Porträt 07.08.2009, 19:42 Uhr

Mobilität ist alles – nicht nur in der Aufzugstechnik  

Maschinenbauingenieur Frank Herder (39) leitet seit einem Jahr das „Modernisation and Design Center“ (MDC) der Schindler Aufzüge und Fahrtreppen GmbH in Berlin. Sein Know-how in der Fördertechnik, für die er sich seit seinem Studium besonders interessiert, bildet nach wie vor die Basis seines beruflichen Engagements. Doch motivierte Mitarbeiter und zufriedene Kunden verlangen noch ein paar zusätzliche Talente. Frank Herder scheint sie mit seiner Begeisterung und Begabung für Projektsteuerung perfekt abzudecken. VDI nachrichten, Düsseldorf, 7. 8. 09, jul

Die Entscheidung für einen beruflich motivierten Wohnortwechsel fällt selten leicht. Auch Maschinenbauingenieur Frank Herder musste einiges loslassen, als er vor fünf Jahren das Angebot seines Arbeitgebers annahm, vom rheinischen Neuss in die Deutschlandzentrale der Schindler Aufzüge und Fahrtreppen GmbH nach Berlin zu gehen. Immerhin waren er und seine Frau gerade mit dem mehrjährigen Umbau eines fast 100 Jahre alten Häuschens in ein wunderschönes Zuhause fertig geworden. Doch das Auskosten privater Wohnträume konnte gegenüber der Chance, beim Aufbau eines zentralen „Modernisation and Design Centers“ (MDC) mitzuwirken, nicht wirklich punkten.

„Neben dem Schaffen einer Infrastruktur waren das Personalrecruiting, der Aufbau des Controllings und die Festlegung der Prozesse die spannenden Aufgaben“, bestätigt Herder rückblickend die Richtigkeit seiner Entscheidung, als Regional Team Manager nach Berlin zu gehen. In Neuss arbeitete er zuletzt im Technischen Vertrieb und leitete dort das Team Modernisierung von Aufzügen.

Dass der Umzug einen weiteren wichtigen Schritt auf der Karriereleiter bedeutete, war Herder durchaus bewusst. Die Personalentwicklung bei der deutschen Tochter des schweizerischen Schindler-Konzerns hat unter Ingenieuren und Technikern nicht ohne Grund einen guten Ruf. Um bei dem Traditionsunternehmen mit aktuell rund 2900 Mitarbeitern an 40 Standorten in Deutschland anheuern zu können, wird allerdings auch einiges verlangt. Wem es nicht gelingt, bereits als Praktikant oder Diplomand erste Kontakte zu dem Unternehmen mit schweizerischer Konzernmutter zu knüpfen, die für Absolventen ein attraktives Führungsnachwuchsprogramm parat hält, muss gleichwohl nicht alle Hoffnungen aufgeben.

Frank Herder beispielsweise ging den etwas steinigeren Weg, kam aber trotzdem an. Er vertiefte zunächst sein an der Fachhochschule Iserlohn erworbenes und mit der Diplomarbeit bestätigtes Fördertechnik-Know-how, indem er ein Jahr lang bei einem Essener Aufzugsunternehmen als Konstrukteur arbeitete. Danach klappte es ohne Probleme mit der Bewerbung beim Marktführer. Herder startete am Standort Neuss als technischer Auftragsbearbeiter im Bereich Aufzug Modernisierung. Bereits zwei Jahre später, im Jahr 2000, war er dann Leiter des Teams Modernisierung, weitere vier Jahre später Regional Team Manager in Berlin und seit einem Jahr ist er nun so genannter Head MDC-NE, was für „Leitung Modernisation and Design Center North-East“ steht.

Bei diesem Karrieretempo ist kaum anzunehmen, dass Herder den Höhepunkt seiner Berufslaufbahn bereits erreicht hat. Noch allerdings gefällt dem heute 39-Jährigen seine Arbeit als „Head MDC-NE“ viel zu gut, als dass er schon an etwas Neues denken möchte. Die mehr als 30 Ingenieure und Techniker dieser Abteilung sind für alle Aufträge aus Deutschland, Skandinavien und den baltischen Staaten zuständig, die über Standardlösungen hinausgehen.

Langeweile kommt dabei nicht auf. Dafür sorgt schon das technische Angebot. Das Spektrum reicht von Personen-, Lasten- und Güteraufzügen von gerade einmal 200 kg bis hin zu 20 t. Dabei kann der Kunde zwischen Lösungen mit Hydraulik oder mit Seilantrieb wählen und sich für einen Maschinenraum oder einen Antrieb im Schacht entscheiden – je nach Anforderung.

Egal ob eine Lösung für ein Wohnhaus oder ein Büro gesucht wird, ob es um ein Hotel, ein Einkaufscenter oder eine Fabrikationsanlage geht, für Engineering-Dienstleister Herder ist kein Kundenwunsch unerfüllbar. Ihn beflügelt es regelrecht, „die immer wieder neuen Herausforderungen durch besondere Bausituationen, Kundenwünsche und Gegebenheiten vor Ort umzusetzen“. Dass er und seine rund 30 Mitarbeiter mit ihren Konstruktionslösungen immer wieder zwischen die Fronten geraten, sieht Herder als besondere Herausforderung. Die Vorstellungen von preis- und terminorientiertem Vertrieb und die auf Einbaufreundlichkeit drängenden Montageabteilungen unter einen Hut zu bringen, ist das Spannungsfeld, in dem sich Herder täglich bewegt.

„Unser Ziel ist es immer, marktgerechte Lösungen anzubieten.“

Mit Ingenieurarbeit im ursprünglichen Sinn hat die aktuelle Aufgabe Herders nicht mehr viel zu tun. „Ich verstehe den Job meiner Mitarbeiter natürlich, versuche mich auch fachlich auf dem Laufenden zu halten. Aber meine eigentliche Arbeit besteht in der Projektentwicklung und -steuerung. Hinzu kommen Führungsaufgaben und Kundenpflege“, sagt Herder. Dass diese Aufgaben inzwischen fast 90 % seiner Zeit und Aufmerksamkeit benötigen, gefällt dem gebürtigen Dortmunder sogar. Ein reiner Konstruktionsjob wäre für Herder sehr weit weg von beruflicher Erfüllung. Und das weiß er auch von seinen Mitarbeitern. „Meine Leute haben Kostenverantwortung und sind im Durchschnitt vier Tage im Monat draußen auf den Baustellen. Vor Ort diskutieren sie die Lösungen direkt mit den Kunden, aber auch intern nutzen wir im Dialog mit der Montage jede Chance für Verbesserungen.“

Bis dato scheinen die Modernisation- and Design-Vorschläge aus dem Großraumbüro an der Ringstraße in Berlin-Tempelhof zu überzeugen. Das Team ist voll ausgelastet und die Referenzen des Unternehmens beeindrucken außer die Auftraggeber auch das breite Publikum. Von den insgesamt 117 Aufzügen, Hebebühnen, Fahrtreppen und Fahrsteigen, die Schindler bis zur Eröffnung des neuen Großflughafens „Berlin Brandenburg International“ in Berlin-Schönefeld im Jahr 2011 liefern soll, wird ein Großteil vom Projektteam um Frank Herder bearbeitet. Und zwar parallel und unter enormem Zeitdruck. Kein Wunder deshalb, dass an Bewerber für das Modernisation and Design Center-Team besondere Anforderungen gestellt werden. „Unser Ziel ist es immer, marktgerechte Lösungen anzubieten. Deshalb erwarten wir neben dem technischen Know-how auch ein hohes Maß an Kundenorientierung, betriebswirtschaftlichem Wissen und Belastbarkeit.“

Den Umbau eines alten Hauses in Angriff genommen hat Frank Herder bislang noch nicht wieder. Dafür läuft er jetzt Halbmarathon, was seinen langen Atem für zeitaufwändige Langfrist-Projekte stärkt, und frönt ausgiebig dem Fliegenfischen. Für dieses Hobby findet er im Umfeld seines neuen Wohnorts Potsdam traumhafte Bedingungen vor.

REGINA C.-HENKEL

Von Regina C.-Henkel
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