Arbeitsmarkt 05.12.2008, 19:38 Uhr

„Treueprämien“ sichern Arbeitsplätze  

VDI nachrichten, Dresden, 5. 12. 08, cha – Berufsanfänger werden in der Regel schlechter bezahlt als ihre „altgedienten“ Kollegen. Viele Firmen – vor allem in der Investitions- und Konsumgüterindustrie, im Banken- und im Dienstleistungsbereich – zahlen hohe „Treueprämien“ für langjährige Mitarbeiter. Eine solche Entlohnung nach dem Senioritätsprinzip macht durchaus Sinn, obwohl sie für die hohe Arbeitslosigkeit bei Über-50-Jährigen mitverantwortlich ist, behauptet Thomas Zwick, Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Zwick: Die Entlohnung steigt im Laufe des Berufslebens – also nicht nur am Ende – kontinuierlich überproportional, das heißt: stärker als die Produktivität. Man kann deshalb zwar von einer „nachträglichen“ Entlohnung sprechen, aber diese wird nicht etwa schlagartig in den letzten ein, zwei Jahren gezahlt.

Ältere Beschäftigte sind dann überproportional teuer, wenn ein Unternehmen diesem Personenkreis einen Lohn zahlt, der oberhalb der Produktivität liegt – als Ausgleich dafür, dass der Einstiegslohn relativ gering war. Wenn Ältere dann ihren Arbeitsplatz verlieren, werden sie diesen hohen Lohn nicht mehr bekommen, weil sie bei einem anderen Arbeitgeber diesen niedrigen Einstiegslohn nicht hatten und der Mechanismus der „nachträglichen“ Entlohnung dort nicht mehr funktionieren kann.

VDI nachrichten: Welche Folgen hat das?

Zwick: Wir beobachten, dass ältere Arbeitslose relativ lange zögern, wieder eine neue Beschäftigung anzunehmen, weil sie den alten Lohn als Referenz im Hinterkopf haben und die Lohnangebote, die sie bekommen, deutlich unter dem liegen, was sie bisher hatten. Auch Arbeitgeber zögern, Ältere einzustellen, weil sie befürchten, dass sie ähnlich hohe Lohnforderungen stellen wie die Gleichaltrigen, die sie schon lange Zeit beschäftigt haben. Die Unternehmen haben Angst, damit ihr Lohngefüge zu zerstören. Die Arbeitslosigkeit der Über-50-Jährigen ist in Deutschland übrigens im internationalen Vergleich besonders hoch, wenn man sie mit der durchschnittlichen Arbeitslosigkeit der Gesamtbevölkerung vergleicht!

VDI nachrichten: Warum wird in Deutschland oft nach der Dauer der Betriebszugehörigkeit bezahlt? Und warum nur in bestimmten Branchen?

Zwick: Die Betriebe haben ein Interesse an diesem Mechanismus, wenn sie ihre Beschäftigten gern an sich binden wollen. Es gibt in Deutschland viele Branchen, in denen die Betriebsbindung der Beschäftigten ein wichtiger Wettbewerbsfaktor ist – das betrifft zum Beispiel Deutschlands Paradeindustrien wie den Maschinenbau, die Metallverarbeitungsbranche oder das Ingenieurwesen. In diesen Bereichen ist es für die Unternehmen wichtig, dass die Mitarbeiter nicht zum Konkurrenten abwandern, und da ist die Entlohnung nach dem Senioritätsprinzip ein effizientes Mittel, um die Beschäftigten an sich zu binden. In anderen Industrien und anderen Ländern ist die Mitarbeiterbindung nicht so wichtig, und deshalb wird dieser Mechanismus dort nicht so stark genutzt.

VDI nachrichten: Sie warnen davor, das Senioritätsprinzip abzuschaffen, wie es der EU-Kommissar für Beschäftigung, soziale Angelegenheiten und Chancengleichheit kürzlich gefordert hat. Warum?

Zwick: Weil das Senioritätsprinzip ein effizientes Mittel ist, um Mitarbeiter zu binden und zu motivieren. Deshalb setzen es die Betriebe auch freiwillig ein – es ist in Deutschland beispielsweise nicht in Tarifverträgen festgeschrieben.

Wenn man den Betrieben per Gesetz die Möglichkeit nimmt, ihren Beschäftigten diese Form der nachgelagerten Entlohnung anzubieten, müssten diese Unternehmen andere Maßnahmen treffen, um den gleichen Effekt der Motivierung und Bindung der Mitarbeiter zu erzielen.

Man kann aber davon ausgehen, dass diese Mechanismen ineffizienter sind, da die Betriebe sie sonst bereits jetzt genutzt hätten. Das heißt: Sie sind teurer oder wirken nicht so gut. Letztlich würde dies die Arbeitskosten erhöhen und damit würden – insgesamt gesehen – weniger Mitarbeiter eingestellt.

VDI nachrichten: Erwarten Sie, dass mit dem absehbaren demografischen Wandel das Senioritätsprinzip fällt?

Zwick: Darauf gibt es zwei mögliche Antworten. Wenn ich mehr ältere Beschäftigte im Betrieb habe, weil es weniger Frühpensionierungen gibt und die Mitarbeiter freiwillig länger bleiben als früher, da sie sonst nicht ihren vollen Pensionsanspruch haben, dann wird es teuer. Dann muss der bisherige Anstieg der Löhne im Laufe des Arbeitslebens abgeflacht werden, weil der Anteil derjenigen, die oberhalb ihrer persönlichen Produktivität bezahlt werden, an der Gesamtbelegschaft steigt. Das heißt: Die Boni müssen später gezahlt werden als bisher oder niedriger ausfallen als in der Vergangenheit. Manche Unternehmen werden aus diesem Grund tatsächlich das Senioritätsprinzip abschaffen oder abschwächen müssen, weil es zu teuer wird.

Die zweite mögliche Antwort: Wenn ein Unternehmen keine jüngeren Arbeitslosen oder Berufseinsteiger bekommt, wird es sein Rekrutierungsverhalten ändern müssen und ältere Arbeitslose einstellen. Dabei muss es einen Weg finden, diese älteren Arbeitslosen geringer zu bezahlen als vergleichbare Kollegen im selben Alter, die schon lange dem eigenen Unternehmen angehören. Das hebelt aber das Senioritätsprinzip nicht grundsätzlich aus. DAGMAR HESS

Von Dagmar Hess
Von Dagmar Hess

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