Karriere 27.08.2010, 19:48 Uhr

Sylvia Hladkys Wille war stärker als der Zeitgeist

Von der Elektrotechnik-Assistenz zur Direktorin eines Museums – klingt wie eine steile Karriere. Das war sie auch, für die Physikerin Sylvia Hladky aber beileibe nicht einfach. „Ich musste mir als Frau vieles erkämpfen“, resümiert die Leiterin des Verkehrszentrums am Deutschen Museum in München.

Der Weg zur Adresse Theresienhöhe 142 in München führt zu einem großen, gepflasterten Platz: Rechter Hand befindet sich die Ausstellungshalle, linker Hand das Kongresszentrum und zum Biergarten geht es links um die Ecke. Kein schlechter Ausblick, den Sylvia Hladky von ihrem Arbeitsplatz hat. Dass sie die Zweigstelle des Deutschen Museums in München, das Verkehrszentrum, leiten würde, wäre der Physikerin zu Beginn ihrer Karriere nicht im Traum eingefallen.

Seit 30 Jahren macht sie Museumsarbeit, ihr Arbeitstag dauert oft bis zu elf Stunden. Der Herrin über 12 000 m2 Ausstellungsfläche reicht es nicht, alte Lokomotiven, chromglänzende Autos und schnittige Motorräder zur Schau zu stellen. Ihre Aufgabe sieht sie darin, für die Sonderausstellungen Themen zu suchen, aktuelle Trends aufzugreifen und Zusammenhänge aufzuzeigen – und das möglichst interaktiv. „Wir wollen nicht nur Lehrbuchwissen widerspiegeln. Als Museum sind wir ein Dienstleistungsunternehmen mit Bildungsauftrag“, sagt die 59-jährige.

Als sie während der 68er-Zeit ihre Ausbildung zur Elektrotechnik-Assistentin begann, sah der Zeitgeist zwar die sexuelle Befreiung der Frau vor, aber kein Studium – schon gar kein naturwissenschaftliches. Sylvia Hladky schwamm gegen den Strom: „Ich wusste, dass ich etwas Technisches machen wollte.“

So begann sie nach der mittleren Reife bei einem weltbekannten Münchner Elektrokonzern. Das erste Jahr war voller Theorie, im zweiten steht die damals 17-Jährige im Labor und befasst sich zunächst mit Widerständen und Kondensatoren. Später entwirft sie elektrische Schaltungen, führt Messreihen durch, stimmt Schwingkreise ab – kritisch beäugt von den männlichen Betreuern.

Nach der Ausbildung kündigt Hladky, denn sie will „einfach beruflich weiter vorankommen“. In ihrer neuen Stelle bei einem Messgeräte-Hersteller hat sie Leiterplatten selber geätzt, technische Zeichnungen angefertigt, Berichte geschrieben. „Ich habe mich geärgert, weil ich manches nicht wusste.“ Ihren damaligen Freund, der Elektrotechnik studiert, hat sie „glühend beneidet“. Als eine Kollegin kündigt um zu studieren, ist das ihr Schlüsselerlebnis. „Das mache ich auch“, nimmt sie sich vor.

Also holt die gebürtige Münchnerin das Abitur nach und erhält aufgrund ihres sehr guten Notenschnitts ein Hochbegabten-Stipendium. Dem Physik-Studium an der Fachhochschule München steht nichts im Wege. Damals studierten an dem Lehrstuhl gerade einmal drei Frauen das Fach. Sylvia Hladky schließt 1976 als Beste ihres Fachbereichs ab.

Mit dem Abschluss in der Tasche hätte sie jederzeit zu ihrem ersten Arbeitgeber zurückkehren können, „aber ich wollte mich nicht so früh festlegen“. Also fing sie beim Max-Planck-Institut für Biochemie in München-Martinsried an, wo sie sich mit der Optimierung von Elektronenmikroskopen befasste. Zwei Jahre später fiel ihr eine Ausschreibung des Deutschen Museums in die Hände. Gesucht wurde ein Ingenieur, der die Abteilungen für Atomphysik und Kernenergie mit aufbauen sollte.

Sylvia Hladky bekam die Stelle. „Die Museumsdidaktik musste ich mir erst aneignen, auch wie man eine Ausstellung konzipiert. Faktenwissen allein reicht nicht aus.“

Vier Jahre später bekommt sie ihren Sohn, pausiert und will anschließend in Teilzeit arbeiten. Ihre Chefs geben ihr zu verstehen, dann könne sie keine Ausstellung mehr planen, sie solle assistieren.

Die Herren scheinen die zierliche Frau unterschätzt zu haben. Wer ihren festen Blick sieht, weiß, dass sie sich von solchen Argumenten nicht abhalten lässt: „Das alles ist eine Frage der Organisation.“ Sie überzeugt die Direktion. Später wird sie Personalratsvorsitzende und leitet die Abteilung Kernenergie – als Halbtagskraft. Mit einem kritischen Buch über die Kerntechnik macht sie sich nicht nur Freunde. Die mächtige Atomlobby macht Druck, die Abteilung Kernenergie wird ihr entzogen.

Sylvia Hladky soll die Energietechnik-Abteilung leiten und ein neues Ausstellungskonzept entwerfen. „Ich wollte nicht nur die Technik zeigen, sondern auch Risiken und Chancen. Die Besucher sollten die gesellschaftlichen Auswirkungen verstehen und sich ihr eigenes Urteil bilden.“

Und so ist Hladky Öffentlichkeitsarbeiterin, Netzwerkerin, Spendensammlerin und Projektmanagerin in einer Person. Wenn die Hobbygärtnerin von den nächsten Ausstellungen erzählt, funkeln ihre Augen hinter den Brillengläsern begeistert. Am Verkehrszentrum des Deutschen Museums in der Nähe der Oktoberfestwiese hängt ihr Herzblut. Als sie vor elf Jahren die Leitung übernahm, waren die ehemaligen Messehallen marode, Geld für den Umbau war keines vorhanden, und es gab mit der Stadt München und dem Deutschen Museum zwei Bauherren. Eine scheinbar unlösbare Aufgabe.

Doch das schreckte sie nicht. Sylvia Hladky suchte Mitstreiter bei Fachleuten, Uni-Professoren und der Stadt. „Den Ausschlag gab das Tellerfleischessen mit dem Wissenschaftsminister und dem Münchner Oberbürgermeister: Stadt und Freistaat beschlossen damals, sich die Kosten zu teilen.“

„Meine Arbeit ist ein echter Glücksfall“, schwärmt Sylvia Hladky, „Ich kann heute jungen Frauen nur raten, sich nicht zu verbiegen, sondern etwas zu machen, wofür sie sich begeistern. Denn man kann nur gut sein, wenn man motiviert ist.“ EVDOXIA TSAKIRIDOU

Von Evdoxia Tsakiridou

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