Studie zeigt Defizite auf 13.02.2013, 11:51 Uhr

OECD: Deutschland weniger attraktiv als Dänemark und England

Deutschland für ausländische Arbeitnehmer weniger attraktiv als andere Staaten. Auch die deutschen Arbeitgeber sind wenig an Personal aus dem Ausland interessiert. Das zeigt eine neue Studie der OECD. Sie empfiehlt der Bundesregierung eine konsequente Zuwanderungsstrategie.

Die engineerING card erleichtert Ingenieuren in Europa die Arbeit im Ausland. Sie sorgt vor allem für die gegenseitige Anerkennung von Abschlüssen.

Die engineerING card erleichtert Ingenieuren in Europa die Arbeit im Ausland. Sie sorgt vor allem für die gegenseitige Anerkennung von Abschlüssen.

Foto: VDI

Der stellvertretende Generalsekretär der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Yves Leterme, bescheinigt der Bundesregierung zwar, in den vergangenen Jahren wichtige Reformen angepackt zu haben, mahnt aber zugleich weitere Anstrengungen an. In Deutschland herrscht nach Einschätzung der OECD immer noch ein „Anwerbestopp mit Ausnahmen“. Den Angaben zufolge kommen jedes Jahr lediglich rund 25 000 Männer und Frauen aus Staaten außerhalb der EU zum Zweck der Arbeitsaufnahme nach Deutschland. In Ländern wie Australien, Dänemark, Kanada und Großbritannien seien es fünf- bis zehnmal so viele.

Zwar sei Deutschland nach den jüngsten Reformen des Zuwanderungsrechts mittlerweile „eines der OECD-Länder mit den geringsten Beschränkungen für die beschäftigungsorientierte Zuwanderung hoch qualifizierter Fachkräfte“, heißt es in der Studie. Allerdings nutzen die Unternehmen die Möglichkeiten zur Beschäftigung ausländischer Arbeitskräfte bislang nur unzureichend. So wurden in der Vergangenheit die Mindesteinkommensschwellen für hoch Qualifizierte mit der Einführung der „Blauen Karte“ der EU gesenkt, und für bestimmte Mangelberufe fielen die Vorrangprüfungen weg.

Blue Card zeigt positive Wirkung

Die neue Blue Card zeige langsam Wirkung: Anfang Februar hatten laut Bundesarbeitsministerium 2500 hoch Qualifizierte sie zur Arbeitsaufnahme beantragt. „Die Zahlen steigen deutlich“, sagte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Die Blue Card gibt es seit August vergangenen Jahres. Zudem wurde die Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse von in Deutschland lebenden Ausländern erleichtert.

OECD empfiehlt:

OECD empfiehlt: „Anwerbestopp mit Ausnahmen“ umwandeln

Die Zurückhaltung deutscher Arbeitgeber, auch derjenigen, die immer wieder über Fachkräftemangel klagen, gründet sich nach Einschätzung der Studie unter anderem auf die mangelnde Transparenz und den schlechten Ruf des Antragssystems. Dabei, so heißt es weiter, sei dieses vergleichsweise offen: In Deutschland gibt es, anders als in anderen Ländern, keine Begrenzung für die Zahl hoch qualifizierter Einwanderer pro Jahr. Zudem sei die Bearbeitungszeit der Anträge kurz und das Verfahren kostengünstig. Nur selten würden Bewerber für hoch qualifizierte Tätigkeiten abgelehnt. Auch internationale Hochschulabsolventen erhalten nach Einschätzung der OECD vergleichsweise großzügigen Zugang zum Arbeitsmarkt. Dies sollte noch aktiver beworben werden.

Allerdings sei das System nicht auf Berufe ausgerichtet, für die kein Studienabschluss benötigt werde. Für die Zuwanderung von Fachkräften mit mittlerer Qualifikation seien Beschränkungen wie das generelle Anwerbeverbot in Kraft, die eine internationale Personalbeschaffung verhinderten. Ein weiteres Hindernis sei die deutsche Sprache. Leterme warnte vor den Auswirkungen auf die Wirtschaft: „Der Wohlstand Deutschlands wird in Zukunft wesentlich davon abhängen, ob es dem Land gelingt, trotz seiner alternden Bevölkerung wettbewerbsfähig zu bleiben.“ Bereits im Jahr 2020 würden 40 % weniger Deutsche ins Berufsleben eintreten als in Rente gingen. Mittelfristig könnten „die offenen Stellen in Deutschland nicht allein durch inländische Arbeitskräfte und durch Zuwanderung aus der Europäischen Union gefüllt werden“. Es sei daher dringend notwendig, gut ausgebildete ausländische Fachkräfte nach Deutschland zu holen.

OECD empfiehlt einfacheres Verfahren

Die OECD empfiehlt Deutschland schlankere Verfahren und flexiblere Regelungen, die sich sowohl an Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber wenden: Anträge sollen demnach künftig auch online eingereicht werden können und Deutschkurse noch besser gefördert werden. Leterme plädierte dafür, den Deutschunterricht in den wichtigsten Herkunftsländern möglicher Einwanderer zu fördern – etwa durch berufsspezifische Kurse. Zudem ist laut OECD ein Perspektivwechsel notwendig. Die Arbeitsmigration solle unter klar definierten Voraussetzungen grundsätzlich erlaubt werden. Die sogenannte Positivliste, auf der Mangelberufe erfasst sind, soll regional angepasst werden und die Entgeltgrenzen nach Alter gestaffelt werden. Zugleich sollten insbesondere kleine und mittlere Unternehmen beim Anwerben ausländischer Arbeitskräfte unterstützt werden.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) kündigte nun an, die Hürden für den Zuzug ausländischer Arbeitskräfte weiter zu senken. Bereits Ende Februar soll das Bundeskabinett die neue Beschäftigungsverordnung beschließen, die deutlich weniger Bestimmungen für ausländische Arbeitnehmer enthalten soll, sagte von der Leyen anlässlich der Veröffentlichung der Studie. Zudem soll die sogenannte Vorrangprüfung für weitere Berufe gelockert werden. Anfang Juli sollen die Neuerungen in Kraft treten.

Von Claudia Burger

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