Arbeitsmarkt 29.10.1999, 17:23 Uhr

Technologie-Import schafft Arbeitsplätze

Hightech wächst nicht von selbst. Wirtschaftsförderung sorgt dafür, dass das zarte Pflänzchen Wurzeln schlägt. Diese Politik verfolgt die Detroit Regional Chamber im US-Bundesstaat Michigan höchst erfolgreich, z.B. in Zusammenarbeit mit der IHK Aachen. Zehn Firmen aus der Region haben in South-East-Michigan Niederlassungen errichtet.

Der Markt ist da, wo der Kunde ist: In diesem Fall freut sich die Stadt Detroit. Denn 1,5 Mrd. Dollar Einnahmen werden jährlich erwartet, wenn drei Spielkasinos ihren Betrieb aufgenommen haben und 9,9 % der Netto-Einnahmen abführen müssen. Diesen Sommer eröffnet schon das MGM Grand, 225 Mio. Dollar wurden investiert.
Insgesamt sollen 20 Millionen Besucher 11 000 Dauerarbeitsplätze in Downtown-Detroit garantieren. Detroit, der alte Nabel der amerikanischen Automobilindustrie in South-East-Michigan, scheint wiedergeboren nach nahezu 30 Jahren Niedergang, Herrschaft der Abrißbirnen, Kriminalität und Rassenkonflikten. Die Automobilindustrie brummt wieder trotz starkem japanischen Anteil am US-Markt.
Dass die Arbeitgeber dahin kommen, wo der Arbeitsmarkt ist, dafür sorgt Detroits Bürgermeister Dennis Archer. Hilfreich ist die regionale Chamber of Commerce, mit deren Unterstützung es gelang, insgesamt 800 ausländische Firmen (davon 125 deutsche) anzusiedeln, die 75 000 Menschen beschäftigen. Eine Partnerschaft mit der IHK Stuttgart wurde dieses Jahr vertraglich fixiert: Daimler Chrysler lässt grüßen.
Seit längerem bestehen aber schon die Kontakte zur IHK Aachen. IHK-Geschäftsführer Fritz Rötting: „Zusammen mit der Sparkasse Aachen und AGIT haben wir im Rahmen der Wirtschaftsförderung ein Netzwerk auf Arbeitsebene zu wichtigen Multiplikatoren im US-Bundesstaat Michigan aufgebaut, das Hilfestellung beim Markteinstieg geben kann.“ Die Technologieregion Aachen verfüge durch Zuliefererbetriebe wie z.B. Securit Saint-Gobain, Uniroyal oder Visteon (die Zuliefer-Tochter von Ford) über eine gute Basis bei den Automobilzulieferern. Von strategisch besonders hoher Bedeutung sei die Ballung technisch-wissenschaftlicher Kompetenz an der RWTH Aachen. „Die 15 bedeutendsten Lehrstühle in diesem Bereich haben sich zum Automobilforum Aachen zusammengeschlossen, um das Leistungsangebot zu bündeln“, erläutert Rötting. Die Ansiedlung des Ford-Forschungszentrums Aachen und des Visteon-Technologiezentrums würden die Bedeutung der Region unterstreichen, Kontakte vermitteln. Der Markt ist da, wo die Kunden sind, gilt hier für beide Seiten des Atlantiks.
Der Markt ist da, wo der Kunde ist, sagt sich auch die Fraunhofer-Gesellschaft mit Sitz in München, die in dieser Woche ihr 50jähriges Bestehen feiert. Neben dem halben Hundert Auftragsforschungsinstituten in Deutschland mit zusammen 1,5 Mrd. DM Umsatz wachsen nämlich auch in den USA sieben Fraunhofer-Institute: Umformtechnik, Lasertechnik und Oberflächen- und Laserprozesse sind in Ann Arbor, Michigan, angesiedelt, Bio-Medizin in Florida, Software-Engineering in Maryland, Neue Werkstoffe in Delaware, Fertigungstechnik in Boston.
„180 Mrd. Dollar werden jährlich in den USA für Forschung ausgegeben. Das sind ca. 40 % der weltweiten Investitionen auf diesem Gebiet“, weiß Dr.-Ing. Stefan Heinemann, Direktor des Laser-Instituts in Ann Arbor. Die Fraunhofer-Gesellschaft will von diesem Kuchen profitieren. Das Laser-Zentrum sieht sich auf der einen Seite als Centre of Competence für den amerikanischen Markt. Hier wird das Wissen des ILT auf amerikanische Verhältnisse zugeschnitten. Denn es hat sich gezeigt, dass die Arbeit des amerikanischen Fraunhofer-Instituts industrienäher ist als in Deutschland.
Das Michigan-Institut ist mit mehreren Lasern ausgestattet, insgesamt hat die Ausrüstung einen Wert von 6 Mio. Dollar. Hauptforschungsgebiete sind im Augenblick das Schweißen von Rohren für die Innenhochdruckumformung, wie sie im modernen Automobilbau verlangt wird. Denn Spaceframe-Konstruktionen finden im US- Automobilbau großen Anklang, hat Heinemann festgestellt. Ein anderes Forschungsgebiet sind Tailored Blanks für den Leichtbau. Dazu nimmt man Bleche unterschiedlicher Dicke oder unterschiedlicher Festigkeit und verbindet sie durch Schweißen so, dass die Zonen höherer Festigkeit in der Karosserie mit den „stärkeren“ Blechen sicher sind. 1,5 bis 5 Dollar kann man dabei beim Auto sparen. Der neue Cherokee-Jeep enthält z.B. 30 Tailored Blanks, 500 000 Automobile werden jedes Jahr hergestellt.
Nicht nur mit den „Big 3“ des Automobilbaus arbeitet das Fraunhofer-Institut zusammen, sondern auch mit den First Tier, den Hauptkomponenten-Lieferern. Im Bereich Aerospace sind Hughes und Boeing gute Kunden. Dazu kommt eine Fülle von kleineren und mittleren Betrieben, die in den USA 90 % des Bruttosozialprodukts erwirtschaften. Gute Kontakte bestehen auch zu deutschen Laser-Herstellern wie Trumpf und Rofin-Sinar, die in den USA ansässig sind. Heinemann bringt den komparativen Vorteil seines Instituts auf den Punkt: „Die Anwender können Laser kaufen, weil sie das Geld haben. Aber sie können sie oft nicht effizient benutzen. Dabei helfen wir ihnen.“
Fraunhofer in den USA wird immer amerikanischer werden müssen, ist sich Heinemann sicher. Alle Führungskräfte sollten Amerikaner sein. Langfristig sieht sich Fraunhofer-USA als „Durchlauferhitzer“ wie die deutsche Institution. Es kann sich nämlich ein Netzwerk aufbauen von Ingenieuren und Wissenschaftlern, die sich kennen, die Interferenzen haben – mit den früheren Kollegen von Fraunhofer. Heinemann nennt das „People Pumping“. Die jetzige Mitarbeiterschaft von 15 bis 20 soll auf 40 aufgestockt werden.
Laser-Forschung in den USA findet Heinemann etwas unterbelichtet, jedenfalls außerhalb der vom Verteidigungs- oder Energieministerium geförderten Projekte, z.B. für die Kernfusion. Selbst am MIT in Boston, der führenden Maschinenbau-Universität der USA, vor Stanford in Kalifornien und Ann Arbor, seien nur zwei Professoren mit 15 Mitarbeitern für Laser in der Produktion tätig. Allein das Aachener Fraunhofer-ILT hat 250 Mitarbeiter.
KÄM
Detroits Skyline am Abend, „Booming Town“ auch am Tag: Das Zentrum der amerikanischen Automobilproduktion hat sich erholt durch niedrige Steuern und Wirtschaftsförderung.
Im Center for Laser Technology der Fraunhofer-Dependance in Ann Arbor, westlich von Detroit, wird US-Industrieforschung ausgeführt. Dabei arbeitet man mit dem entsprechenden deutschen Fraunhofer-ILT in Aachen zusammen. Im Bild ein CO2-Laser, geliefert von der US-Trumpf-Tochter.
Deutscher Geräuschtest im Ford: Der Kunstkopf HMS III.0 von Head Acoustics wird benutzt, um Schallquellen zu untersuchen. Das mobile Sound-labor SQlab II wertet die Daten aus. Head Acoustics, Herzogenrath/Aachen, hat durch die Filiale in Brighton/Detroit eine starke Position auf dem US-Markt.

Von Käm
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