Mittelstand 02.07.2010, 19:47 Uhr

Siempelkamp strotzt vor Energie

Junge Ingenieure stehen am Anfang ihrer Karriere vor der Entscheidung: Gehe ich zu einem Großkonzern oder lieber zu einem Mittelständler. Wer durch die Hallen der Firma Siempelkamp in Krefeld gegangen ist, braucht vielleicht darüber nicht mehr nachzudenken. Der mittelständische Technologiekonzern tummelt sich sehr erfolgreich in vielen Branchen, und jetzt soll noch eines dazukommen: die Fertigung von Biomasse-Kraftwerken aus einer Hand.

Wenn der Ingenieur Robert Krämer durch die Werkshalle geht, vorbei an den manchmal wuchtigen, manchmal filigranen Bauteilen, die zusammengesetzt die speziellen Pressen und Anlagen von Siempelkamp sein werden, wird deutlich, dass er mit großer Zufriedenheit seiner Arbeit als Fertigungsleiter nachgeht. Denn hier, in Krefeld, ist die Welt noch in Ordnung. Die Ingenieure in der Konstruktion bekommen direkt Feedback von den Facharbeitern an der Maschinenbank und erfahren, ob ihre Entwicklungen auch wirklich gut sind.

Optimierung und Innovation seien für Siempelkamp das A und O, sowohl im Anlagen und Maschinenbau als auch im Sondermaschinenbau. Und nicht zuletzt dadurch habe Siempelkamp sich weltweit einen guten Ruf erworben und ist nach Angaben des Unternehmen unter anderem Weltmarktführer für kontinuierliche Pressenstraßen für die Holzwerkstoffindustrie.

Doch das ist nur eine Seite des vielseitigen Unternehmens mit 2631 Mitarbeitern weltweit. Die Guss- und Nukleartechnik sind weitere Standbeine. Der gesamte Umsatzanteil mit Energiewirtschaft insgesamt beträgt etwa 28 %. In der Nukleartechnik hat sich der Umsatzbetrag in den letzten Jahren fast verdreifacht. Im Bereich der regenerativen Energien liegt der Anteil bei etwa 6 % des Umsatzes der gesamten Gruppe. Siempelkamp gießt beispielsweise auch Rotornaben für Windkraftanlagen. Und jetzt soll ein weiteres Produkt für Umsatzwachstum auf diesem Feld sorgen: Schlüsselfertige Biomasse-Heizkraftwerke mit Feuerleistungen bis zu 60 MW und einer generierten elektrischen Leistung bis 10 MW. Das Feld ist für Siempelkamp nicht neu. Bislang hat das Unternehmen bereits 50 Energieanlagen weltweit in Betrieb genommen. Diese Energiezentralen für die Erzeugung von Prozesswärme, Dampf, Heißwasser und Strom sind Bestandteil kompletter Holzverarbeitungsanlagen. Da lag es für das Unternehmen nahe, diese Energieanlagen in diesem Jahr als eigenes Produkt auf den Markt zu bringen, um im Markt der regenerativen Energien verstärkt mitzumischen.

Damit das klappt, wurde sozusagen ein Gewächs des Hauses zum Leiter des Geschäftsfeldes Energieanlagen ernannt: Dipl.-Holzwirt Andreas Klug. Mit einem kleinen Team gewinnt er neue Kunden wie Stadtwerke und Projektentwicklungsgesellschaften sowie regionale Energieversorgungsunternehmen. „Zurzeit sind wir in der Akquise.“ Als spezifisches Know-how und Abgrenzung gegenüber anderen Anbietern sieht er die Kraft-Wärmekopplung, das Prinzip der Nutzung der Abwärme für industrielle Produkte. Holzreste, so genanntes Straßenbegleitholz, das Gestrüpp, das auf dem Kompost landet, darauf ist der Fokus gerichtet. Vor 15 Jahren war er schon einmal im Unternehmen und kehrte jetzt zurück, um die „hochinteressante Aufgabe“ zu bewältigen. „Holz ist ein spannender Naturstoff“, sagt Klug.

Wenn es brummt, wird Klug in Zukunft eine Reihe von Ingenieuren suchen, vor allem Projektingenieure aus verschiedenen Fachbereichen. Und da kommt Ina Claßen ins Spiel. Die Juristin war mehrere Jahre für ein Dax-30-Unternehmen tätig und hat im Herbst letzten Jahres eine neue Stelle angenommen: Sie ist Leiterin Talent Management bei Siempelkamp. Eine ihrer Aufgaben ist es, für Andreas Klug, aber auch für die anderen Bereiche des Technologieunternehmens, Talente zu finden und zu entwickeln. „Es ist ganz wichtig zu sehen, welche Kompetenzen wir jetzt und in Zukunft benötigen“, so Claßen.

Der ganzheitliche Ansatz, die Konfrontation mit dem, was ein Ingenieur entwickelt, das Feedback von der Werkbank, diese Strategie zöge sich durch das gesamte Unternehmen. Es sei auch üblich, dass einem jungen Ingenieur ein erfahrener Kollege zur Seite gestellt wird und „training on the job“ ermöglicht. „Wir haben erkannt, dass sich allein in den nächsten fünf Jahren durch die demografische Entwicklung Veränderungen ergeben werden. Es ist ganz wichtig, den Know-how-Transfer zu gewährleisten. Das ist bedeutend für das Unternehmen und eine große Chance für junge Ingenieure“, sagt Claßen. Das soll aber nicht heißen, dass ältere Ingenieure bei dem Mittelständler keine guten Karten haben: Wichtig sei das Know-how, es gäbe immer Positionen, wo Berufserfahrung gewünscht wird. „Und was uns wirklich ganz wichtig ist, ist, dass die Mitarbeiter sich über Trends informieren. Wir ermöglichen ihnen die Teilnahme an Workshops und Schulungen in ihrem jeweiligen Bereich, damit sie immer am Puls der Zeit sind“, versichert die Talent Managerin.

Fertigungsleiter Robert Krämer läuft durch die Halle, schaut hier und dort nach dem Rechten, spricht über die Produkte. Die Leute an den Arbeitsplätzen grüßen den Vorgesetzten freundlich. „Wer einmal hier arbeitet, der bleibt lange bei uns, wir hier bei Siempelkamp haben eine geringe Fluktuation“, sagt Robert Krämer. CLAUDIA HANTROP

Ein Beitrag von:

  • Claudia Burger

    Claudia Burger

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Karriere, Management, Arbeitsmarkt, Bildung, Gesellschaft, Arbeitsrecht

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