Karriere 21.12.2007, 19:32 Uhr

Sie haben eine Arbeit, die jeden Tag aufs Neue spannend ist  

VDI nachrichten, Berlin, 21. 12. 07, Fr – Neues Jahr, neues Glück! Da sind sich die meisten Ingenieure ganz sicher. Nicht nur die Konjunktur- und Arbeitsmarktprognosen sprechen dafür, dass 2008 für technisches Fach- und Führungspersonal ein gutes Jahr wird. Es sind auch berufsspezifische Sichtweisen und Zielsetzungen, die Ingenieure überwiegend mit Optimismus in die Zukunft blicken lassen. Die Redaktion stellt exemplarisch drei Ingenieure vor. Sie erzählen, wie und wofür sie im neuen Jahr ihr Wissen einsetzen wollen und was sie dabei am meisten motiviert.

Selbstbewusstsein und die Überzeugung, dass technisches Know-how die entscheidende Voraussetzung für Fortschritt und Wohlstand ist, zeichnet Ingenieure von jeher aus. Warum also sollte es zurzeit anders sein? Eine Umfrage des Verbandes der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) ergab bereits vor zwei Jahren, dass gut 20 % der Deutschen jungen Menschen zu einem ingenieurwissenschaftlichen Studium raten würden. Inzwischen haben Globalisierung, Klimawandel und ein nie dagewesenes Innovationstempo das Image von technischem Fachwissen weiter angehoben. Immer größere Gruppen der Bevölkerung erkennen die Leistung an, die beispielsweise Maschinenbauingenieur Thomas Schmitz (32), Luftfahrtingenieur Josef Heß (42) oder der technische Informatiker David Przewozny (35) erbringen.

Die drei Ingenieure im besten Karrierealter kommen zwar aus verschiedenen technischen Disziplinen und haben ihren Arbeitsplatz in Einrichtungen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Auch ihr Privatleben gestalten sie grundlegend anders. Gleichwohl ist da eine breite gemeinsame Basis: Die Überzeugung, dass die eigene Arbeit unverzichtbar ist, dass sie hundertprozentigen Einsatz verlangt und dass sie jeden Tag aufs Neue spannend ist. Damit befinden sie sich in einer ausgesprochen privilegierten Situation. Abwechslungsreiche und eigenverantwortliche Arbeit wünschen sich zwar laut einer qualifizierten Umfrage des Marktforschungsinstituts marketagent.com zwei von drei Arbeitnehmern. Aber für wen erfüllt sich dieser Wunsch schon? Selbst für Ingenieure, denen Arbeitgeber derzeit nun wirklich einen roten Teppich auslegen, ist das keine Selbstverständlichkeit.

So haben zwei der drei beispielhaft zitierten Ingenieure bereitwillig einen befristeten bzw. projektgebundenen Arbeitsvertrag in Kauf genommen. Und zwar ganz bewusst. Denn angesichts des Ingenieurmangels brauchen sie sich als berufserfahrene Spezialisten nun wirklich keine Sorgen zu machen, ganz schnell einen Anschlussjob zu finden. Der 32-jährige Thomas Schmitz beispielsweise kündigte seine Festanstellung als Vertriebsingenieur bei der Augsburger MAN Diesel SE, um in die Entwicklungszusammenarbeit zu gehen. Derzeit arbeitet er für die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH als Energieberater im indischen Neu Delhi.

„Ich habe damit den Druck, flexibel zu sein, kann mit meinem Arbeitgeber immer wieder neue Aufgaben und Perspektiven aushandeln“, begründet Schmitz seine Entscheidung, abseits der typischen Karrierepfade eines Maschinenbauingenieurs voranzukommen. Nach seinem Einstiegsjob und einem ehrenamtlichen Aufenthalt in einem Entwicklungshilfeprojekt in Peru absolvierte er an der University of Cambridge ein Aufbau-Studium in „Engineering for Sustainable Development“ und machte in Tansania erste Erfahrungen in der technischen Zusammenarbeit. Dass sich Energie-Experte Schmitz bei seiner Arbeit in Neu Delhi kaum an die in seinem Arbeitsvertrag festgeschriebenen Stundenzahlen halten kann, liegt nicht nur an den Besonderheiten der indischen Mega-City, deren extremen Temperatur- und Verkehrsbedingungen. Es ist vielmehr die Begeisterung für die Materie und der Wunsch, fachlich auf dem Laufenden zu bleiben.

„Je mehr man sich reinhängt, desto spannender wird es“, sagt auch David Przewozny. Der 35-Jährige arbeitet am Heinrich-Hertz-Institut (HHI) in Berlin und hat im vergangenen Jahr gemeinsam mit Siegmund Pastoor und René de la Barré einen Joseph von-Fraunhofer-Preis erhalten: für die Entwicklung einer „interaktiven 3-D-Visualisierung mit Gesteninteraktion“.

Mit seiner Doppelqualifikation in Technischer Informatik besitzt Przewozny das Know-how, um den Herstellern von Joysticks und Datenhandschuhen das Fürchten zu lehren. Die von ihm geschriebene Software ist inzwischen so flexibel, dass das 3D-Display beinahe jeden Benutzer individuell erkennt. Eigentlich fehlen nur noch zahlungskräftige Investoren, die aus der Entwicklung eine Innovation machen. Dass das auch das Ende seines projektgebundenen Arbeitsvertrages bedeuten könnte, beunruhigt den Forscher nicht.

Für ihn ist wichtig, dass die Arbeit „Spaß“ macht und er „vorne dabei sein“ kann. Mittelmaß interessiert David Przewozny nicht einmal in der Freizeit. Die 20 km zur Arbeit bewältigt er mit dem Fahrrad, im Urlaub durchwandert er im Himalaya. Da wundert es nicht, dass er sich auch für seine berufliche Zukunft keinen 08/15-Job vorstellt.

Von einem Durchschnitts-Job kann bei Josef Heß auf gar keinen Fall die Rede sein. Als Leiter Arbeitsschutz bei der Nato in Geilenkirchen besetzt der 42-jährige Luft- und Raumfahrtingenieur ein zumindest europaweit einmaliges Aufgabengebiet. Um bei der Awacs-Luftraumüberwachung (Airborne Warning and Control System) durch 17 Luftfahrzeuge die Sicherheit am Arbeitsplatz von rund 2500 hoch spezialisierten Mitarbeitern aus 15 Nationen zu gewährleisten, muss sich Heß ständig neuen Bedingungen stellen.

Deutsche und andere europäische Standards für die Beschaffung oder den laufenden Betrieb müssen mit transatlantischen abgeglichen werden, veränderte politische Verhältnisse (Mauerfall) oder militärische Aufgaben (Balkan) verlangen ganz neue Abläufe, meist unter Zeitdruck. Dass Josef Heß sein Ingenieurstudium an der Bundeswehruniversität München nach Abschluss seiner Militärkarriere durch ein berufsbegleitendes Zweitstudium zum Wirtschaftsingenieur ergänzte, verbesserte nicht nur die formalen Voraussetzungen für den Job als „Chief, Ground Safety Branch“.

Die Aufgabe sowohl mit technischem als auch ökonomischem Sachverstand zu bewältigen, erhöhte auch seine Begeisterung für den Job – seit inzwischen fast 16 Jahren. Langeweile ist nach eigener Aussage aber „noch an keinem einzigen Tag“ aufgekommen. Zwar kommt auch Heß nicht ohne Überstunden aus. Lieber noch ist ihm aber, dass sich die beruflichen Herausforderungen meist auf die normalen Dienstzeiten beschränken lassen. Schließlich hat er drei Kinder im Alter von acht, zwölf und dreizehn Jahren. Und die sollen weder zeitlich noch finanziell zu kurz kommen.

Gleichwohl unterscheidet sich Familienvater Heß in puncto Einkommenswünschen nicht von den beiden Junggesellen Schmitz und Przewozny. „Je höher die Bildung, desto weniger motiviert zusätzliches Geld“, hieß es gerade in der Überschrift zu einer repräsentativen Emnid-Umfrage. Während im Bundesdurchschnitt fast jeder zweite Arbeitnehmer angibt, vor allem durch finanzielle Leistungen am Arbeitsplatz motiviert zu sein, sinkt der Motivationsfaktor Geld bei Akademikern auf unter 25 %. Nicht, dass Heß, Schmitz oder Przewozny etwas gegen ein 58-Millionengehalt á la Porsche-Chef Wiedeking hätten, aber für ein paar Euro mehr auf dem Konto ihren Job gegen eine uninteressante, unsinnige oder gar ingenieurfremde Aufgabe einzutauschen: Da sagen sie unisono „Nein danke“. REGINA-C. HENKEL

Ein Beitrag von:

  • Regina Henkel

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