Karriere 27.08.2010, 19:48 Uhr

Mit dem Franchisekonzept in die Selbstständigkeit

Der Weg in die Selbstständigkeit ist immer ein risikoreicher, erst recht in wirtschaftlich schweren Zeiten. Björn Richter und Tobias Fritz haben es dennoch gewagt. Überzeugt hat sie das Franchisekonzept des Brand- und Wasserschadensanierers Rainbow International, das ihnen bis heute den Rücken stärkt.

Björn Richter steht in einer 350 m2 großen Halle. Sein Blick schweift hin zur linken Außenwand, wo über 100 Trocknungsgeräte und 80 Ventilatoren auf ihren nächsten Einsatz warten. An jenem Freitagnachmittag stehen sie alle in Reih und Glied. „Noch ist es ruhig, doch das heißt nichts. Freitage sind besonders beliebt für Wasser- und Brandschäden“, sagt Richter mit einem Augenzwinkern. Durch das höhere Verkehrsaufkommen steige der Kohlenmonoxidgehalt in der Atmosphäre. Damit erhöhe sich die Unwettergefahr.

Seit März 2003 führt der dreifache Familienvater einen Betrieb der Rainbow International GmbH in Heilbronn. „Angefangen habe ich mit 250 m2 und einem Mitarbeiter. Inzwischen misst der Betrieb 1500 m2 und ich beschäftige 35 Mitarbeiter“, erklärt Richter. Seinen Kunden bieten er und sein Team ein professionelles Schadensmanagement – von der Schadensaufnahme über die Trocknung bis hin zur Abwicklung mit den Versicherungen.

Als Richter sein Unternehmen aufbaute, hatte er nur zwei Mitstreiter, die wie er andernorts in Süddeutschland im Franchisesystem eine Rainbow-Niederlassung aufbauten. Inzwischen sind es über 30 Franchisenehmer und bis 2012 sollen es insgesamt 100 in Deutschland werden. Langfristig sollen gar 250 bis 300 Standorte hinzukommen.

Dass das möglich ist, davon ist nicht nur er überzeugt, sondern erst recht Tobias Baumann, Geschäftsführer von Rainbow International. „Wir haben es insofern gut, als dass wir es mit einem krisensicheren Markt zu tun haben und eine Dienstleistung anbieten, die in der Form hierzulande einzigartig ist, da wir unseren Kunden einen Komplettservice anbieten und soweit wie möglich auf Subunternehmer verzichten“, sagt Baumann. Dass dieser schon vor zwanzig Jahren von der Branche, dem Konzept des Mutterunternehmens in den USA und dem Franchisesystem als Unternehmensform überzeugt war, erwies sich als goldrichtig. Inzwischen hat Baumann nicht nur sich selbst zu einem erfolgreichen Manager gemacht, sondern auch Björn Richter und über 30 weitere Franchisenehmer.

So ist Richter, der vor sieben Jahren völliges Neuland betrat, längst sein eigener Herr. Tobias Baumann zieht derweil die Strippen in der Aalener Unternehmenszentrale. „Inzwischen haben wir eine ganze Abteilung, die sich darum kümmert, die passenden Franchisenehmer zu finden“, erzählt Baumann. „Wir brauchen nicht unbedingt fertige Führungskräfte, aber solche, die es werden wollen und solche, die groß werden wollen.“ Wenn Baumann davon spricht, groß werden zu wollen, dann meint er die Anzahl der Mitarbeiter, die jeder Franchisenehmer führen will. Denn alle fangen klein an mit einem bis maximal drei Mitarbeitern. Daraus würden relativ schnell 35 bis 40 Mitarbeiter. Das müsse man wollen.

Allein sei niemand, der ein solches Start-up aufbaue, versichert der Geschäftsführer. Im Gegenteil: „Wir bieten unseren Franchisepartnern ein am Markt erprobtes Konzept und geben jedem Einsteiger die Hilfestellung, die er braucht.“ Intensive Schulungen seien dabei ein fester Bestandteil. Darüber hinaus biete die Systemzentrale mit 45 Mitarbeitern den Franchisenehmern ein komplettes Supportsystem. Niemand müsse dafür schon ein gemachter Experte für Brand- und Wasserschäden sein. Aber er sollte Unternehmer sein wollen.

Björn Richter wollte vor sieben Jahren genau das. Auch bei Thomas Fritz war es nicht anders. Der Maschinenbauer, der einst in der Entwicklungs- und Fertigungstechnik tätig war, entschied sich im September 2007, in das Franchisesystem einzusteigen. Kaum vier Monate vergingen und er startete mit einem fertigen Businessplan in der Tasche. Bereut hat er diesen Schritt nicht, denn er wollte auf den eigenen Chefsessel. Was er aber als zweifacher Familienvater möglichst gering halten wollte, war das hohe Risiko, das eine Existenzgründung mit sich bringt. „Deswegen waren für mich nicht nur das Geschäftskonzept, sondern auch die Marktperspektive entscheidend.“

Doch der Wille allein führen zu wollen, reicht nicht aus, um ein erfolgreiches Start-up zu gründen. „Erfolg ist auch immer an einen unbedingten Willen unserer Franchisenehmer gebunden, den Kunden perfekten Service und eine hervorragende Dienstleistung zu bieten“, betont der Geschäftsführer.

„Wir suchen Mitarbeiter, die frei und quer denken können. Die verschiedenen Fachrichtungen, die sie bei uns finden, dürfen die Franchisenehmer nicht belasten, sondern sie müssen davon für sich und ihr Team profitieren können.“ Und das Alter der Franchisenehmer? „Das spielt keine Rolle. Wir haben Gründer im Boot, die unter 30 waren und andere, die mit über 50 an den Start gingen“, weiß Baumann. Gemein sei allen der Wunsch, weiter lernen zu wollen und ein Risiko einzugehen. Einige wollten nochmal etwas ganz anderes machen, andere wollten endlich ihr eigener Herr werden.

Ingenieure seien herzlich willkommen, betont Baumann. An ihnen schätze er besonders den technischen Sachverstand. Doch als Betriebsleiter stünden Managementaufgaben im Vordergrund. „Ein Ingenieur, der diese übernehmen will und es schätzt, selbstständig tätig zu sein, ist bei uns richtig.“ Sechzig offene Positionen hat Rainbow International derzeit ausgeschrieben. Baumanns größte Herausforderung ist es, für diese Stellen geeignete Franchisenehmer zu finden, denn die braucht er: Sein Ziel ist es, dass das Unternehmen in 2012 ungefähr vier Mal so groß ist wie heute.

Björn Richter und Thomas Fritz haben derweil ihr erstes Ziel erreicht: Inzwischen sitzen sie in dem regionalen Gebiet, das ihr jeweiliger Betrieb abdeckt, fest im Sattel. Richter setzt dabei auf „Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Transparenz.“ Diese seien für seine tägliche Arbeit ein unabdingbares Muss. Und schon ist er wieder in seinem Büro verschwunden, um im Internet die Unwetterprognosen zu verfolgen. Schließlich müsse er stets schneller und besser sein als seine Konkurrenz.

JULIA SCHLINGMANN

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