bulgarien ist die Versorgung mit qualifiziertem Personal ausreichend“, sagt Dirk Steffes, deutscher Personalvermittler in Sofia. „Deutlichen Mangel gibt es allerdings bei Ingenieuren mit fortgeschrittenen Programmierkenntnissen.“ Dieser Mangel sei durch die Abwanderung von Ingenieuren nach Deutschland verstärkt worden, die zur Wirtschaftskrise 2009 eingesetzt habe. „Eine kurzfristige Verbesserung des bulgarischen Arbeitsmarktes sehe ich nicht“, so Steffes. Am Mittwoch dieser Woche trat die bulgarische Regierung auf Druck der Öffentlichkeit zurück.

Ähnlich wie Steffes sieht es Milan Vuckovic von der deutschen Außenhandelskammer in der serbischen Hauptstadt Belgrad: „In der Regel haben Firmen kein Problem, qualifiziertes Personal zu finden. In Serbien gibt es viele Ingenieure, die Arbeit suchen.“ Aber es gebe Ausnahmen: So seien Manager für Qualitätskontrolle insbesondere in kleineren Städten oft schwer zu finden.

Von der drastischen Sparpolitik, die in allen Ländern der Region umgesetzt wird, sind vor allem gering ausgebildete Menschen und Staatsangestellte betroffen: „Die Sparauflagen waren nicht realistisch, doch die Regierung setzte darüber hinaus sogar Kürzungen durch, die der IWF gar nicht verlangte“, stellt der rumänische Publizist Costi Rogozanu fest. Löhne und Gehälter in Rumäniens öffentlichem Sektor wurden um 25 % gekürzt, Sozialleistungen gestrichen, ein Viertel der Krankenhäuser geschlossen und mehr als 100 000 Stellen im Staatsdienst abgebaut.

Davon ist bei Premium Aerotec, Hersteller von Fertigungssystemen für den Flugzeugbau in BraÖov, wenig zu spüren. „Aufgrund des Produktionsanstiegs in Airbus-Serienprogrammen ist unser Fertigungsstandort in Rumänien sehr gut ausgelastet“, sagt Unternehmenssprecher Edmund Reitter. Probleme, ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu finden, gebe es nicht, denn das Werk ist wesentliches Element des „Aeropark BraÖov“ dem Kernstück der Luftfahrtindustrie in Rumänien. Reitter: „Die überwältigende Mehrzahl der Mitarbeiter finden wir vor Ort. Diese Kräfte bilden wir auch selbst aus.“ Zudem nahm im September 2012 in BraÖov eine technische Berufsschule nach dem Vorbild des in Deutschland etablierten dualen Ausbildungssystems ihren Betrieb auf.

Auch Bosch kann nicht klagen. Der Konzern sucht derzeit Fachkräfte in Rumänien, vor allem, um den Produktionsstart am neuen Standort in Cluj-Napoca (geplant Mitte 2013) sicherzustellen. „Der rumänische Arbeitsmarkt bietet uns insgesamt die nötigen lokalen Spezialisten, sowohl höher Qualifizierte als auch Angelernte“, heißt es bei Bosch.

Beim Aufbau eines neuen Standorts habe sich die gemischte Besetzung von Führungspositionen aus nationalen und internationalen Mitarbeitern bewährt. „Dort, wo lokale Kenntnisse benötigt werden, wie im Bereich Human Resources oder Facility Management, sind lokale Führungskräfte geplant, dort, wo produkt- oder prozessspezifische (Bosch-)Erfahrung benötigt wird, wie in Technik oder Controlling, sind zu Beginn Vertragsangestellte als Führungskräfte geplant, die mittelfristig durch nationale Führungskräfte ersetzt werden.“

Die Sparpolitik und die guten Arbeitsmarktaussichten in Deutschland haben den seit vielen Jahren anhaltenden Abwanderungsdruck in vielen Ländern noch verstärkt. Seit 2002 ist die rumänische Bevölkerung um 2,5 Mio. Menschen geschrumpft.

Die Krise traf auch Serbien schwer. Schon zuvor mangelte es der Industrie nach jahrzehntelanger Isolation an Wettbewerbsfähigkeit. „In der serbischen Industrie sind in den vergangenen 20 Jahren 620 000 Arbeitsplätze verloren gegangen“, sagt Dragan Matic von der Industrie-Gewerkschaft in Belgrad. „Das heißt: Zwei von drei Arbeitsplätzen in der Industrie sind heute weg.“

2012 ist die serbische Wirtschaft um rund 2 % geschrumpft, es ist bereits die zweite Rezession nach 2009. Die Doppelrezession war für das Land zu viel: Die Arbeitslosigkeit liegt inzwischen bei 28 % und damit etwa so hoch wie in den Krisenstaaten Spanien und Griechenland.

Kroatien hat die Hoffnung, dass die Lage sich nach dem voraussichtlichen EU-Beitritt am 1. Juli bessert, weil mehr Geld aus der EU ins Land fließt. Aber in Kroatien liegt die Arbeitslosigkeit derzeit bei 17 % und ist damit doppelt so hoch wie 2008. Wie die Erfahrung der anderen EU-Beitrittsländer allerdings zeigt, sinkt die Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte, wenn sich die Grenzen öffnen und damit die wirtschaftlichen Chancen im Heimatland verbessern. HUBERT BEYERLE/SILVIU MIHAI/WOLFGANG SCHMITZ

Von Beyerle/Silviu Mihai/Wolfgang Schmitz

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