Karriere 07.12.2001, 17:32 Uhr

Stimme kommt von Stimmung

Wie klinge ich? Dabei ist die Stimme „das markanteste Merkmal einer Person“, wie Dr. Annette Mönnich, Sprechwissenschaftlerin an der Ruhr-Universität, weiß.

In der mündlichen Prüfung im Examen oder in Bewerbungsgesprächen kommt es nicht nur darauf an, was man sagt – es wirkt auch, wie man es sagt. Und damit ist nicht nur Rhetorik gemeint, sondern ganz entscheidend das Sprechen an sich.

Auch im Job – nicht nur bei Schauspielern, Lehrern oder Moderatoren – spielt Kommunikation eine wichtige Rolle. „Ausgebildete Rednerinnen und Redner setzen die Stimme als rhetorische Strategie ein“, sagt Annette Mönnich. So imitiere Bundeskanzler Schröder manchmal die Stimme von Willy Brandt. Nicht-professionelle Sprecherinnen und Sprecher hingegen sind sich der Wirkung ihrer Stimme oft noch nicht einmal bewusst.

Die Stimme ist auch ein Stimmungsindikator. Während Worte fein säuberlich gewählt werden können, lässt sich die Stimme nicht so schnell überlisten. „Stress, Verunsicherung oder Lampenfieber drücken sich in der Stimme aus“, sagt Dr. Dieter W. Allhoff, Leiter des Lehrgebietes Sprecherziehung an der Universität Regensburg. Das Ergebnis: Die Inhalte treten in den Hintergrund – wahr genommen wird beispielsweise die Nervosität. Der berühmte „Kloß im Hals“ oder der Ausspruch „Mir bleibt die Luft weg“ beschreiben treffend das, was da passiert: Unter Anspannung verkrampfen viele Menschen die Muskulatur im Schulter-Nacken-Bereich oder halten die Bauchmuskulatur fest, so dass das Zwerchfell sich nicht mehr richtig bewegen kann. Das Ergebnis: Die Töne können nicht mehr „ungehemmt“ aus dem Mund purzeln.

In solchen Momenten verrät die Stimme mehr über die eigene Person, als vielen lieb ist. „Wer jedoch versucht, die Stimmung mit der Stimme zu verkleiden, also zu übertönen, macht es nur noch schlimmer“, sagt Sabine Stein, staatlich geprüfte Atem-, Stimm- und Sprecherzieherin in Bochum. „Eine Stimme sollte im wahrsten Sinne des Wortes stimmig sein, also authentisch.“ Und das gelingt am besten dann, wenn man mit sich und seinem Körper im Einklang ist. „Das hat ganz viel mit Entspannung zu tun“, meint die Stimmlehrerin. Ist der Körper locker, kann sich auch die Stimme gut entfalten.

Der alte Spruch der Mutter – „Brust raus, Bauch rein“ – ist da kein guter Tipp … In einer so angespannten Haltung kann man nicht zur „richtigen“ Stimme finden. Während Männer häufig extra sonor sprechen, um besonders „männlich“ herüberzukommen, gibt es bei Frauen eher das Phänomen, dass die Stimme zu hoch klettert und unter Nervosität piepsig klingt. Untersuchungen der Uni Regensburg haben gezeigt, dass Zuhörer bei zu hohen Stimmen weniger Informationen aufnehmen. Nicht umsonst spricht man vom „Brustton der Überzeugung“ – und nicht vom „Kopfton“.

„Das hat jedoch nichts mit der absoluten Stimmhöhe zu tun“, betont Allhoff. Es sei keineswegs so, dass Frauenstimmen, die gemeinhin höher sind als Männerstimmen, weniger stark wirken – es kommt in der Tat nur darauf an, dass man seine eigene Stimme zulässt. Fachlich ausgedrückt, befindet die sich in der Regel „in der oberen Hälfte des unteren Drittels des Stimmumfangs“.

Stimmprobleme sind – sofern nicht krankheitsbedingt – in erster Linie Kommunikationsprobleme. Die Architektin im Männerbüro, die meint, sie müsse immer sehr laut sprechen, um sich Gehör zu verschaffen, ist nur ein Beispiel. Die Panik, sich nicht durchsetzen zu können, kann nach und nach zu dauerhaften Störungen führen: Heiserkeit oder Atemprobleme können die Folge sein.

Die Stimme ist eben immer auch Teil der Persönlichkeit. Verschluckte Endsilben, Nuscheln und zu leises oder schnelles Sprechen sind nicht nur eine „schlechte Angewohnheit“, sondern können auch auf ein geringes Selbstwertgefühl oder Schüchternheit hinweisen – in gewisser Weise hat die oder der Sprechende Angst, verstanden zu werden oder glaubt, es interessiere ohnehin niemanden. Hinter einer Stimme, die sich schnell überschlägt, können sich unterdrückte Aggressionen verbergen.

„Daher hat Sprecherziehung auch immer einen ganzheitlichen Effekt“, sagt Sabine Stein. Bei Atemtraining und zum Teil ganz einfachen Sprechübungen lässt der Aha-Effekt nicht auf sich warten. Durch die intensive Beschäftigung mit der eigenen Stimme kommt man sich selbst schnell auf die Schliche. Und wer Spaß am Sprechen gewinnt und merkt, welche Möglichkeiten die eigene Stimme hat, tritt im Alltag und Berufsleben ganz anders auf.

ANDREA BEHNKE

stimmenbildung

Sprecherziehung

Wer Lust auf Sprecherziehung hat, sollte sich professionelle Anleitung suchen. An vielen Universitäten gibt es Angebote für Hörer aller Fachbereiche, aber auch auf dem freien Bildungsmarkt kann man Unterricht nehmen. Man sollte darauf achten, dass die Lehrenden eine Ausbildung haben – entweder als Sprechwissenschaftler oder Sprecherzieher oder als Atem- und Stimmlehrer nach Schlaffhorst-Andersen. Wenn die Stimmprobleme organische Ursachen haben oder es um Probleme wie Stottern geht, empfiehlt sich der Gang zum Logopäden. Durch das geschulte Feedback bekommt man sehr schnell ein Bewusstsein für die eigene Stimme, das eigene Sprechen. Zur Stimm- und Sprecherziehung gehören Lockerungsübungen, die den Alltagsdruck nehmen, ebenso wie eine Atemschulung und ein konkretes Sprechtraining. Bis sich die ersten „Erfolge“ einstellen, braucht man ein wenig Geduld – wie immer, wenn alte Gewohnheiten über Bord geworfen werden. Und ein wenig Mut gehört auch dazu. ab

www.dgss.de
(Deutsche Gesellschaft für Stimm- und Sprecherziehung mit Links auf Landesverbände)

www.schlaffhorst-andersen.de

www.schlaffhorst-andersen.com

 

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