Karriere 08.12.2000, 17:27 Uhr

Sag“ per Handy noch mal schnell gute Nacht…

die Berater.

Wer einmal Sonntagsabends im ICE von Hamburg nach München im Großraumwagen gefahren ist, weiß, was sich dort abspielt: Jeder Zweite ist scheinbar allein ins Gespräch vertieft. Väter sagen per Handy ihren Kindern gute Nacht, telefonieren noch mal mit ihrer Partnerin.
Immer mehr Paare und sogar Familien führen Wochenendbeziehungen. Manche nehmen für die Karriere selbst Trennungen über längere Zeiträume in Kauf oder verlegen der Firma zuliebe ihren Mittelpunkt des Lebens samt Familie in ein anderes Land. „Bei so manchem Vorstellungsgespräch habe ich das Gefühl, dass die Leute am liebsten bei einem Reiseveranstalter anfangen würden, um so viel wie möglich von der Welt zu sehen“, sagt Georg Mankel, Leiter Personalmarketing/Recruiting bei KPMG, eines der weltweit führenden Prüfungs- und Beratungsunternehmen mit Niederlassungen in 160 Ländern rund um den Globus.
Grundsätzlich ist diese Einstellung von Bewerbern gar nicht so verkehrt. Denn „bei uns muss wirklich jeder raus. Ein Leben, das sich zumindest von Montag bis Freitag bei unterschiedlichen Mandanten und in wechselnden Hotelzimmern abspielt, ist für uns normal“, sagt Mankel. In den ersten Jahren, wenn die meisten noch ungebunden sind, haben damit nach seiner Aussage die wenigsten Probleme. Doch bei vielen lässt die Bereitschaft zur Mobilität dann doch bald nach. Mankel: „Wer nach einigen Jahren Familie, Eigentum und Freundeskreis aufgebaut hat, möchte das irgendwann auch genießen können.“ Mitarbeiter großer Beratungsunternehmen hätten es da in der Regel leichter, ein Büro und damit auch ihren Lebensraum in der Nähe ihrer potenziellen Mandanten zu finden, zum Beispiel am Bankenplatz Frankfurt.
Aber selbst dann lässt sich das Beratergeschäft nur schwer auf ein oder zwei Tage pro Woche außer Haus begrenzen. „Wer sein Studium zum Beispiel mit einem Abschluss in BWL von Anfang an auf eine Stelle in einer Unternehmensberatung ausgerichtet hat, weiß, was auf ihn zu kommt und bleibt auch dabei“, so Mankel. Anders sehe es bei Absolventen anderer Branchen oder Quereinsteigern aus. Doch wer sich darauf nicht einstellen kann, sollte sein Heil besser in der Industrie suchen.
In der Industrie muss in der Regel nur der raus, der auf der Karriereleiter auch nach oben kommen will. „Wir erwarten von unseren qualifizierten Mitarbeitern einfach Mobilität“, sagt Jochen Kamenik, Personalchef von Günther und Co. Titex Plus, einem Unternehmen der schwedischen Sandvik-Gruppe. Für FH- und Uni-Absolventen ist sie auch bei dem Frankfurter Hersteller von Präzisionswerkzeugen ein Muss. „Aber wir erzwingen sie nicht“, sagt Kamenik.
Bei Einstellungsgesprächen steht für ihn immer die fachliche Qualifikation im Vordergrund. Die Bereitschaft zur Mobilität ist für das Unternehmen, das weltweit verschiedene Produktionsstätten und Vertriebsniederlassungen betreut, erst in zweiter oder dritter Linie ausschlaggebend. „Wir haben nun mal Mitarbeiter, die wollen vom Standort Frankfurt nicht weg, und das akzeptieren wir“, so der Personalmann. Auch die Bitte eines Mitarbeiters, nach einem längeren Aufenthalt in einer Titex-Niederlassung im indischen Poona auf keinen Fall mehr dorthin entsandt zu werden, stieß auf sein Verständnis. Kamenik: „Nicht jeder kommt mit der Situation in exotischen Ländern klar.“
Harald Koch, Personalreferent des Automobilzulieferers Rasmussen GmbH in Maintal, bereitet pro Jahr vier bis fünf Mitarbeiter aufs Ausland vor. Eine mangelnde Bereitschaft zu Auslandseinsätzen kann er nicht feststellen. Klare Absagen hat er noch nie erhalten. „Allerdings fragen wir – vielleicht intuitiv – nur Mitarbeiter, die auch offen sind für solche Veränderungen“, glaubt Koch. In der Regel seien diese Mitarbeiter unter 40. Haben sie Familien, seien die Kinder meist noch klein. Wer schon länger bei Rasmussen beschäftigt ist, kennt die Niederlassungen häufig schon durch die wochenweisen Entsendungen. Meist geht es nach Frankreich, England oder in die USA, gelegentlich auch nach Australien. „In diesen Ländern findet sich eine deutsche Familie mit einer gewissen Unterstützung durch das Heimatunternehmen relativ leicht zurecht“, weiß Koch. Eine Einschätzung, die auch Wolfgang Neumeier von der Robert Bosch GmbH, Stuttgart, teilt. Als Leiter der Abteilung Internationale Versetzungen betreut er zur Zeit etwa 800 Bosch-Mitarbeiter in rund 50 verschiedenen Ländern, die aus Deutschland entsandt wurden. Das Unternehmen beschäftigt weltweit 200 000 Mitarbeiter, davon etwa die Hälfte in Deutschland.
„Der Fall, dass jemand vorzeitig, also vor der auf drei bis vier Jahre vereinbarten Zeit, zurück möchte, ist extrem selten“, sagt Neumeier. Dies liegt nach seiner Einschätzung vor allem daran, dass sich das Unternehmen sehr große Mühe gibt bei der Vorbereitung der Mitarbeiter und deren Familien auf den Auslandsaufenthalt. So ist ein erster, informeller Besuch für Mitarbeiter und Partner ein Muss, Sprachtraining und eine Einstimmung auf das Land selbstverständlich. „Natürlich gibt es, speziell, wenn Kinder da sind, Bedenken“, räumt Neumeier ein. Doch durch gute Informationen, Hintergrundgespräche und einen Besuch vor Ort seien diese meist auszuräumen. MAJA BECKER-MOHR

Buchtipps

Das sollten Sie lesen!
Jürgen Rothlauf: Interkulturelles Management (mit Beispielen aus Vietnam, China, Japan, Rußland).
R. Oldenbourg Verlag München Wien, 1999, 401 S., 78 DM.
Angela Kessel (Hrsg.): Handbuch Business-Training Südostasien. Cornelsen-Verlag, Düsseldorf 2000, 288 S., 58 DM.
Günter K. Stahl: Internationaler Einsatz von Führungskräften. R. Oldenbourg Verlag München Wien, 1998, 68 DM.
Christoph I. Barmeyer: Interkulturelles Management und Lernstile (Studierende und Führungskräfte in Frankreich, Deutschland und Quebec). Campus Verlag, Frankfurt 2000, 379 S., 78 DM. MB

Von Maja Becker-Mohr
Von Maja Becker-Mohr

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