Karriere 22.12.2000, 17:27 Uhr

Nicht jeder Wechsel ist mit einem Aufstieg verbunden

Übernimmt ein Ingenieur eine Führungsposition, sollte er nicht gleich über eine Gehaltserhöhung verhandeln. Der Wunsch nach mehr Geld ist dann leichter durchzusetzen, wenn in der neuen Position auch eine entsprechende Leistung vorgewiesen werden kann.

Ingenieure sind wieder gefragt, eine Situation, die von Young Professionals im Gehaltspoker genutzt wird. Aber: Längst nicht alle Ingenieure sind heiß begehrt. Gesucht werden vor allem Maschinenbau-Ingenieure, Elektrotechniker, Kommunikations- und Informationstechniker. Sie können – oft mit Erfolg – durch geschicktes Verhandeln ihr Gehalt nach oben schrauben. Weniger Glück beim Gehaltspoker dürften Bauingenieure und Architekten haben: Für sie sind Stellen eher rar.
Wie sehr die Gehälter nach oben geschnellt sind, zeigt das Beispiel eines Sachbearbeiters mit einem Jahresgehalt von mehr als 100 000 DM – durchaus kein Einzellfall.
Wie hoch soll die Gehaltserhöhung sein, die er verlangen kann, wenn er die ihm angebotene Stelle als stellvertretender Abteilungsleiter annimmt, fragte ein Ingenieur. Es wäre ungeschickt, gleich zu Beginn der neuen Tätigkeit einen Zuschlag zu verlangen. Besser: eine Weile warten, durch Leistung überzeugen und erst dann ein Gehaltsgespräch führen.
Ein Wechsel ist attraktiv – innerhalb eines Unternehmens, aber auch in eine neue Firma. Ein Ingenieur, der viereinhalb Jahre in der Projektierung eines Großkonzerns gearbeitet hat, möchte im gleichen Unternehmen in den Vertrieb einsteigen, doch sein Chef zieht nicht mit. Eine Konstellation, die häufiger zu beobachten ist. Eine Lösung: den nächsthöheren Vorgesetzten ansprechen oder Kontakt mit der Personalabteilung aufnehmen. Nach vier Jahren projektierung wäre ein Job im Vertrieb ein idealer Anschluss.
Ein Elektroingenieur, 36 Jahre, war zehn Jahre Produktionsleiter in einem kleinen Unternehmen und würde gerne in ein Großunternehmen wechseln. Derzeit stimmen Position und Gehalt. Wenn aber die aktuelle Tätigkeit keine Entwicklung verspricht, sollte er wechseln, dabei aber immer das Potenzial der neuen Stelle im Auge haben. Bei einem Wechsel in ein großes Unternehmen kann er nicht damit rechnen, wieder Produktionsleiter zu werden, er müsste tiefer einsteigen. Ist mit dem neuen Job auch ein Umzug verbunden, sollte rechtzeititig die Familie eingebunden werden.
Ingenieure sind mobil. Und wenn sich dieser Wunsch nach einer neuen Umgebung auch mit einem Aufstieg auf der Karriereleiter verbinden lässt – um so besser. Allerdings sollte das Augenmerk zunächst auf die regionale Veränderung gelegt werden. Um sich einen Überblick über den Arbeitsmarkt zu verschaffen, sollte unbedingt ein Stellengesuch in einer regionalen Zeitung geschaltet werden. Infos gibt es auch im Hoppenstedt-Firmenverzeichnis oder auf den Homepages der Unternehmen.
Beim Einstieg und in den ersten Berufsjahren werden Ingenieure in der Regel nach Tarif bezahlt. So auch ein 31-jähriger Maschinenbau-Ingenieur, der als Projektleiter arbeitet. Da im Augenblick viele Überstunden anfallen, erzielt er ein hohes Gehalt. Jetzt wird ihm ein AT-Vertrag angeboten, den er auch annehmen sollte. Dieser AT-Vertrag sichert ihm das aktuelle Bruttogehalt, auch dann wenn die Aufträge zurückgehen. Zudem ist mit dem außertariflichen Gehalt eine Aufwertung verbunden.
Wie kann ein Aufenthalt im Ausland während des Studiums in den Bewerbungsunterlagen dokumentiert werden? Wichtig für eine Personalabteilung sei immer ein deutlicher Hinweis, wie dieser Aufenthalt zustande gekommen ist: Ein selbstständig gesuchter Praktikantenplatz in einem Unternehmen wird höher bewertet als ein Auslandssemester an einer Hochschule. Bei einem Studium kann eine zu große Abschirmung von der wirtschaftlichen Realität unterstellt werden.
Die Vorteile eines Auslands-Aufenthalts liegen auf der Hand: Ein angehender Ingenieur hat gelernt, sich in einer fremden Umgebung zurechtzufinden und mit ungewohnten Situationen umzugehen. has

Ein Beitrag von:

  • Hartmut Steiger

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