Dienstleistung 11.04.2003, 18:24 Uhr

So manche Firma hat den Leasing-Ingenieur entdeckt

Unternehmen leihen sich immer häufiger Ingenieure für kurze Zeit aus.

Das Autofahren ist im „Showcar“ ein Kinoerlebnis, denn mit dem Blick aus den Großfenstern beginnt für die sieben Passagiere auf den drei nach hinten ansteigenden Sitzbänken das „Roadmovie“. Das Auto als Gemeinschaftserlebnis, das war die Idee der Ingenieure der Entwicklungsfirma EDAG, mit dem das Fuldaer Unternehmen auf dem diesjährigen Genfer Autosalon für Furore sorgte. Mit dem selbstentwickelten „Cinema 7D“ als futuristische Großversion der A-Klasse von Mercedes stellten die EDAG-Entwickler nicht nur ihre geballte Kompetenz unter Beweis, sondern auch, wie umfassend der Begriff „Ingenieurdienstleister“ inzwischen definiert wird.
Auch die Bertrandt AG aus Ehningen bei Böblingen hat bereits mit einer eigenen Pick-up-Version der M-Klasse ihr Komplett-Know-how demonstriert. Das einstige Ingenieurbüro versteht sich längst als selbstbewusster Entwicklungspartner der Autohersteller. „Als ich hier vor sechs Jahren angefangen habe, waren wir knapp 700 Mitarbeiter, heute sind es 3100“, beschreibt Bertrandt-Sprecherin Anja Schauser das rasante Wachstum ihres Arbeitgebers vom Mittelständler zum börsennotierten Kleinkonzern, an dem sich inzwischen die Porsche AG zu 25,01 % beteiligt hat.
Auch Bertrandt bietet die gesamte Entwicklungs-Bandbreite rund ums Auto an, die nur von den Herstellern selbst begrenzt wird: „Motoren, Design und Marketing bleiben als Kernkompetenz beim Kunden, das ist wichtig für die Markenbindung“, sagt Anja Schauser. Ansonsten reiche das Angebot von der Entwicklung der Komponenten und Prototypen bis zur Serienanlaufbetreuung und Kleinstserienfertigung im Partnerverbund: „Die Projekte werden immer komplexer und die Kooperationen für die Hersteller immer wichtiger, da sie die Kundenwünsche nach immer mehr Spezialmodellen, wie Minivans oder Crossover-Modelle, allein vom Aufwand her nicht mehr bewältigen können.“
Bertrandt ist mit europaweit 19 Standorten und einer US-Niederlassung auch räumlich nah bei den großen Herstellern zu finden. Daneben ist im „Bertrandt-Technikum“ in Ehningen die Abteilung „Engineering Services“ damit beschäftigt, „Ingenieure für Projekte wie Qualitätsmanagement zu verleasen“ (Schauser), um so auf Engpässe bei Herstellern zu reagieren, die sich Neueinstellungen sparen wollen.
Auch bei der Ferchau Konstruktion GmbH profitiert man derzeit von der Zurückhaltung der Firmen bei der Rekrutierung neuen Personals. Mit 28 deutschen Niederlassungen und 49 technischen Büros bieten die Gummersbacher als hiesiger Marktführer Ingenieure quer durch alle Branchen an. Das Angebot beginnt mit Konstruktionsaufträgen von meist sechs Monaten bis zu einem Jahr, die dann in den technischen Büros realisiert werden. Daneben können Firmen auch bei Ferchau die „Arbeitnehmer-Überlassung“ buchen und externe Ingenieure auf Zeit für den Einsatz in ihrem Unternehmen engagieren.
Bei langfristigen Outsourcing-Projekten rückt ein Team schon mal mit Containerdorf zum Kunden aus, „schließlich laufen viele Projekte mit open end“, so Geschäftsführer Frank Ferchau. Voraussetzung für den Erfolg ist aber, dass die Firmen ihren „Kollegen auf Zeit“ beim Umgang mit wichtigen Firmeninterna vertrauen können. Wie eng es da oft zugeht, zeigt das Beispiel Ulm. Dort arbeitet Ferchau gleich für drei Haushaltsgerätehersteller. Alle verlassen sich seit Jahren darauf, dass ihr Wissen nicht bei der Konkurrenz landet. „Wir haben ein vitales Eigeninteresse am Vertrauen unserer Kunden, denn ohne diese Verlässlichkeit könnten wir nicht überleben“, so Walter Geiger, Niederlassungsleiter in Ulm.
Diese Kundennähe birgt jedoch auch Probleme: Firmen, die sich schließlich doch für eine Neueinstellung entscheiden, wenden sich oft als erstes an ihren „geleasten Ingenieur“. „Diese Fluktuation unserer Mitarbeiter ist nicht zu vermeiden“, so Frank Ferchau. Allerdings erweise sich die Laufbahn in einer Ferchau-Niederlassung mit lokal begrenztem Einsatzgebiet oft als gutes Argument, zu bleiben. Ferchau: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele Ingenieure gern in ihrem sozialen Umfeld bleiben, so dass die Projektlaufbahn bei uns für viele sehr attraktiv ist.“ Auch bei Bertrandt kennt man das Problem des Abwerbens. Anja Schauser: „Viele unserer Ingenieure sind ständig unterwegs, da ist die Gefahr da, dass ihnen eine Heimat verloren geht und deshalb versuchen wir auch, mit gemeinsamen Aktionen, wie Sommerfest, Skiausflug oder Mitarbeiterzeitung, gegenzusteuern.“ Für die Mitarbeiter, die schließlich doch zum Kunden abwandern, muss schnell Ersatz gefunden werden. Das bei den zahlreichen Kundeneinsätzen unbedingt notwendige Kommunikationstalent habe bei den Hochschulabsolventen inzwischen deutlich zugenommen, findet Personalmarketing-Leiter Michael Rösch. Hier habe sich auch ein Pilotprojekt mit der FH Köln bewährt, bei dem vorher intern geschulte Ingenieurstudenten etwa ihre bei Bertrandt geschriebene Diplomarbeit per Powerpoint-Präsentation vor Professoren und Bertrandt-Mitarbeitern vorstellen. Rösch: „Bei bestimmten Themen ist sogar ein Vorstand dabei und wir haben dort schon viele gute Leute entdeckt.“ In diesem Fall liegt der Arbeitsvertrag oft schon griffbereit. A. LEIMBACH

Ingenieur-Dienstleister
Erfolgreich mit externer Hilfe
Die Ingenieurdienstleister gelten als die Profiteure der Krise. 45 % der inzwischen 1 800 Ferchau-Mitarbeiter sind Ingenieure, allein in diesem Jahr werden 150 weitere „Dipl.-Ing’s“ mit guten CAD-Kenntnissen eingestellt. Die Bertrandt AG wuchs in der Vergangenheit zeitweilig mit Umsatzsprüngen von 45 % und einer Verdoppelung der Mitarbeiterzahl pro Jahr. Seit zwei Jahren ist nun das Wachstum moderat. „Wir passen unsere Prozesse jetzt erst mal strukturell an“, so Sprecherin Schauser. A.L.

 

Von A.L.

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