Karriere 09.12.2005, 18:41 Uhr

Okay, Chef, heute hier, morgen dort …  

VDI nachrichten, Wiesbaden, 9. 12. 05 – Wer im Berufsleben mithalten will, muss Reisebereitschaft signalisieren. In Zeiten der Globalisierung sind Mobilität und Flexibilität zu Schlüsselqualifikationen geworden, die nach Meinung mancher Personalberater den klassischen Tugenden wie Gründlichkeit und Arbeitseifer sogar den Rang abgelaufen haben. Mancher Single mag die moderne Version der Lehr- und Wanderjahre sogar genießen, doch für manche Familien-Menschen ist der Balanceakt zwischen Berufs- und Familienleben schwierig.

Sie kennen die guten und die weniger guten Hotels des Landes, wissen, wo man in welcher Stadt ein anständiges Abendessen zu einem vernünftigen Preis bekommt, hören so manchen Dialekt bereits nach den ersten drei Worten heraus und bewegen sich auf Bahnhöfen und Flughäfen wie im Schlaf. Die Rede ist nicht etwa von Weltenbummlern, Handelsvertretern oder Vorständen weltweiter Konzerne, sondern von „ganz normalen“ Arbeitnehmern, die von ihrer Firma für Wochen oder Monate in die Ferne ausgesandt werden. Um vor Ort beim Kunden Software zu installieren, Maschinen einzurichten, Ladenregale zu füllen, Bücher zu prüfen oder Bauvorhaben zu überwachen. Um mit Kollegen aus anderen Niederlassungen ein komplexes Angebot zu erarbeiten oder um in Kooperation mit externen Dienstleistern ein Projekt durchzuführen. Oder zur Aus- und Weiterbildung, um die eigene „Employability“ – die Arbeitsmarktfähigkeit – zu steigern. Deshalb verläuft die typische Woche heute für immer mehr Menschen nach demselben Rhythmus: Abfahrt von zu Hause am Sonntagabend, manchmal auch erst am Montag in aller Herrgottsfrühe, Heimreise am Freitagabend. Zwischendrin wird aus dem Koffer gelebt. Seufzend zwar, aber: Watt mutt, datt mutt. Reisebereitschaft steigert die Jobchancen ungemein.

Der Rheingauer Sourcingexperte Hartmut Horchler kann dazu nur nicken. „In der IT ist uneingeschränkte Reisebereitschaft heute zwingend erforderlich“, weiß der Mittvierziger, dessen Frau und Kinder ihn während der Woche selten zu Gesicht bekommen. „Die rasante Entwicklung in dieser Branche fördert und fordert die Arbeitsteilung, und da die Arbeitgeber nicht überall einen Spezialisten vorhalten können, müssen die dann eben von Projekt zu Projekt mitziehen. Das ist schlicht eine Folge der Industrialisierung der IT.“ E-Lancer Horchler klappt seinen Laptop zu und zuckt die Schultern. „Wer diese neue Rahmenbedingung nicht akzeptieren will, wird schnell ersetzt. So einfach ist das.“

Ganz abgesehen davon, dass Maschinenbauer, Elektro-, Wasserbau- und Energiespezialisten schon immer weite Teile ihres Berufslebens im Ausland verbracht haben: Für kaum einen hoch qualifizierten Arbeitnehmer lohnt sich noch die Anschaffung einer pflegebedürftigen Büropflanze. „Immer öfter werden Junior-Controller aus der Buchhaltung für drei oder vier Monate an den Konzernsitz nach Chicago oder Hongkong abgeordnet, um zu lernen, wie die Zentralprozesse ablaufen“, weiß Harald Stapf von der SCS Personalberatung in Frankfurt. „Personalentwickler geben auf Wunsch der obersten Führung ihr Know-how an Tochter- oder Schwestergesellschaften weiter, Techniker und Marketingspezialisten werden an Kunden ¿verliehen“. Externe Einsätze über Wochen hinweg sind heute der Regelfall.“

Abhängig vom Grad der eigenen Neugier und der Attraktivität des Standortes kann so ein Vagabundendasein eine Zeit lang richtig Spaß machen. Neben neuen Menschen und Städten lernt man in der Regel noch eine ganze Menge mehr kennen, und sei es auch nur die Erkenntnis, dass überall mit Wasser gekocht wird. Irgendwann aber dünkt der Preis für Weltläufigkeit und Wissensgewinn zu hoch. Und zwar dann, wenn man nun schon das dritte Wochenende hintereinander nicht in seinem eigenen Bett geschlafen hat und das ewig gleiche Frühstücksbüfett des ewig gleichen Hotels allmählich nicht mehr sehen kann. Wenn man, wieder einmal, den Geburtstag der Tochter nicht mitfeiern kann. Wenn der lang geplante Urlaub aufgrund von projektbedingten Regelwidrigkeiten ins Wasser fällt und der Partner mit einem schiefen Lächeln trotzt: „Dann fahre ich eben allein.“ Oder wenn die Sportsfreunde das Jahresturnier ohne den Rechtsaußen planen, weil das Training mit dem Terminplan wieder einmal nicht vereinbar war. Kurz: Das Privatleben bleibt häufig auf der Strecke. Und die erflogenen Freimeilen dienen allenfalls kurzfristig dazu, den Partner mit der Aussicht auf einen gemeinsamen Urlaub, natürlich erst nach Projektende, ruhig zu stellen.

Während Singles und Fatalisten solche Projekteinsätze an wechselnden Standorten als moderne Variante der Lehr- und Wanderjahre betrachten und sich achselzuckend darin fügen, lehnen familiär gebundene Mitarbeiter längere Einsätze fern der Heimat häufig ab. Oft erweist sich das Jahre später als Karrierebremse – auch bei einer Bewerbung in einem anderen Unternehmen, denn nach der Reisebereitschaft wird unweigerlich gefragt. In Zeiten der Globalisierung sind Mobilität und Flexibilität zu Schlüsselqualifikationen geworden, die klassischen Tugenden wie Gründlichkeit und Arbeitseifer den Rang abgelaufen haben. Personalberater Stapf, als Wirtschaftsingenieur im Verkauf früher selbst viel auf Achse, rät deshalb unbedingt, solche Entsendungen gleichzeitig als Chance zur persönlichen Entwicklung und zum Weiterkommen zu sehen. „Das gilt übrigens nicht nur für junge Menschen, sondern auch für Mitarbeiter in den Vierzigern und Fünfzigern. Die sollten sich erst recht freuen, wenn sie für ein paar Wochen oder Monate Außenluft schnuppern können. Vielen wird diese Möglichkeit nämlich gar nicht erst gegeben, weil die Arbeitgeber von vorneherein damit rechnen, dass sie ablehnen.“ CHRISTINE DEMMER

Von Christine Demmer
Von Christine Demmer

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