Arbeitsmarkt 16.03.2001, 17:28 Uhr

Teamreporter werfen Blicke hinter die Fassade

Die Jagd nach qualifizierten Mitarbeitern erfordert neue Konzepte, sagen sich die „Teamreporter“ von nitsch!com. Sie recherchieren vor Ort, was den Mitarbeiter in spe am Arbeitsplatz erwartet.

Zwei Er-sucht-Sie-Kontaktanzeigen im Vergleich. Nummer eins: Ich bin 45 Jahre alt, sehe aber – dank intensiver Körperschulung – erheblich jünger aus, habe schier endlosen Humor und eine stets prall gefüllte Geldbörse. Meine Hobbys: exklusive Urlaube an der Côte d´ Azur, ausgefallene Partys, aber nur im Beisein von Karl Lagerfeld, Claudia Schiffer und Ernst August von Hannover. Suche heiße Blondinen, die mir die Abende verschönern.
Anzeige Nummer zwei: Ich bin 45 Jahre alt, Maschinenbauingenieur, 1,77 m groß und habe den Traum von der Frau fürs Leben noch nicht aufgegeben. In der mir verbleibenden Freizeit gehe ich gerne aus, lese viel (Abenteuerromane und Reiseberichte), schlafe lange oder verreise mit dem Motorrad (bevorzugtes Ziel: Italien). Was ich am wenigsten mag? Aufschneider und Besserwisser.
Welcher Typ ist Ihnen sympathischer? Vermutlich der Maschinenbauingenieur, der mit Bescheidenheit und offenem Visier nach seiner „sie“ sucht. Was auf persönliche Kontaktanzeigen zutrifft, gilt in ähnlichem Maße auch für Stellenanzeigen. Wer sein Unternehmen als das „weltweit führende“, „bedeutendste“ und „innovativste“ seiner Branche anpreist, ohne ein klar umrissenes Bild der ausgeschriebenen Stelle zu vermitteln, wird den Bewerber damit vermutlich nicht locken, sondern langweilen. Was den Bewerber tatsächlich hinter der Fassade des Unternehmens erwartet, bleibt weitestgehend im Verborgenen. Die Teamreporter der Münchner nitsch!com AG um Kommunikationsberaterin Dr. Ewa Nitsch geben tiefere Einblicke. In ihren etwa anderthalb DIN A 4-Seiten langen Unternehmensreportagen bleibt es nicht bei oberflächlichen Superlativen. Das klingt dann beispielsweise so: „Die Arbeit hier ist nichts für empfindliche Einzelgänger. Schon eher was für robuste Teamplayer mit Stressresistenz, guter Frustrationstoleranz und Disziplin.“
Klar, der Grundtenor ist durchweg positiv. Welche Firma würde den Teamreportern sonst den Blick durchs Schlüsselloch gestatten. Um beiden Seiten, Unternehmen und Bewerbern, aber unangenehme Überraschungen, Fehlbesetzungen und unnötige Kosten zu ersparen, setzt nitsch!com auf größtmögliche Ehrlichkeit und Transparenz. Dazu begeben sich die Teamreporter – Journalisten, Berater, Ingenieure, Betriebswirte – für einige Stunden oder halbe Tage in die Firmen, unterhalten sich mit Mitarbeitern über Aufgabenfelder, Selbsteinschätzung des Teams, Vorzüge und Schwachstellen des Arbeitsplatzes.
Die Aussagen und die individuelle Beurteilung des externen Beobachters fließen anschließend in den Report mit ein, der von einem Personalfachmann des durchleuchteten Unternehmens gegengelesen wird. „Es sind aber immer nur Details, die verändert werden“, versichert Christine Martin, eine Gesellschafterin der nitsch!com AG. „Es finden jedoch immer wieder Diskussionen statt. Ein Unternehmen hat von vornherein darauf bestanden, als sportlich und und innovativ beschrieben zu werden. Das haben wir denen aber ausgeredet, denn das sind Plattitüden, die keinen Beteiligten weiter bringen. Letztlich gab es noch niemanden, der gegen die Grundaussagen eines Textes Einspruch erhoben hat.“
Den Unternehmen sollte es darum gehen, sich in ihrer jeweiligen Individualität, ihrer Einzigartigkeit zu präsentieren, meint Martin. „Jeder Arbeitsplatz ist anders, wobei wir nicht verschweigen, was korrekturbedürftig ist. Wir wollen eben keinen Hochglanzkommentar abliefern“, sagt Martin. Besonders Ingenieure täten sich bisweilen schwer, von Mustern und Klischees abzuweichen. „Die Leute sind nicht gewohnt, offen über ihren Arbeitsplatz zu reden.“ Dabei stoße „die Spiegelung von außen nicht selten spontane interne Verbesserungsprozesse an, sei es in der Organisation, sei es in den Abläufen“, ergänzt Ewa Nitsch.
Ein persönliches Suchprofil auf der Website der nitsch!com schafft schließlich die Voraussetzung, dass sich die idealen Partner finden. Der so genannte Leitstern führt den Bewerber anhand der Kriterien Kommunikation, Inspiration, Internationalität, Risiko, Tradition, Fun und Organisation zu den Stellen, die zu ihm passen. „Das spart Nerven, Zeit, Geld und den Personalverantwortlichen körbeweise Post“, versichern die Teamreporter. Denn es meldeten sich tatsächlich nur die Bewerber, die auch gesucht würden.
Auch bei DaimlerChrysler in Bremen waren die Reporter schon zu Gast. „Wir haben mit nitsch!com ein Projekt geplant, weil wir einen Elektronikplaner suchen“, erklärt Ralf Gaumann, zuständig für das Personalmarketing. Ein Report ist erstellt, jetzt muss sich nur noch ein „passender“ Bewerber bei nitsch!com oder DaimlerChrysler melden. Gaumann: „Das sehr engagierte Team ist, so glaube ich, auf dem richtigen Weg. So könnten künftig Stellenanzeigen aussehen. Es werden über die plakative Darstellung hinaus Emotionen angesprochen. Wir versprechen uns davon größere Transparenz unseres Unternehmens und einen Überblick, welche Entwicklungsmöglichkeiten wir bieten.“
Solche Firmenporträts werden die klassischen Anzeigen nicht ersetzen können, meint Gaumann. „Sie bieten angesichts des Anzeigenwustes in den Zeitungen eine echte Alternative, sind aber nur für bestimmte Mitarbeitergruppen von Bedeutung, so auch für Ingenieure.“ WOLFGANG SCHMITZ

Von Wolfgang Schmitz
Von Wolfgang Schmitz

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