Arbeitsmarkt 28.01.2011, 19:51 Uhr

„Transfer ist keine Geldverschwendung“

Den Vorwurf, Personal-Transfergesellschaften seien wenig effizient, kontert Gerd Galonska, Geschäftsführer der größten deutschen Transfergesellschaft PEAG, mit dem Hinweis auf eine Vermittlungsquote von 60 % – deutlich höher als die der Bundesagentur für Arbeit. Derzeit sind in Deutschland 15 000 Frauen und Männer in einer Transfergesellschaft.

Kaum etwas ärgert Gerd Galonska so sehr wie die Berichterstattung über Transfergesellschaften. Dieses arbeitsmarktpolitische Instrument, so der Tenor in den Medien, koste viel und bringe wenig.

Galonska ist Geschäftsführer von PEAG in Dortmund, der größten Transfergesellschaft in Deutschland. Rund 4500 Frauen und Männer sind bei PEAG unter Vertrag, rund 15 000 sind in Deutschland insgesamt im Transfer.

Für Wirbel sorgte eine Untersuchung des Ökonomen Hilmar Schneider vom Institut Zukunft der Arbeit in Bonn. Er kam zu dem Ergebnis, dass der Transfer „Geldverschwendung“ sei. Den Betroffenen würde nicht schneller aus der Arbeitslosigkeit geholfen als durch die Bundesagentur für Arbeit (BA).

Das hält Galonska nicht für haltbar. Es seien nur wenige Personen befragt worden, sodass keine Aussage zu einem Durchschnittswert möglich gewesen sei. Auch sei ein Vergleich mit tatsächlichen Vermittlungsquoten der BA nicht möglich, da die BA solche Quoten nicht mitteile.

Anstelle von Vermittlungsquoten gebe die BA eine Integrationsquote bekannt. Sie schließt die Teilnehmer von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen ein. Diese Quote beträgt nach Angaben von Galonska zwischen 11 % und 14 %. Bei der PEAG lag die Vermittlungsquote nach eigenen Angaben 2010 bei rund 60 %. Einen Grund dafür sieht Galonska in der Betreuung: Bei PEAG kümmere sich ein Vermittler im Schnitt um höchstens 50 Arbeitsuchende, bei der BA mindestens um 200.

Für die Steuer- und Beitragszahler entständen durch den Transfer auch weniger Kosten, sagt der PEAG-Chef. Der bisherige Arbeitgeber zahlt die Sozialversicherungsbeiträge und finanziert die Transfergesellschaft. Mit dem Transfer spart der frühere Arbeitgeber auch die Kosten für Kündigungen.

Die PEAG ist ein Kind der Stahlindustrie. Noch heute ist der Stammsitz am ehemaligen Hoesch-Gelände im Dortmunder Norden. Gegründet wurde die PEAG 1997, als in kurzer Zeit 6000 Menschen in Dortmund vermittelt werden mussten. „Das konnte man im Konzern nicht auffangen“, sagte Galonska, der zuvor bei Krupp-Hoesch für den internen Arbeitsmarkt zuständig war.

Transfergesellschaften sollen den Beschäftigten nach einer Massenentlassung infolge Insolvenz oder Werkschließung eine neue Arbeit vermitteln. Das schließt eine breite Palette von Beratungs- und Qualifizierungsmaßnahmen ein sowie individuelle Vermittlungsbemühungen. PEAG vermittele nur in den ersten Arbeitsmarkt, nicht in Weiterbildungsmaßnahmen. Wichtig sei, es „die Fähigkeiten der Mitarbeiter zu erkennen“, sagt Galonska.

Großaufträge bekam PEAG mit dem Konkurs des Handyherstellers BenQ und der Schließung des Bochumer Nokia-Werkes. Von den 1700 Mitarbeitern bei BenQ wurden 82 % vermittelt, bei Nokia waren es nur noch 48 % – für die Außendarstellung verheerend, räumt Galonska ein. Diese niedrigere Quote sei eine Folge des Sozialplanes, der bei Nokia „sehr gut ausgestattet war“, und der Wirtschaftskrise.

Die Vermittler von PEAG gehen zwar mit den Wünschen der Arbeitnehmer, was Arbeitszeit oder Einschränkungen angeht, auf die Arbeitgeber zu, doch sie wissen, dass diese Erwartungen nicht immer zu erfüllen sind. Galonska: „Was wir bieten können, ist der Markt mit seinem Lohn.“ Für Transferbeschäftigte sei es dann die „Hölle“, wenn sie nach langer Verweildauer in einem Unternehmen und einem hohen Gehalt mit der neuen Realität konfrontiert werden.

Das Lohngefälle zwischen Branchen (z. B. Metall-/Elektroindustrie und Handel) und Unternehmensgrößen (Konzern, Mittelstand, Handwerk) ist so groß, dass die Beschäftigten sich genau überlegen müssten, welche neuen Job-Angebote sie annehmen, sagt der PEAG-Chef. Die Arbeitnehmer müssen unter Umständen ihr gesamtes Leben umkrempeln. Wer kritisiere, dass dann nicht jedes Angebot sofort angenommen werde, sollte überlegen, was er in der gleichen Lage tun würde, mahnt Galonska. Die meisten würden wohl alles daran setzen, um ihren Status zu bewahren.

Unbefristete Stellen gebe es in Deutschland derzeit so gut wie keine, räumt Galonska ein. Der Einstieg erfolge immer über eine Befristung oder durch Zeitarbeit. Zwischen 60 % und 70 % der in den Unternehmen zu vergebenden Stellen würden zunächst durch Zeitarbeiter besetzt. PEAG hat deshalb eine Tochtergesellschaft zur „vermittlungsorientierten Arbeitnehmerüberlassung für Facharbeiter“ gegründet. Arbeitnehmerüberlassung heißt Leiharbeit im Amtsdeutsch. Doch Leiharbeit ist nicht beliebt, sagt der PEAG-Chef. Die meisten wollen eine „reguläre“ Beschäftigung. Anders als die BA können Transfergesellschaften niemanden in Leiharbeit zwingen.

Arbeitnehmer hätten, wenn sie lange in einem Unternehmen waren, häufig keine realistische Einschätzung ihres Arbeitsmarktwertes, sagt Galonska. Wenn ein Mitarbeiter jahrelang an einer Maschine gearbeitet habe und oft von seinem Chef gelobt worden sei, dann sehe er nicht mehr, dass sein Können draußen nicht mehr gesucht oder deutlich schlechter bezahlt werde. „Wir sind diejenigen, die dann die Wahrheit sagen müssen.“ Am stärksten beeinflusst werde der Vermittlungserfolg durch die persönliche Veränderungsbereitschaft und die Qualifikation. Wenn die fehlen, „kann man alles vergessen“.

In einer neuen Tätigkeit muss gegenüber dem früheren Lohn in der Regel mit Einbußen zwischen 15 % bis 20 % gerechnet werden, meint Galonska. Das gelte aber nicht für Spezialisten oder andere gefragte Kräfte. Die Abfindung aus dem Sozialplan sollte deshalb so gestrickt sein, dass sie die Beschäftigungsaufnahme fördert. Viele Betriebsräte hätten das aber noch nicht begriffen. Sie würden versuchen, möglichst hohe Abfindungen durchzusetzen, auch wenn das die Chancen auf Beschäftigung nicht erhöhe. HAS

Ein Beitrag von:

  • Hartmut Steiger

    Redakteur VDI nachrichten. Fachthemen: Aus- und Weiterbildung, Studium, Beruf.

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