Porträt 05.10.2012, 19:54 Uhr

Marcel Neubert entwickelt Gas-Wärmepumpen für Vaillant

Marcel Neubert ist 34 Jahre alt. Und seit seiner Kindheit beschäftigen ihn Heizungsanlagen. Sein Vater hat einen Installationsbetrieb, der Sohn lernte dort, war Geselle, dann stellte er sich die Sinnfrage: „Soll ich bis zur Rente Heizungen einbauen?“ Heute entwickelt er effiziente Gas-Wärmepumpen und hat zu seinem Ex-Chef ein gutes Verhältnis. Ein Porträt.

Effiziente Gas-Wärmepumpen senken den Heizenergiebedarf deutlich.

Effiziente Gas-Wärmepumpen senken den Heizenergiebedarf deutlich.

Foto: Viessmann

Zehn lange Jahre hat Vaillant an der Entwicklung einer Zeolith-Gas-Wärmepumpe für Ein- und Mehrfamilienhäuser gearbeitet. 2010 brachte sie der Hersteller von Heiz-, Lüftungs- und Klimageräten weltweit als erster auf den Markt. Zeolith ist ein Mineral, das Wasserdampf bindet und sich damit wie ein Schwamm vollsaugt.

Bei der Trocknung des Materials durch einen Gasbrenner tritt das gespeicherte Wasser als Dampf aus, kondensiert und gibt Wärme an das Heizsystem ab. Mit dieser Technik lässt sich gegenüber anderen gasbetriebenen Wärmepumpen ein Drittel Energie und genauso viel CO2-Emissionen einsparen.

Marcel Neubert war bundesweit für die Betreuung von Testanlagen zuständig. „Ich habe mit Gasversorgern geeignete Testobjekte ausgesucht, Handwerker und Gasversorger bei der Planung und dem Einbau der Anlagen unterstützt, gemeinsam mit unserem Service in Betrieb genommen, gewartet und überwacht.“ Der 34-jährige Ingenieur der Versorgungs- und Umwelttechnik versteht sein Handwerk. Aber wäre es gelaufen, wie geplant, wäre er einer der Handwerker gewesen.

Studium der Versorgungs- und Umwelttechnik bringt Marcel Neubert zu Vaillant

Marcel Neubert stammt aus dem Vogtland. In Auerbach, in der Nähe zur tschechischen Grenze auf der einen und Plauen auf der anderen Seite, hat sein Vater einen kleinen Handwerksbetrieb für Haustechnik. Nach dem Abitur hat der Sohn im Betrieb des Vaters eine Lehre zum Zentralheizungs- und Lüftungsbauer angefangen, abgeschlossen und vier Jahre als Geselle gearbeitet. Irgendwann sollte er in die Fußstapfen des Vaters treten. „Ich stand vor der Wahl zwischen Meisterschule und Studium.“ Er suchte und führte das unausweichliche Gespräch mit der Familie, fand Einsicht und begann ein Studium der Versorgungs- und Umwelttechnik an der Berufsakademie Glauchau. Sein Ausbildungsbetrieb war Vaillant. „Im elterlichen Betrieb haben wir fast nur Vaillant-Geräte installiert. Ich kannte mich damit aus, deshalb war es naheliegend, dass ich mich dort bewerbe.“

Vaillant ist europaweit eines der größten Unternehmen der Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik. Es wurde 1874 gegründet, befindet sich in Familienbesitz, die Zentrale ist in Remscheid. In sieben europäischen Ländern und China wird entwickelt und produziert.

Aktuell hat Vaillant rund 12 000 Beschäftigte, 2011 lag der Umsatz bei 2,3 Mrd. €. Das Produktportfolio deckt das gesamte Spektrum moderner Heiztechnik ab – von Solarthermieanlagen, Wärmepumpentechnologien, umweltfreundlichen Hybridsystemen, die fossile und regenerative Energieträger verbinden, und zunehmend dezentralen Kraft-Wärmekopplungsanlagen für die Erzeugung von Wärme und Strom.

Vaillant beschäftigt allein in Deutschland 400 Ingenieure

„Weltweit beschäftigten wir rund 1000 Ingenieure, etwa 400 davon in Deutschland“, sagt Personaldirektor Frank Liebelt. Sie arbeiten insbesondere in Produktentwicklung, Qualitätsmanagement, Produktmanagement und Vertrieb. Das Einstiegsgehalt liege bei rund 45 000 €. In der ersten Jahreshälfte 2012 hat Vaillant schon rund 100 Ingenieure eingestellt und hat weiteren Bedarf.

„Unsere Absolventen gehen weg wie warme Semmeln“, sagt Michael Deichsel, Dekan der Fachbereiche Maschinenbau und Versorgungstechnik an der Hochschule Nürnberg. Seit 1992 gibt es den Studiengang Versorgungstechnik in Nürnberg, entstanden ist er 1992 aus dem Maschinenbau, „weil die Gewerke in der Gebäudetechnik immer spezieller und umfassender wurden“.

Etwa 30 Absolventen schließen jährlich ihr Studium ab – und die haben glänzende Berufsaussichten, vor allem wegen der neuen Anforderungen zur Energieeinsparung und zum Umweltschutz. „Energieeffizienz ist das allumfassende Schlagwort dafür“, so der Professor. Es gehe darum, die vorhandene Energie besser zu nutzen, dadurch weniger zu verbrauchen und somit die Emissionen zu reduzieren. „Wir bilden Ingenieure aus, die in erster Linie Geräte und Systeme für Erzeugung und Verteilung von Wärme, Kälte, Luft und Wasser entwickeln sowie die entsprechenden Anlagen planen und betreiben.“

Im Grundstudium werden die ingenieurwissenschaftlichen Grundlagen vermittelt, beispielsweise in Mathematik, Physik, Mechanik, Werkstoffen, Datenverarbeitung und Elektrotechnik. Dann gehts ans Eingemachte mit Thermodynamik, Fluidtechnik, Heizungs-, Klima-Kältetechnik und Strömungsmaschinen, um einige Vorlesungsthemen zu nennen.

Rund 70 % der Absolventen arbeiten gleich nach ihrem Studium etwa in Planungsbüros, im Facility Management, bei Energieversorgern, in Stadtwerken oder bei Geräte-Herstellern wie Vaillant. Die anderen hängen ein Master-Studium an, etwa in Gebäudetechnik, das die Nürnberger in Kooperation mit der Hochschule München anbieten.

Marcel Neuberts Ziel: Zum Senior-Ingenieur bei Vaillant aufsteigen

Nach Angaben des Professors sind Ingenieure schon sehr erfolgreich in der Energieeffizienz gewesen: Der Energieverbrauch zum Heizen von Gebäuden wurde pro Quadratmeter in den vergangenen 20 Jahren halbiert bis gedrittelt. Allerdings sei im selben Zeitraum die pro Kopf genutzte Wohnfläche ständig gestiegen. „Die größere beheizte Fläche sowie höhere Komfortansprüche haben den Minderverbrauch schlichtweg kompensiert.“ Es gibt also noch viel zu tun für Leute wie Neubert.

„Wir entwickeln die Gaswärmepumpe weiter, mehr darf ich nicht sagen.“ Dass es um Effizienzsteigerung geht, kann sich aber jeder denken. Ob er die richtige Wahl getroffen hat, nicht. „Ja, ich habe mich richtig entschieden“, sagt Neubert. „Mein Job ist abwechslungsreich und anspruchsvoll.“ Von der Konstruktion über den Prototypenbau bis hin zur Serienreife ist er in Projekte eingebunden. „Was ich nicht mag, sind Druckschriften, also Installations- und Bedienungsanleitungen schreiben.“ Ihn interessieren vor allem die Technik und die Entwicklung der Anlagen und gerne würde er es vom Junior- zum Senior-Ingenieur bei Vaillant bringen. Seinen ehemaligen Senior-Chef im Vogtland besucht er regelmäßig.  

Ein Beitrag von:

  • Peter Ilg

    Peter Ilg ist freier Journalist und verfasst Texte über Arbeitsmarkt und Berufe, Mobilität und Fahrberichte, Wirtschaft und Märkte.

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