Krise der Energiekonzerne 15.11.2013, 16:22 Uhr

RWE will in Deutschland 4750 Stellen abbauen

Mit dem angekündigten Abbau von insgesamt 6750 Stellen bis 2016 setzt der Energiekonzern RWE seinen massiven Sparkurs fort. Hohe Verluste brachten im vergangenen Jahr vor allem die Kohle- und Gaskraftwerke. Konkurrent E.On ergeht es kaum besser. 

RWE reagiert auf Umsatzeinbrüche mit erneuten Stellenkürzungen. "Wir gehen durch ein Tal der Tränen", sagt RWE-Chef Peter Terium. 

RWE reagiert auf Umsatzeinbrüche mit erneuten Stellenkürzungen. "Wir gehen durch ein Tal der Tränen", sagt RWE-Chef Peter Terium. 

Foto: dpa/Bernd Thissen

Aktuell beschäftigt den Energiekonzern RWE nach eigenen Angaben genau 67 267 Mitarbeiter. Das sind vier Prozent weniger als noch vor einem Jahr, und der Abbau wird weitergehen. Bis 2016 sollen europaweit weitere 6750 Stellen wegfallen, davon 4750 in Deutschland.

Betriebsbedingte Kündigungen soll es allerdings zunächst nicht geben. Stattdessen setzt der Konzern auf die hauseigene Jobbörse, Altersteilzeit und natürliche Fluktuation. Auch über Gehaltskürzungen auf Management-Ebene werde man reden müssen, ließ RWE-Vorstandsvorsitzender Peter Terium wissen. Für die verbleibenden Mitarbeiter soll es eine Nullrunde geben. Auch der bis Ende 2014 garantierte tarifliche Kündigungsschutz wird zur Disposition stehen.

RWE-Nettoergebnis könnte 2014 von 2,4 auf 1,3 Milliarden Euro sinken

„Wir gehen durch ein Tal der Tränen“, hatte RWE-Chef Peter Terium gestern bei der Vorstellung der Zahlen für die ersten neun Monate gesagt. Gewinneinbrüche um zwei Drittel gab es vor allem bei den Kohle- und Gaskraftwerken. 2013 werde das nachhaltige Nettoergebnis des Konzerns zwar noch einmal bei 2,4 Milliarden Euro und damit auf Höhe des Vorjahreswertes liegen.

Diese stabile Entwicklung im Vergleich zum Vorjahr sei jedoch allein auf eine Einmalzahlung des russischen Gasriesen Gazprom aus der Nachverhandlung überteuerter Gasliefer-Verträge zurückzuführen, räumte RWE ein. „Die verringerte Ertragskraft des Konzerns – vor allem in der konventionellen Stromerzeugung – wird dagegen 2014 zu einem deutlichen Ergebnisrückgang führen.“ Der Konzern rechnet mit einem Absacken des Nettoergebnisses auf bis zu 1,3 Milliarden Euro.

Der jetzt angekündigte Personalabbau trifft mit 2300 Stellen vor allem die Kraftwerkssparte. Der geplante Verkauf der Ölfördertochter Dea soll 1 400 Stellen einsparen. Sparen will RWE zudem beim Tochterunternehmen RWE Innogy. Dort werden seit 2008 Anlagen auf Basis von Windenergie, Wasserkraft und Bioenergie betrieben. Im Jahr 2012 hatte RWE mit diesen und anderen Wasser- und Biomassekraftwerken rund vier Prozent seines Stromes aus erneuerbaren Energiequellen produziert. Nun sollen 250 Mitarbeiter gehen. 

Auch E.On plant ebenfalls großen Stellenabbau

Rund 20 bis 30 Prozent der RWE-Kraftwerke erwirtschaften ihre Kapitalkosten nicht mehr, erste Blöcke wurden bereits stillgelegt. Konkurrent E.On ergeht es nicht besser. Auch hier gibt es seit Sommer dieses Jahres Pläne, nach denen bis 2015 rund 11 000 Stellen abgebaut werden sollen. Jüngst hatte E.On für die ersten neun Monate dieses Jahres einen Rückgang des operativen Gewinns in der Stromerzeugung um 41 Prozent gemeldet und die Konzernprognose für 2013 gesenkt.

Aus Sicht der Energiekonzerne wirken sich der Ausstieg aus der Atomenergie, der Ausbau erneuerbarer Energien und die sinkenden Großhandelspreise durch Überkapazitäten negativ auf die Wirtschaftlichkeit ihrer Anlagen aus. Allerdings muss sich die gesamte Branche auch vorwerfen lassen, die Zeichen der Energiewende nicht oder zu spät erkannt zu haben. Vielleicht ein Relikt aus Monopolzeiten, als klar war, woher der Strom aus der Steckdose kam.

Von Gudrun von Schoenebeck Tags:

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