Karriere 30.06.2000, 17:25 Uhr

Schüler plädieren für „soziale Technik“

Jugendliche stehen der Technik mit einer gesunden Portion Skepsis gegenüber. Auf dem vom VDI organisierten Forum zeigten die Schüler technologischen und sozialen Weitblick.

Zunächst war es ruhig im Saal. Andächtig lauschten die Schüler den Ausführungen der „Weisen“ zum Thema „Zukunft der Arbeit“. Erst als Dr.-Ing. Kruno Hernaut von Siemens sein Handy in die Höhe hielt, um es als Symbol künftiger Arbeitswelten zu preisen, regte es sich im Auditorium. So ganz kommentarlos wollte Becky Collins die allzu schlicht anmutende Prophezeiung nicht hinnehmen. „Mich verwirrt diese Technik“, bekannte die 15-jährige Engländerin von der St. Clement Danes School aus Chorleywood. „Ich finde, die einfachen Lösungen sind oft viel besser als die komplizierten Hightech-Entwicklungen. Nichts gegen Technik, aber wir wissen doch aus der Vergangenheit, dass der sogenannte Fortschritt positive wie negative Nachwirkungen nach sich zieht. Neuentwicklungen werden immer auch neue Probleme aufwerfen.“
Die sieht Mark van Almsick von der Robert-Jungk-Gesamtschule aus Krefeld unmittelbar auf sich und seine Jahrgänge zukommen. Der Gewinn an Wissen erleichtere das Schülerleben nicht gerade. „Wie viel müssen wir denn noch lernen? Technik, Sprachen, Goethe – wo sollen wir denn nun die Schwerpunkte setzen?“ Hernaut blieb keine Antwort schuldig und sprach sich für die Intensivierung des Technikunterrichts aus – auch auf Kosten anderer Fächer, denn „entweder die Technik dominiert dich oder du die Technik“.
Innovativ, wie es die Wirtschaft wünscht, aber auch sehr kritisch gingen die Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 21 Jahren auf dem vom VDI organisierten Schülerforum während des Weltingenieurtages mit den fünf Themen „Photovoltaik – vom einfachen Experiment zur technischen Untersuchung“, „Niedrigenergiehaus – eine Bauweise, über die man etwas wissen sollte“, „Virtuelle Schule für das reale Leben“, „Zukunft der Arbeit – Spiel ohne Grenzen“ sowie „Mobilität – ein Zauberwort unserer Zeit“ um. Die Arbeitsergebnisse stellten die elf Gruppen aus Frankreich, Spanien, Großbritannien und Deutschland im Hannover Congress Centrum (HCC) aus. Beeindruckt von Fantasie und Wissen des Nachwuchses zeigte sich neben anderen Besuchern auch Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn. Bei so viel Anerkennung geriet die hektische Vorbereitungszeit fast in Vergessenheit. „Zum Schluss sind wir doch sehr unter Zeitdruck geraten“, meinen Andreas Kliem, André Keil, Joachim Striebel und Michael Leben vom Humboldt-Gymnasium in Potsdam, die sich mit der virtuellen Schule der Zukunft befassten. Ihr gehöre die Zukunft, ohne dass jedoch auf den Frontalunterricht verzichtet werden könne, betonen die Vier.
Überhaupt trat bei den Schülern immer wieder die Angst hervor, technologischen Fortschritt mit dem Verlust zwischenmenschlicher Werte bezahlen zu müssen. Die Bedenken, im späteren Berufsleben bestenfalls am Bildschirm mit Partnern oder Kunden zu verkehren, zerstreute Dr. Werner Dostal vom Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung: „Wir hatten auch befürchtet, dass die Neuen Medien eine Reduzierung der Reisetätigkeit mit sich bringen würden. Das hat sich nicht bewahrheitet. Wir werden weiter Face-to-Face arbeiten.“ Der Wunsch und die Notwendigkeit, seinen Gegenüber persönlich kennen zu lernen, sei stärker denn je.
Das könne er gut nachvollziehen, sagte Matthias Burghardt aus Krefeld. Mit Schülern aus drei anderen Ländern an einem Projekt zu arbeiten, habe ihm besonders viel Spaß gemacht. „Es war schön, andere Menschen und Länder kennen zu lernen. Andererseits warf das auch ein ganz gravierendes Problem auf: die Sprache. Es war sehr schwer für mich und die anderen, Gedanken zu formulieren und sie den Schülern aus Frankreich, England oder Spanien verständlich zu machen.“ Aber gerade die Technik sei ideal, um Brücken zu bauen, um länderübergreifend zu kooperieren, wandte ein Lehrer ein. Die zunehmende Vernetzung führe über kurz oder lang in neue Kulturen, ergänzte Dostal. In den „Infrastruktur-Kulturen“, in denen eine neue Form der englischen Sprache in eine Art Esperanto münde, fänden sich Bestandteile vieler Kulturen zusammen.
Wie aber sollen die Lehrer auf die neuen Anforderungen reagieren? „Ich habe an unserer Schule beobachtet, dass sich viele den Neuen Medien öffnen, aber genauso viele hinterher hinken“, erklärte Rolf Aalbers, Lehrer an der Robert-Jungk-Gesamtschule. „Die Aufgabe der technikinteressierten Lehrer muss es also sein, nicht nur Schüler, sondern auch Lehrer für technologische Entwicklungen zu begeistern.“ Das geht aber nicht ohne die Hilfe der Wirtschaft, die die notwendigen Ressourcen bereit stellen müsste, war der allgemeine Tenor. „Andere Länder sind uns in der schulischen Vermittlung von Sprachen und Technik weit voraus“, gab Dr. Gregor Tyrchan, Leiter des Internationalen Schülerforums, zu bedenken. „In Deutschland sind wir diesbezüglich auf dem Stand des letzten Jahrhunderts.“
Die Vermittlung von Technikwissen stelle aber nicht das einzige Problem innerhalb der Lernprozesse dar, hielten die Schüler fest. In einer sozial verantwortungbewussten Gesellschaft müsse jeder bereit sein, denen zu helfen, die an diesen Entwicklungen nicht unmittelbar teil haben. WOLFGANG SCHMITZ
Kreativ in Wort und Tat zeigten sich die jugendlichen Teilnehmer auf dem ersten Weltingenieurtag in Hannover.

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