Arbeitsmarkt 14.12.2001, 17:32 Uhr

Online-Jobbörsen leiden unter der Flaute

Unter dem Einbruch des Stellenanzeigenmarkts leiden auch die Online-Jobportale. In der Branche selbst wird gemunkelt, es würden nur einige wenige Nischenanbieter übrig bleiben. Und dazu etwa drei Branchenriesen, die ihr Geld in Zukunft eher mit Dienstleistungspaketen für Personalabteilungen als mit Online-Annoncen verdienen.

Noch im Frühjahr musste man die Wochenendausgaben renommierter Zeitungen regelrecht nach Hause schleppen: Die dicken Stellenteile sorgten für ein üppiges Gewicht. Dies ist zurzeit vorbei: So müssen beispielsweise die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Süddeutsche Zeitung angesichts der Konjunkturkrise kräftig Federn lassen: Die SZ hat laut „Focus“ im September im Vergleich zum Vorjahr 60 % weniger Stellenanzeigen gedruckt, bei der FAZ war der Einbruch noch gravierender.

Vor allem die Banken und die Branchen Informationstechnologie und Telekommunikation haben nach Erhebungen des Fuldaer Personaldienstleisters Adecco die Zahl ihrer Stellenanzeigen massiv nach unten gefahren – kein Wunder, in diesen Bereichen wurden und werden Tausende von Mitarbeitern entlassen. „Im Vergleich zu den Printmedien schneiden die Online-Anbieter doch wirklich gut ab“, atmet Kai-Uwe Kaufmann auf, Marketingleiter beim Jobportal Monster. Die jüngste Statistik des Internet-Informationsdienstes Crosswater Systems von Ende Juli attestierte Stepstone im ersten Halbjahr einen Einbruch der Stellenangebote um 29 %, beim Mitbewerber Jobware waren es 25 %, bei Jobpilot noch 14 %.

Mittlerweile hat sich die Lage nochmals verschärft. „Unsere Spitzenwerte lagen im Frühjahr bei 140 000 Stellenangeboten, nun ist es nur noch die Hälfte“, gibt Jobpilot-Sprecher Stephan Lindenfeld zu. Die Konjunkturdelle hat also auch die Jobbörsen im Internet erfasst. Jobpilot, der im dritten Quartal 17 % weniger umgesetzt hat als im Vorjahreszeitraum, drehte im Sommer bereits an den Kostenschrauben: 15 % der Mitarbeiter wurden entlassen.

Der Konkurrenz geht es nicht viel besser: Bei Versum – dahinter stehen immerhin 86 deutsche Tageszeitungen – gab es einen Austausch der Führungsriege. Stepstone, ein norwegisches Unternehmen, musste sich im November 25 Mio. ‹ von institutionellen Investoren zuschießen lassen. Um die Kosten in den Griff zu bekommen, verabschiedet sich das Unternehmen nun aus weiten Teilen des europäischen Markts – nur noch in Deutschland, den Benelux-Ländern und Skandinavien ist man nun aktiv.

„Dieses regionale Spektrum ist uns zu wenig“, konstatiert Ursula Pache, verantwortlich für das Personalmarketing bei Agilent Technologies in Böblingen. „Wir rekrutieren weltweit, so dass uns eine Jobbörse zumindest europaweit bedienen muss.“ Aufgrund des stark eingeschränkten Angebots an Positionen wägt Pache derzeit genau ab, welcher Anbieter für das Unternehmen sinnvoll ist.

Dazu gehört für die Personalexpertin auf alle Fälle Monster, das Online-Angebot des US-Personalberatungskonzerns TMP. Das Portal ist erst vor anderthalb Jahren in Deutschland gestartet und kommt bereits auf die höchste Zahl von Besuchern unter den professionellen Angeboten, so die Zählungen der Marktforschungsgesellschaft Nielsen-NetRatings. Lediglich das Arbeitsamt konnte mehr Clicks verbuchen.

Doch nicht nur die Besucherzahlen beeindrucken: Laut Crosswater Systems konnte der internationale Riese im ersten Halbjahr in Deutschland die Zahl seiner Stellenangebote mehr als verdoppeln und damit gegen den allgemeinen Abwärtstrend rudern. Auch finanziell scheint Monster, nach eigenen Aussagen „die einzig profitable Jobbörse weltweit“, wie ein Fels in der Brandung zu stehen: Im dritten Quartal wurden die Umsätze mit Provisionen und Gebühren gegenüber dem zweiten Quartal nochmals um 2,6 Mio. US-Dollar gesteigert. „Natürlich verbuchen auch wir nicht mehr die früheren Steigerungsraten“, schränkt Marketingleiter Kaufmann ein. Doch er ist zuversichtlich, dass sich der Trend zum Online-Recruitment weiter fortsetzen wird. „Die Unternehmen können Geld sparen.“

Dieses Argument ist auch für Agilents Personalmarketingleiterin Pache nicht zu schlagen. Auch ihr Unternehmen wird weiterhin Stellenanzeigen in den großen Tageszeitungen schalten. „Doch die setzen wir immer mehr zu Imagezwecken ein, während wir über die Online-Jobbörsen die Bewerber auf unsere eigenen Internet-Seiten mit aktuellen Jobangeboten lotsen“, sagt sie.

Jobpilot-Sprecher Lindenfeld sieht noch einen weiteren Kostenaspekt für Unternehmen, die Online-Jobportale nutzen: „Für Mittelständler rechnen sich vor allem unsere Rekrutierungsservices, die von der Personalanforderung durch die Fachabteilungen bis hin zur Bewerbereinstellung alles abdecken.“ Jobpilot macht mittlerweile 20 % seines Umsatzes mit solchen Services, die den gesamten Rekrutierungsprozess abdecken. Monster und Stepstone heben sich mit ähnlichen Angeboten aus der Masse der reinen Jobbörsen ab. Die großen Drei hoffen damit letztlich auch, die Krise möglichst gut zu überstehen.

So mancher kleine Anbieter dürfte indes schon bald vor dem Aus stehen. Die Branchenexperten gehen davon aus, dass nur zwei bis drei große, international agierende und alle Branchen bedienenden Portale in Europa überleben werden. „Daneben haben nur noch Nischenanbieter für kleine Berufszweige eine Chance“, ist Monster-Marketingleiter Kaufmann überzeugt. Diese Entwicklung könnte das US-Unternehmen beschleunigen: Nach der schwedischen Jobline sollen noch weitere Konkurrenten übernommen werden. Ganz nach Monster-Manier!

SABINE KOLL

Stellenangebote im Bereich Verwaltung

Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Die Autobahn GmbH des Bundes Bauingenieur (m/w/d) als Leitung der Abteilung Bauwerksmanagement Montabaur
Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH)-Firmenlogo
Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) Ingenieure (m/w/d) Versorgungstechnik HKLS Wiesbaden
Landesamt für Bauen und Verkehr-Firmenlogo
Landesamt für Bauen und Verkehr Bauingenieur*in / Architekt*in im Bautechnischen Prüfamt Cottbus (Homeoffice möglich)
Bundeswehr-Firmenlogo
Bundeswehr Duales Studium – Bachelor of Engineering / Bachelor of Science (m/w/d) Fachrichtung Wehrtechnik Mannheim, verschiedene Einsatzorte
TÜV NORD CERT GmbH-Firmenlogo
TÜV NORD CERT GmbH Freiberufliche Auditoren*Auditorinnen (m/w/d) deutschlandweit
Landeshauptstadt München-Firmenlogo
Landeshauptstadt München Bauingenieur*in / Umweltingenieur*in als Betriebshofleitung (m/w/d) München
Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft Aktiengesellschaft in München-Firmenlogo
Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft Aktiengesellschaft in München Underwriter for Engineering CAR/EAR (Contractors/Erection – All Risks) (m/f/d)* München
VDI Technologiezentrum-Firmenlogo
VDI Technologiezentrum Betriebswirt / Verwaltungswirt (w/m/d) für die Forschungsförderung Düsseldorf
Deutsche Sporthochschule Köln-Firmenlogo
Deutsche Sporthochschule Köln Technischer Sachbearbeiter / Technische Sachbearbeiterin (w/m/d) (2105-nwMA-D4) Köln
Stadt Ahlen-Firmenlogo
Stadt Ahlen Stadtbaurat*rätin / Technische*r Beigeordnete*r Ahlen

Alle Verwaltung Jobs

Top 5 Arbeitsmar…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.