Frauen und Karriere 17.10.2014, 10:53 Uhr

Social Freezing: Apple und Facebook bezahlen Einfrieren von Eizellen

Im kalifornischen Silicon Valley bezahlen Apple und Facebook ihren Mitarbeiterinnen die Kosten für das Einfrieren ihrer Eizellen. Dann können sie sich zunächst ihrer Karriere widmen und später schwanger werden, ohne sich Gedanken über den Ablauf ihrer biologischen Uhr machen zu müssen. Doch das Social Freezing ist umstritten. 

Vielen jungen Frauen macht das Ticken ihrer biologischen Uhr einen Strich durch die Karriereplanung. Facebook und Apple wollen die Misere durch Social Freezing lösen. 

Vielen jungen Frauen macht das Ticken ihrer biologischen Uhr einen Strich durch die Karriereplanung. Facebook und Apple wollen die Misere durch Social Freezing lösen. 

Foto: dpa

So funktioniert Social Freezing: Ein Arzt spritzt der Frau tagelang Hormone, um die Reifung der Eizellen anzuregen. Diese entnimmt er dann mit einer Nadel über die Vagina. Dann wandert die Eizelle in den Tiefkühler, um später befruchtet und zurück in den Körper injiziert zu werden. Kosten für das Prozedere: in den USA rund 10.000 US-Dollar. Plus 500 Dollar Aufbewahrungsgebühr pro Jahr. Facebook übernimmt die Gesamtkosten bis 20.000 Dollar.

Apple: Frauen unterstützen, ihr Bestes zu geben

Im Januar wird auch Apple dem Trend folgen, berichtet der US-amerikanische Fernsehsender NBC. „Wir werden unsere Angebote an Frauen erweitern, mit verlängertem Mutterschaftsurlaub sowie dem Einfrieren und Lagern von Eizellen. Dies ist Teil unseres starken Engagements, mit dem wir den Kampf gegen die Unfruchtbarkeit unterstützen“, informierte Apple in einem Statement. „Wir möchten die Frauen bei Apple dabei unterstützen, ihr Bestes geben zu können, ihre Lieben zu umsorgen und ihre Familien aufziehen zu können.“

Beim Social Freezing lagert die Eizelle im Tiefkühlfach und die Frau macht Karriere. Wenn sie später schwanger werden möchte, kann sie die Eizelle auftauen, befruchten und sich einsetzen lassen. 

Beim Social Freezing lagert die Eizelle im Tiefkühlfach und die Frau macht Karriere. Wenn sie später schwanger werden möchte, kann sie die Eizelle auftauen, befruchten und sich einsetzen lassen. 

Foto: dpa

Mit dieser Maßnahme wollen die Technologieunternehmen auf dem Arbeitsmarkt um Frauen werben. Denn Frauen machen in den Silicon-Valley-Unternehmen noch nicht mal ein Drittel der Belegschaft aus. „Alles, was Frauen mehr Kontrolle über ihre Fruchtbarkeitszyklen gibt, ist hilfreich für berufstätige Frauen“, sagt die Direktorin des Clayman Instituts für Geschlechterfragen an der Universität Stanford, Shelley Correll, der Nachrichtenagentur AP. „Es ist die mögliche Antwort auf den Konflikt zwischen der biologischen Uhr und dem Ablauf einer weiblichen Karriere: Die Zeit, die für die berufliche Entwicklung am wichtigsten ist, in der eine Karriere aufgebaut wird, kollidiert mit der üblichen Fruchtbarkeitszeit einer Frau. Das kann man möglicherweise lösen, indem man die Fruchtbarkeit einer Frau in die Zukunft verschiebt.“

Social Freezing ist keine Schwangerschaftsgarantie

Doch der Trend zum Social-Freezing ist umstritten. „Es ist für die Frauen wirklich, wirklich wichtig zu wissen, dass das keine Garantie für eine Schwangerschaft ist“, erklärt Corey Whelan von der American Fertility Association in New York. „Einige Frauen halten das für eine bombensichere Methode. Das ist sie nicht.“ Und dann gibt es da noch einige Risiken. Bei der Hormonbehandlung zur Eizellenreifung können sich beispielsweise die Eierstöcke vergrößern und Flüssigkeiten im Bauchraum ansammeln.

Sozialen Druck könnte das Angebot der Kostenübernahme auf Frauen ausüben, meint die amerikanische Expertin für Bioethik und Gesundheitsrecht, Seema Mohapatra. „Der Trend wirke wie ein Wundpflaster für das Problem, Beruf und Familie zu vereinen.“ Bis nach Deutschland ist Social Freezing aber noch nicht vorgedrungen: „In Deutschland gibt es solche Angebote nach meinem Kenntnisstand nicht, auch keine Urteile, die sich mit dem Thema beschäftigen“, sagt Rechtsanwalt Michael Felser gegenüber der Bild-Zeitung. „Das liegt zum einen daran, dass das Thema Social Freezing neu ist. Zum anderen bin ich sicher, dass derartige Angebote in Deutschland derzeit auch als sittenwidrig angesehen würden.“

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