Karriere 24.08.2001, 17:30 Uhr

Online-Rat für deutsche Expatriates rund um den Globus

Laut Brigitte Hild sind zurzeit etwa 150 000 Fach- und Führungskräfte plus Familienangehörige von ihren Firmen ins Ausland entsandt worden. Diese so genannten Expatriates oder auch Expats haben nicht selten Probleme. Brigitte Hild kennt das aus eigener Erfahrung und bietet via Internet Expertenrat an.

Alltägliche Hindernisse für einen Expat: „Unsere Kinder haben Probleme mit der Zweisprachigkeit – wer weiß Rat?“ . Oder: „Ich bin seit vier Monaten mit meinem Mann in China – mir fällt die Decke auf den Kopf. Wem geht es ähnlich?“ Fragen, die deutsche Entsandte schlecht ihrer Personalabteilung stellen können, aber seit knapp einem Jahr auf einer Homepage im Internet loswerden. Vorausgesetzt, ihre Firma hat ihnen bei Brigitte Hild für etwa 1300 DM im Jahr ein Abo für das Online-Angebot Goingglobal gekauft. Die 41-Jährige bietet dafür im Internet Informationen rund um das Thema Entsendung, ein Forum, in dem sich Expats und ihre Angehörigen austauschen können und ein Expertenteam aus Ärzten, Arbeitsmedizinern, Psychologen, Pädagogen und interkulturellen Trainern, die auf individuelle Fragen reagieren. Bezahlt wird zwar von den Unternehmen, doch die Mitarbeiter werden unabhängig und vertraulich betreut.

Brigitte Hild kennt sich mit dem Thema Entsendung aus, sie hat ihren Mann zwölf Jahre auf Auslandsjobs begleitet, von Marokko über China und Finnland bis nach Schweden. „In all den Jahren haben wir eigentlich eine kompetente Stelle vermisst, wo man seine Gedanken und Fragen rund um das Thema Entsendung loswerden kann und auch mal unkompliziert Rat bekommt,“ erzählt sie. Auf der letzten Station, in Schweden, als die beiden Kinder bereits in der Schule waren, entstand dann der Plan „sowas selbst auf die Beine zu stellen.“

Die zierliche Frankfurterin, deren Outfit immer noch ein bisschen an die Lufthansa erinnert, bei der ihr Mann lange beschäftigt war, macht keine halben Sachen. Sie begann schon in Schweden, sich in die Forschungsliteratur, die in Skandinavien weitaus umfangreicher ist als in Deutschland, einzuarbeiten und nach der Rückkehr startete sie gleich mehrere Umfragen. „Zunächst mal ging es darum, wie viel deutsche Entsandte gibt es überhaupt? In einer Doktorarbeit zum Thema war von 40 000 die Rede, das Katholische Auslandssekretariat schätzte dagegen drei Mio.“ Hilds eigene Recherche bei deutschen Auslandshandelskammern in der ganzen Welt ergab 150 000 Entsandte plus Familien. Damit hatte sie schon mal ihre Zielgruppe. Bei international entsendenden Unternehmen brachte sie in Erfahrung, dass die Probleme der meisten Mitarbeiter eher im privaten Umfeld liegen. Das Institut für Interkulturelles Management in Rheinbreitbach hatte schon 1998 festgestellt, dass zwischen 10 % und 30 % der Auslandsaufenthalte vorzeitig abgebrochen werden – meist aus familiären Gründen. Und mit erheblichen Kosten für die Unternehmen, die die Lufthansa 1997 mit etwa 250 000 DM pro gescheiterter Entsendung bezifferte.

Im Februar 2000 stand das Angebot von Goingglobal. Brigitte Hild ging online – ohne einen einzigen Kunden. Die kamen erst im Herbst und inzwischen betreut Goingglobal etwa 100 Entsandte von vier verschiedenen Unternehmen. „Was in dem Jahr deutlich wurde ist, dass das Angebot sehr viel stärker von den begleitenden Partnerinnen genutzt wird als von Entsandten selbst und dadurch verschieben sich die Themenschwerpunkte ein bisschen mehr Richtung mitausreisende Familie.“ Doch das tut der Attraktivität des Angebots für entsendende Unternehmen keinen Abbruch. Im Gegenteil: In den Personalabteilungen erkenne man langsam, dass es immer schwieriger wird, Mitarbeiter für das Ausland zu finden, weil Ehefrauen zunehmend eine eigene Karriere verfolgen und dem beförderten Gatten nicht mehr mit wehenden Fahnen folgen.

Die „mitausreisende Ehefrau“, denn meistens sind es nach wie vor die Frauen, die folgen, bekomme im Ausland fast nie eine Arbeitserlaubnis. Der Alltag mancher „trailing spouses“, so der englische Ausdruck, den Brigitte Hild noch schlimmer findet als den deutschen, dümpelt zumindest zeitweise zwischen Morningcoffee mit anderen Firmenfrauen und öden Parties.Währenddessen versinkt der Partner meist in Arbeit, entwickelt sich beruflich weiter, erntet Anerkennung und hat abends vielleicht kein Ohr mehr für die Probleme seiner Frau. Brigitte Hild ist selbst allerdings ein gutes Beispiel dafür, dass solche „Firmenfrauen“ nicht versauern müssen. Schließlich hat sie sich ihren derzeitigen Fulltime-Job sozusagen aus den Erfahrungen im Ausland selbst gestrickt.

Zu diesen Erfahrungen zählt auch die der schwierigen Heimkehr. „Draußen ein Fürstchen, zu Hause ein Würstchen“, heißt ein unter Expats geläufiger Spruch, der meint, dass Deutsche im Ausland viele Privilegien genießen, an die man sich gerne gewöhnt. „Man ist im Ausland Somebody,“ erzählt Brigitte Hild, „man wird vielleicht zum Botschafter eingeladen und der Bundespräsident kommt und man darf ihm die Hand schütteln und man darf beruflich schalten und walten fernab der Zentrale, und wenn man zurückkommt, dann ist man Anybody und im schlimmsten Falle Nobody.“ Und auch für die Familien birgt die Heimkehr oft viele Probleme. Auch hier soll Goingglobal helfen.

Brigitte Hild hat den Wiedereinstieg in Deutschland geschafft. Von ihrem Büro aus schaut sie auf die idyllische Altstadt des gar nicht weltläufig anmutenden Kronberg im Taunus und schmiedet neue Pläne: „Ich warte schon drauf, dass die Technik soweit fortschreitet, dass jeder seine kleine WebCam im PC hat und man dann Beratungsgespräche führen könnte von Angesicht zu Angesicht.“

ANDREA LUEG

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