Karriere 04.08.2000, 17:26 Uhr

„Petri heil“ fürs Traumjob-Angeln

Wer wartet, bis sein Traumjob ausgeschrieben ist, vergeudet meist unnötig Zeit. Wem der alte Beruf nicht mehr schmeckt, sollte sein Schicksal in die eigenen Hände nehmen.

Frank Damm war Koch und ist heute Planer von Großküchen. Er weiß genau, was seine Kunden wünschen. Walter Frisch, Agraringenieur, leitet heute den Vertrieb einer Firma, die sich auf Gülleaufbereitungsanlangen spezialisiert hat. Candy Richter war Erzieherin, hatte immer nur Zeitverträge und wollte einen festen Arbeitsplatz, bei dem sie mit Menschen zu tun hat. Heute arbeitet sie als Sicherheitsbeauftragte am Berliner Flughafen Tegel.
Sie alle haben eins gemeinsam: Sie haben sich selbst einen Top-Job beschafft, ohne dass die Stelle überhaupt ausgeschrieben war. „Mit der richtigen Strategie kann das jeder“, meint Hans Walter Bens, Dozent für Arbeitsverwaltung an der Fachhochschule des Bundes für Öffentliche Verwaltung in Mannheim. Sein Credo: Selbst aktiv werden statt auf Angebote zu warten. „Wer seine Stärken und Vorlieben kennt, findet auch eine passende Stelle“, ist Marita Bestvater überzeugt, Projektleiterin „Neue Wege der Arbeitsvermittlung“ aus Münster.
„Vergessen Sie Ihre Berufsbezeichnung und definieren Sie sich als Mensch, der dieses und jenes kann“, rät sie Klienten, die sich beruflich verändern wollen. Entscheidend sei nicht das, was man in Studium und Berufsausbildung gelernt hat, sondern die „soft skills“. Der eine kann gut planen, der zweite umfassende Konzepte erstellen, der dritte Menschen motivieren. „Häufig fällt es schwer, die eigenen Stärken zu erkennen, weil einem viele Dinge automatisch leicht fallen“, meint Madeleine Leiter, Psychotherapeutin und Karriereberaterin aus München. „Dann hilft es sehr, sich Situationen herauszupicken und genauer zu analysieren, in denen man im Leben besonders erfolgreich war – und vor allem, warum das so war. Über diese Geschichten kommt man den eigenen Stärken auf die Spur“.
Die Alternative: ein Profil von einem Coach oder Personalberater erstellen lassen (Kostenpunkt zwischen 200 DM und 350 DM pro Stunde, Adressen gibt es beim Bundesverband der Deutschen Unternehmensberater in Bonn, Tel. 0228/91610, oder im Internet unter www.BDU.de). Ein zweiter wichtiger Punkt: das Insiderwissen der Branche. Kenntnisse über den Markt, den Umgangston, bestimmte Software, die Vertriebswege, die Schwierigkeiten der Branche. „Dieses Insiderwissen unterscheidet jemanden von anderen Mitbewerbern. Das trifft auf den Ingenieurberuf in ganz besonderem Maße zu. Und darin liegt der eigentliche Marktwert einer Person“, glaubt Bens.
Wer den Mut aufbringt, quer zu denken, dem bieten sich zahlreiche Alternativen. Warum sollte ein Diplom-Agraringenieur nicht im Vertrieb eines Unternehmens arbeiten, das landwirtschaftliche Maschinen herstellt, wenn er dort sein Organisationstalent und seine Freude im Umgang mit Kunden besser zum Einsatz bringt?
Wichtig ist es, die eigenen Werte, Vorstellungen und Vorlieben genau auszuloten: Will ich in einem Großkonzern arbeiten oder in einer kleinen Firma? Bin ich bereit, zwölf Stunden täglich zu arbeiten oder kommen dann Familie und Hobby zu kurz? Bin ich ein Typ für Teamarbeit oder jemand, der Autorität ausstrahlt? Wenn man weiß, was man zu bieten hat, kann man auch das Ziel definieren. Dann geht es an die konkrete Suche. Es gilt, die Unternehmen zu finden, die den gewünschten Job anzubieten haben. Welche Branchen kommen in Frage? In welcher Region muss ich suchen? Solche Punkte können helfen, ein Arbeitgeberprofil zu erstellen und den Kreis der potenziellen künftigen Chefs weiter einzugrenzen.
Nächster Schritt: Leute suchen, die das machen, was man selbst gern machen möchte. Darüber ergeben sich Kontakte. „Fragen Sie, wie Ihre Gesprächspartner zu ihrem Job gekommen sind und welche Fähigkeiten gefragt sind, welche Aufgaben zu bewältigen sind, welche Schwierigkeiten es gibt“, rät Leitner. NINA NIKLAS

Ein Beitrag von:

  • Nina Niklas

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