Rückholprogramme gescheitert 24.02.2014, 13:32 Uhr

Nachwuchswissenschaftler wandern ins Ausland ab

Deutschland kommen die Forscher abhanden. Das ist das Ergebnis einer Studie, die in dieser Woche an Bundeskanzlerin Angela Merkel übergeben werden soll. Danach wandern mehr Wissenschaftler ins Ausland ab als hierher kommen.

Die Arbeit im deutschen Wissenschaftsbetrieb ist für viele Nachwuchsforscher nicht mehr attraktiv – sie wandern ins Ausland ab.

Die Arbeit im deutschen Wissenschaftsbetrieb ist für viele Nachwuchsforscher nicht mehr attraktiv – sie wandern ins Ausland ab.

Foto: dpa/Patrick Seeger

Das Urteil der Studie: Die Politik der Bundesregierung im Wettbewerb um die Besten aus der Wissenschaft ist gescheitert. „Insbesondere für die Besten scheint das deutsche Forschungssystem derzeit nicht attraktiv genug zu sein“, heißt es darin nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“. Das Gutachten wurde im Auftrag der Bundesregierung von der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) erstellt.

Rückholprogramme sind gescheitert

Danach sind zwischen 1996 und 2011 rund 4000 Wissenschaftler mehr ins Ausland abgewandert als nach Deutschland kamen. „Deutschland verliert viele der besten Wissenschaftler durch Abwanderung. Zwar gibt es Rückkehrer, jedoch können nicht Wissenschaftler gleicher Qualität zurückgewonnen werden“, heißt es in der Studie. Die Experten stellen in ihrem Gutachten die Rückholprogramme in Frage, mit denen Staat und Wissenschaftsorganisationen versuchen, deutsche Forscher aus dem Ausland zurückzuholen.

Aber die Arbeit an deutschen Hochschulen ist unattraktiv, die Arbeitsbedingungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs sind schlecht: Die Forscher arbeiten oft über Jahre mit befristeten Verträgen und für wenig Geld.

Begutachten im Auftrag der Bundesregierung die Innovationsfähigkeit: Die Professoren Christoph Böhringer, Monika Schnitzer, Dietmar Harhoff, Alexander Gerybadze, Uschi Backes-Gellner und Dominique Foray (v.l.n.r.). 

Begutachten im Auftrag der Bundesregierung die Innovationsfähigkeit: Die Professoren Christoph Böhringer, Monika Schnitzer, Dietmar Harhoff, Alexander Gerybadze, Uschi Backes-Gellner und Dominique Foray (v.l.n.r.). 

Foto: EFI

Andere europäische Länder sind erfolgreicher als die Bundesrepublik. Die Schweiz, Österreich, Schweden oder Belgien verzeichnen laut EFI-Studie einen Zuwachs an Wissenschaftlern. Vor allem die Schweiz schaffe es, den Wissenspool konsequent durch einen Neuzufluss aufzuwerten und die Besten zurückzugewinnen, heißt es darin. Mehr als die Hälfte aller deutschstämmigen, im Ausland aktiven Erfinder werden aus der Schweiz oder den USA angeworben.

Kanada als Positiv-Beispiel

Das Problem ist nicht neu. Die EFI hatte schon in den Gutachten der vergangenen Jahre eine weitere Öffnung Deutschlands und Erleichterungen für den Zuzug qualifizierter Einwanderer gefordert. Als positives Beispiel nennen die Experten Kanada. „Staaten wie Kanada haben zielführende Systeme eingerichtet, die besonders hoch qualifizierte Personen anziehen und gut in das Land integrieren. Deutschland kann von diesen Beispielen lernen“, raten sie. Und sie nennen zwei weitere Kritikpunkte im deutschen Hochschulsystem. Sie bemängeln, dass die Initiativen zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse bislang nicht erfolgreich seien und dass die Potenziale von Frauen in Wissenschaft und Forschung zu wenig genutzt würden.

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