Karriere 06.11.1998, 17:19 Uhr

Traumjobs auch für Frauen

Angesichts zunehmend weiblicher Kundschaft ist es kein Wunder, daß die Automobil-Industrie verstärkt nach weiblichen Fach- und Führungskräften Ausschau hält, die aber längst nicht in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen.

Die Automobil-Branche kündigt für 1998 eines der erfolgreichsten Jahre ihrer Geschichte an. Dabei zwingt der härter werdende Wettbewerb die Fahrzeughersteller, ihre Modellpalette verstärkt auch an den Wünschen von Frauen zu orientieren. „Muskulös und kraftvoll, aber auch ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit vermittelnd“, so beschreibt Ursula-Christiane Weps den „Sportwagen, der auch Frauen begeistert“. Die Leiterin Gesamtfahrzeugfreigabe für die A-Klasse bei der Audi AG in Ingolstadt war federführend an der Entwicklung des unlängst vorgestellten Sportcoupes Audi TT beteiligt: „Sportlichkeit nicht um jeden Preis, sondern in Verbindung mit hohem Komfort und praktischem Nutzwert“, faßt die Diplomingenieurin die Anforderungen an ein „weibliches“ Fahrzeug zusammen. Schließlich kaufe der Kunde keinen Motor, sondern ein Fahrzeug, erläutert Weps die Produktphilosophie: „Die Bedürfnisse von Frauen zu kennen und in neuen Fahrzeugkonzepten umzusetzen ist heutzutage ein absolutes Muß in unserer Branche. Denn Frauen, unter den Kunden des A 3 überdurchschnittlich stark vertreten, haben sich zu einer äußerst einflußreichen und selbstbewußten Käuferschicht entwickelt.“ Daß es typische Frauenautos gebe, glaubt Sabine Zemelka von der BMW AG in München allerdings nicht: „Erst das Zusammenspiel von männlichen und weiblichen Entwürfen und die gegenseitige Inspiration bringt optimale Ergebnisse“, so die Erfahrung der Produktdesignerin mit gut 20jähriger Berufserfahrung in der Automobilindustrie. Seit 1977 arbeitet die Diplomdesignerin an Farbe und Ausstattung von Nobelkarrossen, zunächst bei der Audi AG, bis sie 1986 nach München wechselte. Dort stieg die heute 48jährige 1991 zur Chefin der Abteilung Farbe und Ausstattung auf. „Es ist ein Jammer, daß sich so wenig Frauen für die Automobilindustrie bewerben“, meint Zemelka, die bei BMW ihren Traumjob gefunden hat. Tatsächlich zählte die BMW AG Ende 1997 lediglich 205 Frauen unter den außertariflichen Angestellten, etwa 4,5 %. Der bayrische Hersteller von Nobelkarrossen würde gern mehr Frauen anstellen, was aber aufgrund „gesellschaftlicher Gegebenheiten“ äußerst schwierig sei, erläutert der für Personalfragen zuständige Sprecher Christoph Dhein: „BMW beschäftigt deshalb weniger Ingenieurinnen, weil diese Fächer an den Hochschulen eher von Männern gewählt werden, während Mädchen schon im Vorfeld kaum für diese Studienrichtungen zu gewinnen sind.“ Interessierte Frauen erhielten bei BMW jedoch alle Chancen, in Führungspositionen zu gelangen, beteuert Dhein. „Das Leistungsprinzip steht bei Audi im Vordergrund“, bestätigt Rolf Hueber, Leiter Personalreferate Einkauf, Finanzen und Organisation bei Audi AG. Fordern und Fördern bedingten sich hier gegenseitig, Frauenförderung habe insofern nichts mit Quoten zu tun. „Quotenfrauen werden immer Akzeptanzprobleme haben.“ Für Rita Forst kam beruflich von Anfang an „nie etwas anderes in Frage als Autos und Motoren“. Unmittelbar im Anschluß an das Studium an der Fachhochschule Darmstadt stieg die Ingenieurin für Maschinenbau bei der Adam Opel AG in der Motorenkonstruktion ein. Ausschlaggebend für den Erfolg ihrer damals einzigen Bewerbung sei sicher auch die zuvor absolvierte Lehre bei einem mittelständischen Maschinen- und Anlagenbauer gewesen, glaubt Forst rückblickend. 1981 erfolgte die erste Beförderung zur damals einzigen Projektingenieurin im Internationalen Technischen Entwicklungszentrum (Itez) in Rüsselsheim. Die Teilnahme an einem unternehmensinternen, internationalen Fellowship-Programm in den USA verlieh der Karriere weitere Schubkraft. Doch nach der Rückkehr 1984 stand für die damals 29jährige neben dem Beruf die Frage der Familiengründung an: „Es geht beides“, weiß die Ingenieurin. Zwar genehmigte sie sich nach der Geburt ihres ersten Sohnes 1986 eine sechsmonatige Auszeit, kehrte jedoch anschließend mit voller Kraft zurück und stellte ihre Fähigkeiten in wechselnden Positionen unter Beweis: „Das war sicher die härteste Zeit in meinem Job. Schließlich mußte ich ständig beweisen, daß mich die Familie nicht hinderte, weiterhin die volle Leistung zu bringen.“ 1994 schaffte die ehrgeizige Ingenieurin den Sprung in die mittlere Führungsebene, drei Jahre später rückte sie in den Kreis der oberen Führungskräfte auf. Als Projektmanagerin des Internationalen Technischen Entwicklungszentrums (Itez) in Rüsselsheim trägt die Mutter zweier Kinder heute weltweite Verantwortung für die Fahrzeugintegration einer neuen Motorengeneration. „Die Kompetenz im eigenen Bereich habe ich mir von der Pike auf erarbeitet“, erklärt Rita Forst ihre Bilderbuchkarriere. „Die Motivation dazu entstand häufig nach dem Motto denen werd ich s schon zeigen „. Tatsächlich schafften bisher lediglich 1,5 % der Frauen im Itez der Opel AG den Sprung in die obere Führungsriege, räumt Personalmanagerin Monika Langner ein. Insgesamt befinden sich unter den rund 5000 Angestellten dieses Bereichs etwa 12 % Frauen, in der Technik seien es immerhin noch 6 %. „Verglichen mit der Zahl der Absolventinnen in den ingenieur-wissenschaftlichen Studiengängen von weniger als 4 % eine ganze Menge“, relativiert Langner. Dennoch bereitet die verschwindend geringe Zahl von Absolventinnen ingenieurwissen-schaftlicher Studiengänge den Personalverantwortlichen in Rüsselsheim genauso viel Sorge wie in München oder Ingolstadt.
DAGMAR SOBULL

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  • Dagmar Sobull

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