Karriere 08.04.2005, 18:38 Uhr

Qual der Wahl: Konzern oder Mittelstand?

VDI nachrichten, Berlin, 8. 4. 05 — Die meisten Ingenieure arbeiten in Deutschland in mittelständischen Unternehmen. Eigentlich ist dies ein Widerspruch, weil es Hochschulabsolventen in die Mammutkonzerne zieht. Auf jeden Fall aber lohnt sich ein Blick auf beide Karriere-Varianten.

Wenn man den Umfragen unter Examenskandidaten und Jungingenieuren Glauben schenkt, dann haben Arbeitgeber jenseits der Größenordnung von BMW, Siemens oder DaimlerChrysler keine guten Karten beim technischen Akademikernachwuchs. Mammutkonzerne und Marken, die internationales Ansehen genießen, machen als Wunscharbeitergeber regelmäßig das Rennen.

Aus gutem Grund, wie etwa Personalberaterin Carolin Fischer meint. Die Leiterin der von Rundstedt und Partner-Dependance in Berlin empfiehlt für den Berufseinstieg grundsätzlich eher einen Konzern, weil „man einen umfassenden Überblick über viele Geschäftsprozesse bekommt“ und die großen Unternehmen meist sorgfältig strukturiert und gut „aufgesetzt“ seien. Nach dem Motto „Generalist wird man immer noch“ findet es die Psychologin gut, „zunächst in einzelnen Geschäftsprozessen in die Tiefe zu gehen“. Außerdem seien Konzerne häufig „overstaffed“. So dürfe man meist das tun, „wofür man angestellt und bezahlt wird“. Bei sehr kleinen Firmen könne das nicht immer der Fall sein, sagt Fischer.

Damit freilich erntet Fischer durchaus auch Widerspruch. Manfred Brücks, Sprecher des Personaldienstleisters Adecco in Fulda, beispielsweise liefert für den Einstieg im Mittelstand das Argument: „Die Hierarchie ist flacher und man kommt leichter in die Verantwortung. Durch die vielfältigeren Einsätze wird man zum Generalisten, der sich mit einer guten Basis später spezialisieren kann. Das bedeutet später gute Bewerbungschancen.“

Die Meinungen der Experten gehen also durchaus auseinander. Fakt ist, dass die die meisten Ingenieure im Mittelstand beschäftigt sind. Nicht etwa die größten 500 Arbeitgeber Deutschlands, sondern die vielen kleinen bieten die meisten Einstiegschancen in die Arbeitswelt. Der Beschäftigungsanteil des Mittelstands an allen Arbeitnehmern hierzulande liegt nämlich bei 70,2 %, denn er stellt 99,7 % aller rund 3,38 Mio. Unternehmen insgesamt. Diese Zahlen hat das Institut für Mittelstandsforschung in Bonn (IfM) in Anlehnung der EU-Definition für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) ermittelt. Und danach gilt ein Unternehmen bereits dann als groß, wenn es mehr als 500 Mitarbeiter auf der Payroll hat und mehr als 50 000 € Jahresumsatz hat. Für die meisten Ingenieure steht also ein Job bei den Big Names schon aufgrund dieser Zahlenverhältnisse gar nicht zur Diskussion.

„Natürlich sind Wünsche immer erlaubt“, sagt Berufsfindungsberaterin Uta Glaubitz. Doch vielfach entbehrten die Vorstellungen vom Top-Arbeitgeber jeder Wissensgrundlage. Glaubitz: „Die meisten Leute wollen zu großen Unternehmen, weil sie sehr wenig über die Branche wissen. Sie kennen nur ein paar Unternehmen und gehen automatisch davon aus, dass das die attraktivsten Arbeitgeber sind. Ihnen fehlt die Fantasie, nach Unternehmen zu suchen, die keine Werbespots im Fernsehen schalten.“ Wer sich als Berufseinsteiger ein bisschen gründlicher mit der Frage beschäftigt, welcher Arbeitgeber denn für ihn persönlich der beste für die ersten Jahre im Beruf sein könnte, kommt deshalb nach Erfahrung der Berliner Beratungsexpertin relativ schnell zu einer deutlich differenzierteren Vorstellung.

Hilfreich bei dieser Recherche können beispiels Rankings zur Arbeitgeberwahl von Jungingenieuren sein, in denen gezielt nach ganz anderen Kriterien als Unternehmensgröße und – image gefragt wird. Dann stehen auf einmal „interessante Aufgaben“, „attraktive Produkte oder Dienstleistungen“ sowie „attraktive Unternehmensstandorte“ ganz oben auf der Wunschliste beispielsweise bei den knapp 6000 Ingenieuren, die vom Berliner Trendence Institut für Personalforschung im Rahmen des „Absolventenbarometers 2004“ zum Thema „Was Arbeitgeber attraktiv macht“ befragt wurden. Die Frage „Welche Faktoren sind Ihnen besonders wichtig, wenn Sie an ihre berufliche Tätigkeit nach dem Studium denken?“ beantworteten diese Jungingenieure am häufigsten mit „Weiterbildung durch praktische Tätigkeit“, mit „Generalistische Fähigkeiten erwerben“ und „Sichere Anstellung“. Die Möglichkeit, international zu arbeiten, war den Befragten ebenfalls wichtig. Auch hier hat Uta Glaubitz einen Tipp: „Wer sich ein bisschen mit den Strukturen der Wirtschaftslandschaft vertraut macht“, sagt die Berufsfindungsberaterin zum Thema internationaler Einsatz, „merkt sehr schnell, dass so vermeintliche No Names oft sogar noch bessere Chancen dafür bieten als mancher große Konzern.“

Wohl wahr. Ohne gründliche Recherche kann man heute kaum erkennen, ob eine auf den ersten Blick unscheinbar wirkende kleine GmbH nicht tatsächlich die Tochter eines Global Players ist – und in dessen Personalentwicklungsprogramme eingebunden. Ebenso können auch Mikro- oder Miniunternehmen mit gerade mal einer Hand voll Mitarbeitern durchaus auf ihrem Spezialgebiet Weltmarktführer sein – etwa beim Umsatz oder in der Forschung. Vielfach hilft hier schon ein Blick in den Reader „Wer gehört zu wem?“ der Commerzbank, den die Software-Gesellschaft Picoware auf eine CD hat brennen lassen. Der Titel: „Beteiligungsverhältnisse in Deutschland“. Eine Probeversion dieser CD wurde zum kostenlosen Download ins Netz gestellt. Immer wieder hilfreich für die Recherche sind auch die Bücher der Hoppenstedt Firmeninformationen GmbH. Deren dicke Wälzer, die über die wichtigsten Daten der Unternehmen informieren, stehen in jeder besseren Bibliothek. Bewerber, die schon ziemlich genau wissen, was sie wollen, können sich auf der Homepage des Darmstädter Informationsdienstleisters einen Testzugang einrichten und sieben Tage lang kostenlos auf die Datensuche gehen.

Dabei auf Unternehmen wie beispielsweise die Hannoveraner Lumanova GmbH zu stoßen, dürfte freilich ein Glückstreffer sein. Der erst im vergangenen Jahr gegründete Laserhersteller wurde gerade für sein „tragfähiges Firmenkonzept“ ausgezeichnet und gewann einen mit ansehnlichen 18 000 € dotierten Preis. Und so etwas steht meist in der Zeitung. Um deren Lektüre kommen Bewerber bei der Frage „Konzern oder Mittelstand“ also kaum herum. Dafür erfahren sie dann aber beispielsweise auch, dass Lumanova selbstverständlich auch auf internationalen Messen wie der Photonics im kalifornischen San José vertreten ist: Der Betrieb gehört zu einer Branche, die für 2005 zweistellige Zuwachsraten erwartet und eigentlich nur ein großes Problem hat: Fachkräftemangel. REGINA-C. HENKEL

Ein Beitrag von:

  • Regina Henkel

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