Im Porträt 23.03.2012, 11:59 Uhr

Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieurin Anja Neuber

Mit ihren knapp 200 Mitarbeitern ist Anja Neuber für die kaufmännischen und technischen Dienstleistungen rund um die Gusstechnik in der Siempelkamp-Gruppe zuständig. Die Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieurin versteht die Sprachen der Techniker und der Betriebswirte gleich gut. Sie möchte jungen Frauen Mut zu Technik und Karriere machen.

Im digitalen Bilderrahmen hinter dem Schreibtisch von Anja Neuber brennt ein Riesenfeuerwerk ab. Funken stieben, 300 t heißen Eisens fließen in eine Form. Das Video hat die Geschäftsführerin der Siempelkamp Gießerei Service GmbH selbst aufgenommen. Es zeigt den Weltrekord beim Gießen von Sphärostahl.

Einkauf, Rechnungswesen, Controlling, Personal, dazu Putzerei, Instandhaltung und Logistik: Die Service GmbH hält den Gießereibetrieb am Laufen. 2008 wurden diese Tätigkeiten innerhalb der Siempelkamp-Gruppe in eine eigene Tochterfirma ausgelagert. Und Anja Neuber, damals Mitte 30, wurde alleinige Geschäftsführerin. Die Holding hat insgesamt über 3000 Beschäftigte in den Sparten Maschinen- und Anlagenbau, Gusstechnik und Nukleartechnik.

Neuber macht 1997 ihren Abschluss in Maschinenbau

1997 hatte Neuber ihren Abschluss in Maschinenbau mit dem Schwerpunkt Umwelt- und Energietechnik an der Fachhochschule Aachen gemacht, danach als freiberufliche Beraterin im Bereich Qualitäts- und Umweltmanagementsysteme gearbeitet: „Damals kam gerade ISO 14001 auf. Alle haben sich daraufgestürzt: für mich die Gelegenheit, erste Berufserfahrungen zu sammeln.“

Um die Zertifizierung nach ISO 14001 ging es auch bei ihrer ersten festen Stelle bei Siempelkamp. Dabei machte sie noch eine Weiterbildung zur Sicherheitsingenieurin und lernte das gesamte Unternehmen gründlich kennen. 2001 schrieb sie sich dann für ein berufsbegleitendes Studium der technischen BWL an der FH Südwestfalen ein. „Ganz ehrlich“, sagt Neuber, „ich wollte etwas für meine grauen Zellen tun. Zwar war meine Arbeit im Betrieb auch sehr interessant, aber ich hatte einfach das Gefühl, ich habe die Zeit und Muße dafür. Mein Lebensgefährte war damals beruflich viel im Ausland, und ich habe keine Kinder.“ Und nicht zuletzt wollte sie beruflich weiterkommen.

Dafür müsse man natürlich auf die richtigen Personen treffen. Für sie war Michael Szukala, der Vorsitzende der Holdinggeschäftsführung, diese „richtige Person“. Neuber betrachtet ihn als ihren Mentor, auch wenn die beiden an keinem offiziellen Tandemprogramm teilgenommen haben.

Anja Neuber übernimmt Stabsstelle Sonderaufgaben in der Siempelkamp-Gruppe

Sie steckte noch mitten in ihrem Zweitstudium, als sie einen Anruf vom damals neuen Firmenchef bekam. „Er hatte viele Umstrukturierungsmaßnahmen vor und brauchte Unterstützung. Da ich das Unternehmen schon gut kannte, die Sprache der Techniker hier im Haus verstand und eben betriebswirtschaftliches Wissen mitbrachte, war ich wohl eine gute Besetzung“, erinnert sich Neuber. Nämlich für die Stabsstelle Sonderaufgaben direkt bei der Geschäftsführung.

Eine solche Aufgabe war die Einführung des Marktplans, eines Planungsinstruments für den Vertrieb. In den Marktplan sollen alle Informationen etwa aus Kundengesprächen zusammenfließen. „Da holte sich mein Kollege von der Stabsstelle beim Vertriebsleiter anfangs eine blutige Nase, denn Wissen ist Macht: Manche behielten Dinge gern für sich. Aber inzwischen lieben alle den Marktplan“, behauptet Neuber.

Und wenn es mal Schwierigkeiten gab, so seien sie nicht geschlechtsspezifisch. Nur eine Anekdote aus früheren Zeiten fällt ihr dazu ein: Als frischgebackene Sicherheitsingenieurin wollte sie einen bestimmten Gabelstaplerfahrer sprechen. „Wir hatten zu der Zeit noch keine schnurlosen Telefone. Ich musste zum Pförtner, damit er ihn per Funk kontaktiert. Der funkte: Ja, die Sekretärin des Sicherheitsingenieurs steht gerade neben mir… Ich habe es mit Humor getragen. Ich gehöre auch nicht zu den Leuten, die sich den Titel auf die Stirn schreiben.“ Nicht mal auf die Visitenkarte: Da fehlt der doppelte Dipl.-Ing. (FH). Die wesentliche Information sei doch „Geschäftsführerin“, die Qualifikation egal.

Gute Frauen würden auch ohne Quote ihren Weg in die Vorstandsetagen machen, meint Neuber. Gleichwohl weiß sie, dass Ingenieurinnen und Firmenchefinnen in anderen Ländern viel öfter anzutreffen sind. Es sei ein gesellschaftspolitisches Problem, aber auch eins der Frauen selbst, die die falschen Entscheidungen treffen. Und denen die Vorbilder fehlten. Anja Neuber, das Nesthäkchen der Familie, hatte eine enge Beziehung zu ihrem Vater, einem Ingenieur. Der Vater habe sich einen zweiten Sohn gewünscht und sie auch so behandelt, habe mit ihr Fußball und Skat gespielt. Das war ein Grund für ihre „untypische“ Berufswahl – mitsamt dem frühen Interesse an Mathematik und Physik.

Ingenieurinnenbund zählt Neuber zu den „Top 25“ einflussreichsten deutschen Ingenieurinnen

Vor ein paar Monaten wurde die Krefelderin als eine der „Top 25“ der einflussreichsten deutschen Ingenieurinnen vom Deutschen Ingenieurinnenbund (dib) ausgezeichnet. Sie habe sich gefreut, dass damit auch der Mittelstand geehrt wurde und hoffe, dass es vielleicht der einen oder anderen jungen Frau Mut machen kann. Schließlich habe sie unter den Top 25 ja auch einige Vorbilder für sich selbst entdeckt: „Ich ziehe meinen Hut vor Frauen, die arbeiten, Karriere machen, viel Verantwortung übernehmen und dann noch drei bis vier Kinder großziehen.“ Zwar fände sie solche Kolleginnen toll, aber da bei ihr kein Tag dem anderen gliche, habe sie sich bislang gegen Kinder entschieden.

Um den „Nachwuchs“ kümmert sie sich dennoch: Als Mentorin einer jungen Oberärztin im Crossmentoring-Programm von „Innovativ“. Beim Projekt der FH Niederrhein ist Siempelkamp das einzige teilnehmende Industrieunternehmen. Erfahrungen jenseits der eigenen Disziplin reizen Anja Neuber: Es sei doch interessant zu wissen, wie das Thema Führung in einer Klinik behandelt wird? „Ich stelle mir das schon ganz anders vor als bei uns. Aber man hört ja oft genug: Ach, wir haben genau die gleichen Probleme.“     

Ein Beitrag von:

  • Matilda Jordanova-Duda

    Die Schwerpunkte der freien Journalistin sind: Industrie 4.0, Digitalisierung, Existenzgründer, Mittelstand, Energiewende, Firmenportrais, Migration, Bildung.

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