Karriere 24.09.2010, 19:49 Uhr

„Nur mit Offenheit bringt man etwas ins Rollen“

Neugierde und Wissensdurst spornten Ina Häger immer wieder zu neuen Projekten an. Am Institut für Biomechanik schaute sie Kollegen aus anderen Disziplinen über die Schultern, in der „Zukunftsinitiative Montanregion“ beriet sie kleine Unternehmen bei der Einführung von Qualitätsmanagement. Heute ist Ina Häger bei Opel für die Geschäftsstrategien in der Entwicklung zuständig.

Als Ina Häger beim Girls“Day aus dem Nähkästchen plauderte, war das für die Maschinenbauingenieurin ein Erlebnis mit Nachhaltigkeit. „Ich war als Frau in Ausbildung und Beruf immer in der Minderheit. Und jetzt, vor 120 Mädchen, das war seltsam – aber schön.“

Es gäbe leider immer noch Menschen, die Mädchen weniger technisches Verständnis als Jungen zutrauten. „Es ist daher so wichtig, was Kindern und Jugendlichen im Elternhaus mitgegeben wird“, sagt Ina Häger. Denn nicht selten würden gerade Mädchen in ihrem Schaffensdrang gedrosselt. „Zu Hause heißt es nicht selten: ,Es reicht, wenn du Friseurin wirst, du heiratest später sowieso“.“

Nicht, dass Ina Häger etwas gegen das Handwerk hätte. Warum sollte sie? Ihre Mutter war Friseurin, Vater Maler „oder Anstreicher, wie man das früher nannte“. Ihre Eltern hätten ihr nie Puppen und stereotype Berufswege verordnet. „Ich habe als Kind einen Handwerkskasten bekommen, so einen mit Laubsäge und Drillbohrer.“

Technik habe sie schon in ihrer Kindheit fasziniert. „Ich durfte das, meine Eltern haben das unterstützt.“ Nach der zehnten Klasse wechselte sie vom neusprachlichen auf ein mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium. „Mit fünfzehn Mädchen unter 200 männlichen Schülern habe ich mich an ein männlich geprägtes Umfeld gewöhnt.“

Dabei wurde Ina Häger im Studium an der Ruhr-Uni Bochum schroff darauf hingewiesen, dass sie sich mit ihrem Berufswunsch Ingenieurin auf der Gegenfahrbahn befände. „Ein männlicher Kommilitone ist einmal mit meiner Zeichnung zu einem Professor gegangen und hat dafür die Note 2 bekommen, ich bin mit der gleichen Zeichnung durchgefallen: ,Das ist totaler Mist, das müssen Sie noch einmal machen“, hieß es.“

Die älteren Professoren hätten nicht verstanden, warum eine Frau Maschinenbau studiere. „Sie signalisierten mir: ,Sieh zu, dass du einen Ingenieur heiratest.“ Abgeschreckt hat mich das nie. Man braucht eben eine hohe Frustrationstoleranz. Solche Geschichten waren aber auch nicht die Regel. Jüngere Professoren haben mich in meinem Vorhaben unterstützt. Da habe ich eben einen Bogen um die älteren Herren gemacht.“ Und um alles, was man klassischerweise unter Maschinenbau versteht. Ina Häger konzentrierte sich auf Fachrichtungen, die nicht dem Schwermaschinenbau zugeordnet werden, wie Automatisierungstechnik, Feinwerktechnik und Biomechanik.

Ein EU-Forschungsprojekt am Institut für Arbeitswissenschaften der Ruhr-Uni und eine Stelle als studentische Mitarbeiterin am Institut für Biomechanik prägten Ina Hägers Werdegang. „Es war spannend, als Maschinenbauingenieurin mit Kollegen anderer Disziplinen, wie Arbeits- und Organisationspsychologen sowie Medizinern, zu kooperieren. Das hilft mir heute noch, die Beziehungen der Leute untereinander besser bewerten zu können.“

Die Neugier trieb Ina Häger zum nächsten Projekt, einer Unternehmensberatung in Bochum. In der „Zukunftsinitiative Montanregion“ beriet sie kleine Unternehmen bei der Einführung von Qualitätsmanagement. Hier, mitten im Schmelztiegel Ruhrgebiet, lernte die Wissenschaftlerin, wie wichtig Sprachen sind: die der kleinen Leute, die anderer Kulturen. Mit diesem Wissen im Gepäck und dem Willen, „das, was ich als Beraterin anderen ans Herz lege, selbst in einem Unternehmen umzusetzen“, nahm Ina Häger 1996 ein „Superangebot von Opel als Projektingenieur im Bereich Test und Validierung“ an.

Der Aufstieg ging rasend schnell. Über die Gruppenleitung im Bereich „Quality Engineering “ leitete sie 2002 als Assistentin des Opel-Vorstands Initiativen der Task Force „Olympia“, ein Opel-Restrukturierungsprogramm. „Damals beschäftigten mich zur Steigerung der Engineering-Effizienz folgende Fragen: Wie können wir mit der gleichen Mannschaft mehr und noch innovativere Produkte entwickeln? Hat jeder Mitarbeiter wirklich die optimale Position?“

Seit „Olympia“ hat Ina Häger alle Reorganisationsprogramme mitbetreut. Warum gerade sie? „Ich bin ehrlich und offen. Mit dieser Art macht man sich nicht immer beliebt, aber nur so bringt man etwas ins Rollen. Da habe ich auch vor großen Tieren keine Hemmungen.“ Das wurde honoriert: 2003 Leiterin Efficiency and Resource Management, 2005 Direktorin Engineering Strategies and Services, 2008 Executive Director Global Engineering Processes. Heute ist die promovierte Ingenieurin als „Executive Director Geschäftsstrategien für die Entwicklung“ auch verantwortlich für Ressourcenplanung, Prozessmanagement und Reduzierung von Materialkosten.

Als Managerin hat sie den Überblick zu behalten, die Ingenieurin ist nur noch ein Teil ihres Berufsprofils – aber ein wichtiger. „Man dürfte mich heute nicht mehr vor einen CAD-Schirm setzen, da blicke ich nicht mehr bis ins Detail durch. Aber ich kann nachvollziehen, was die Ingenieure machen, ich kann die richtigen Fragen stellen.“

Sie könne nicht leiden, wenn man sie für dumm verkaufen wolle. „Ich erwarte, dass die Leute ihre Meinung sagen, auch wenn es heißt: Da hast du Mist gebaut. Das kann nicht bis zum offiziellen Halbjahresgespräch warten. Wenn es Probleme gibt, müssen sie zeitnah besprochen werden – Positives im übrigen auch.“

Vor allem Männer täten sich mit Offenheit schwer. „Ich glaube, Frauen haben dieses Alphamännchen-Syndrom seltener. Sie versuchen häufiger, zusammen etwas zu erreichen.“

Etwas mehr Weiblichkeit könne dem Alltagsbetrieb nicht schaden. Vielleicht hat Ina Häger das ein oder andere Mädchen am Girls“Day mit der Botschaft erreicht, sich auch von äußeren Einflüssen nicht vom Berufswunsch Ingenieurin abbringen zu lassen.  W. SCHMITZ

Ein Beitrag von:

  • Wolfgang Schmitz

    Wolfgang Schmitz

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Bildung, Karriere, Management, Gesellschaft

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