Arbeitgeber für Ingenieure 22.03.2018, 06:11 Uhr

Skandale rütteln am Image der Automobilbranche

Die Automobilbranche ist Deutschlands Schlüsselindustrie. Keine andere ist als Arbeitgeber so beliebt. Doch die Autobauer reihen einen Skandal an den nächsten. Wie attraktiv sind sie noch für den Ingenieurnachwuchs?

Verkehrsschild mit Auto auf Schleuderkurs

Die Automobilbranche gerät nach den Skandalen ins Schleudern. Ihr Image ist beschädigt – von nachhaltiger Krise kann aber noch nicht die Rede sein.

Foto: panthermedia.net/Fritz Langmann

 

Bis 2030 sind durch Automatisierung und Digitalisierung 46% der Arbeitsplätze in der Automobilindustrie bedroht. Das ist das Ergebnis einer Studie des Beratungsunternehmens MHP, einer Tochter der Porsche AG, und der Hochschule Reutlingen aus dem Juli 2017. Dazu trägt auch der Vormarsch der Elektromotoren bei. Ihre Produktion ist weit weniger arbeitsintensiv als die von Verbrennungsmotoren. Und dann ist da auch noch Dieselgate. Nach Schätzungen der IG Metall hängen alleine in Deutschland über 200.000 Arbeitsplätze vom Diesel ab. Bedrohte Jobs, Betrügereien, angeknackstes Image – die Frage ist doch: Wie attraktiv ist die Autobranche noch für Ingenieure? Und wie attraktiv wird sie künftig sein?

Banken sollten Automobilindustrie eine Warnung sein

Als warnendes Beispiel für den Imageverlust einer ganzen Branche gelten die Banken, die im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise massiv an Popularität eingebüßt hatten. „Die Bankenbranche hat das nie abschütteln können“, sagt Holger Koch, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Trendence, das jährlich die beliebtesten Arbeitgeber des Landes abfragt. „Ob die Automobilindustrie so eine Entwicklung nimmt, bleibt abzuwarten.“

Zuletzt fand Trendence heraus, dass ein Viertel aller Schüler nach der Schule im öffentlichen Dienst arbeiten möchte. Damit wurde die Automobilindustrie erstmals an der Spitze der Schüler-Charts abgelöst. Nur noch jeder fünfte Schüler verortet seinen Traumjob rund um das Automobil. Aber auch Ingenieure machen immer öfter Karriere im öffentlichen Dienst. Ein weiteres Indiz für den sinkenden Stern der Autobranche? „Unsere Vermutung ist, dass Accounting und Controlling sowie Management- und Strategieberatung zukünftig für Ingenieure eine immer größere Rolle spielen“, sagt Tina Smetana, Country Manager des Beratungsunternehmens Universum Germany. Arbeitgeber, die Managerkarrieren ermöglichen, würden für Ingenieure zunehmend attraktiver.

Ingenieure ziehen Führungsverantwortung, Beratung und Start-ups an

Denn speziell für Ingenieure gewinne es seit einiger Zeit an Bedeutung, Führungsaufgaben zu übernehmen. Das hat Universum in seiner letzten Absolventenumfrage unter Young Professionals festgestellt. Auffällig sei, dass vor allem ausländische Konzerne dieses Bild vermittelten. Inländische Automobilkonzerne seien hingegen nicht darunter. „Werden die Strukturen in deutschen Unternehmen eventuell als zu starr wahrgenommen?“, fragt Smetana rhetorisch.

In der Beraterbranche scheint der Bedarf an technischem Know-how rasant zu steigen. „Bei Ingenieuren ist angekommen, dass Strategieberatung für sie attraktiv ist“, sagt Kathrin Kammer, Director Human Resources bei Roland Berger. „Es ist nicht so wie vor zehn Jahren, als man Ingenieuren erst mal erklären musste, was Beratung überhaupt ist.“ Schon 40 der Kollegen bei Roland Berger hätten einen ingenieur- oder naturwissenschaftlichen Hintergrund. „Wir würden diesen Anteil gerne noch weiter steigern“, so Kammer.

Ihrerseits erwächst den Beratern aber schon ein neuer Konkurrent: Start-ups. „Start-ups sind sehr populär geworden“, so Koch. „Sie sind auch für die großen Beratungsunternehmen ein starker Rivale geworden. Das war vor fünf Jahren noch nicht der Fall.“ Ein Ingenieur, der nach der Uni als Unternehmensberater arbeitet und dann nach einiger Zeit zum Kunden wechselt, ein Start-up gründet oder bei einem anheuert: Das sind keine Seltenheiten mehr. Und dennoch: Dass die McKinseys und Rocket Internets die Ingenieure des Landes werden aufsaugen können, ist angesichts begrenzter Kapazitäten und der schieren Masse an Ingenieuren nahezu unmöglich. Bleibt also doch nur die Ausfahrt Automobilindustrie?

Elektromobilität produziert Gewinner und Verlierer

Volkswagen hat mittlerweile in verschiedenen Arbeitgeberrankings Plätze eingebüßt, Audi dagegen rangiert weiterhin unter den Top 5. Es sei wahrscheinlich, dass der Dieselskandal angesichts der grundsätzlich positiven Entwicklung der Branche relativ leicht verkraftet werden könne, sagt etwa Enzo Weber, Arbeitsmarktexperte an der Universität Regensburg:  Ohnehin würden die ökonomischen Wirkungen von einzelnen Ereignissen gemeinhin überschätzt. Aber Weber schätzt auch, dass bei einem Umstieg auf die E-Mobilität 100.000 klassische Jobs bei Herstellern und Zulieferern auf dem Spiel stehen. Die Autoindustrie warnte bereits vor massenhaftem Stellenabbau.

Die gute Nachricht aus Ingenieursicht: Vor allem die Produktion dürfte betroffen sein, weniger die Entwicklung. „Gerade bei einer Umstellung auf eine noch wenig ausgereifte Technologie ist der Entwicklungsbedarf sehr hoch“, meint Weber. Arbeit satt also für Techniker und Ingenieure, wenngleich sich die Anforderungen verändern. Vor allem Elektrotechniker und Elektrochemiker seien die Gewinner der Elektro-Offensive. Auch Softwareingenieure werde die Digitalisierung zu heißen Eisen auf dem Arbeitsmarkt machen. „Hier dürfte es einen intensiven Rekrutierungswettbewerb zwischen mehreren Branchen geben“, prophezeit Weber. Die aktuelle Studie „Ingenieure und ITler: Berufsperspektiven“ des VDI Verlags bestätigt das. Verlierer seien nach Webers Einschätzung dagegen Fachkräfte in Mechanik und Metallverarbeitung.

Populärste Arbeitgeber in Automobil und Maschinenbau

Die Automobilindustrie ist also weiterhin populär. Einen Denkzettel erhält sie trotzdem. Der Maschinenbau liegt laut Trendence inzwischen mit den Autospezialisten gleichauf. 64% der befragten Young Professionals wollen sich auf jeden Fall in der Automobilbranche bewerben, 63% im Maschinenbau. Aber die generelle Abneigungen gegenüber der Automobilindustrie ist fast doppelt so hoch wie gegenüber dem Maschinenbau. 6% der Ingenieure wollen keinesfalls im Maschinenbau arbeiten, 10% keinesfalls in der Automobilindustrie. Der beliebteste Arbeitgeber sind BMW und Audi, gefolgt von Daimler, Porsche und der Bosch-Gruppe.

„Nur für 10% unserer Befragten kommt die Automobilindustrie als Arbeitgeber nicht infrage“, sagt Trendence-Chef Koch. Ein extrem niedriger Wert. „Und die, die schon in der Automobilindustrie sind, wollen da nicht raus.“ Sie habe trotz Dieselskandal einen großen Vorteil, den andere Branchen nicht haben: ein Produkt, mit dem man sich  identifizieren kann. Das lässt sich von Feldern wie dem Maschinenbau, von Logistik oder Beratung nicht ohne Weiteres behaupten.

Die gesamte Studie können Sie kostenfrei downloaden.

Die gesamte Studie können Sie kostenfrei downloaden.

 

Also werden die Automobilbauer auch in Zukunft noch die Ranglisten anführen? Ja, glaubt Koch. „Die Automobilindustrie wird auch in zehn Jahren noch eine dominante Position einnehmen. Allerdings werden wir wahrscheinlich eine Spreizung erleben. Nicht alle Automobilhersteller werden sich oben halten können.“ Den ersten Absteiger kann man schon von den Rankings ablesen.

Dieser Artikel erschien im Magazin „Ingenieurkarriere“ der VDI nachrichten.

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