Karriere 28.05.2010, 19:46 Uhr

Rita Forst, die Autoflüsterin

Mit der Ernennung zur Opel-Entwicklungschefin hat Rita Forst im deutschen Blätterwald für großes Rauschen gesorgt. Die Maschinenbau-Ingenieurin liest das gerne, legt aber größeren Wert auf harte Arbeit als auf Medienrummel. Versüßt wird der leidenschaftlichen Autofahrerin die Arbeit durch die Begeisterung für das Produkt.

Wer mit Rita Forst Auto fährt, der sollte als Beifahrer eines mitbringen: Geduld. Die 55-Jährige zelebriert das Autofahren, genießt es und hat dabei nicht nur Augen für den Straßenverkehr. „Beim Autofahren achte ich auf jedes Detail am Wagen. Ich prüfe das komplette Fahrverhalten und kann genau hören, wenn etwas am Motor nicht rund läuft“, sagt sie.

Das Gefühl fürs Detail bringt ihr Job mit sich. Die Maschinenbau-Ingenieurin arbeitet für einen der größten Autohersteller der Welt. Rita Forst ist die neue Entwicklungschefin bei Opel und sitzt seit Januar 2010 in der männerdominierten Automobil-Branche als einzige Frau im Konzernvorstand.

„Eine Sensation“ nannte die Financial Times Deutschland ihre Ernennung, „Die Eroberung der letzten Männerdomäne“ titelte das Handelsblatt und vom „neuen Gesicht der Opel-Geschäftsführung“ schrieb das manager magazin über die „Herrin der Motoren“ (WirtschaftsEcho).

Rita Forst hört so etwas gerne. Es zeigt den Respekt vor ihrer Leistung. Denn den Weg nach oben habe sie sich hart erarbeitet. „Wie jeder andere auch: durch Qualifikation, Durchsetzungsvermögen und Zielstrebigkeit.“ Einen Sonderstatus als Frau habe es nie gegeben. „Ich muss jeden Tag neu beweisen, dass ich die gleichen Kompetenzen und Leistungen bringen kann wie männliche Kollegen“, betont die Mutter von zwei erwachsenen Söhnen. Frauen brauchten auch keine größere Lobby, sondern mehr Mut. Sie selbst hat es vorgemacht.

Erst machte die gebürtige Wiesbadenerin eine Lehre als technische Zeichnerin, dann absolvierte sie das Maschinenbaustudium in Darmstadt und 1977 stellte sich die damals 22-Jährige bei der Adam Opel AG vor. „Nur eine einzige Bewerbung und ich hatte eine Stelle. Heute wäre so etwas wohl undenkbar.“

Seit über 30 Jahren arbeitet Rita Forst für die Marke mit dem Blitz und den Mutterkonzern GM. „Ein Traumjob“, wie sie versichert. Denn Autos sind seit der Kindheit ihre große Leidenschaft. Schon früh interessierte sie sich für Technik. Unterstützt wurde sie von ihrem Vater, „der der Meinung war, Technik sei nicht bloß für Jungs“, erzählt Forst.

Ihre Begeisterung gilt besonders den Motoren. Bei Opel hat sie in diesem Bereich Maßstäbe gesetzt. Die Maschinenbau-Ingenieurin war an der Entwicklung des Dreiwege-Katalysators federführend beteiligt, ebenso an der Vier-Ventil-Technologie und der Leichtmetallmotor L 850 mit einem Zylinderblock aus Aluminium trägt ihre Handschrift.

Der Leichtmetallmotor L 850 war Mitte der 90er-Jahre das erste Exemplar einer neuen Motorengeneration und zugleich der Anfang ihrer Karriere im Spitzenmanagement. Rita Forst trat 2001 in die Geschäftsführung der Opel Power-
train GmbH ein, ging wenig später als Direktorin Produktentwicklung zu GM Powertrain Europa nach Turin, wurde für ihre Leistungen 2006 von der Fachzeitschrift „Automotive News“ zur „Frau des Jahres“ ausgezeichnet und ein Jahr später zusätzlich zur Aufsichtsratsvorsitzenden der GM Powertrain GmbH Germany ernannt. Im Januar 2010 berief sie der neue Opel-Chef Nick Reilly in den Vorstand, wo sie als Entwicklungschefin auch für die britische Opel-Schwester Vauxhall verantwortlich ist.

Unwohl fühlt sie sich in der von Männern dominierten Automobil-Welt nicht. „Es ist eine unveränderte Situation. Als ich Maschinenbau studiert habe, waren schon meine Kommilitonin und ich die einzigen beiden Frauen unter etwa 120 Studenten.“

Eine Frau an der Entwicklungsspitze eines Automobilherstellers bringe Vorteile, Frauen fänden eine gute Balance zwischen Emotionalität und Funktionalität. „Außerdem wissen Frauen was Frauen wollen: Denn heutzutage treffen meistens die Frauen die Entscheidungen beim Autokauf. Deshalb suchen wir ständig gute Ingenieurinnen für die Entwicklung.“

Aber nicht nur neue weibliche Ingenieure werden in Rüsselsheim gesucht. „Überhaupt suchen wir viele hochqualifizierte Ingenieure“, bestätigte Forst. Denn nach den Turbulenzen um GM und seine europäischen Töchter soll die Marke Opel durch ein rundum erneuertes Fahrzeugportfolio wieder in die Erfolgsspur gelenkt werden. Mit dem Modell Insignia, dem Auto des Jahres 2009, gelang ein guter Start. Forst schwärmt beim Insignia vor allem von dem „sehr emotionalen Design“.

Wie viel praktische Arbeit von Rita Forst steckt in einem neuen Opel-Modell? „In der technischen Entwicklungsarbeit bin ich nahe dran, will aber noch tiefer einsteigen.“ Kein Wunder, dass die Mitarbeiter ihre Chefin auch bei technischen Fragen um Rat fragen. „Dann steigen wir schon mal gemeinsam ins Auto und fahren eine Runde. Beim Fahren arbeite ich im Kopf eine Liste ab und achte auf jedes noch so kleine Detail“, erklärt Rita Forst, die keinen Wert auf einen Chauffeur legt, sondern lieber selbst das Auto lenkt, um als „Testfahrerin“ wertvolle Tipps geben zu können. Vom Schreibtisch aus könne sie schließlich ein Auto nicht verbessern.

Dass Autofahrten mit Rita Forst anstrengend sein können, weiß vor allem ihr Mann. „Die erste halbe Stunde während der Fahrt muss er ruhig sein, denn dann achte ich auf Fahrgeräusche“, sagt Rita Forst und schmunzelt. So richtig Freude am Autofahren hat sie vor allem dann, wenn es rund und störungsfrei läuft. Gut für den Opel-Kunden, das zu wissen. KASPAR KAMP

Von Kaspar Kamp
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