Karriere 08.10.1999, 17:23 Uhr

Manager wollen mehr Freizeit

Bei vielen Führungskräften hat plötzlich der gern kultivierte Zusammenhang Zeitaufwand und Leistung keine Gültigkeit mehr. Denn nach einer aktuellen VAF-Studie fordern immer mehr Manager freie Zeit für ihre oft überlangen Arbeitszeiten.

Führungskräfte wünschen sich mehr Zeit. Bis vor wenigen Jahren schien für viele Manager aller Ebenen der Wunsch nach freier Zeit unerheblich zu sein. Der Wettbewerb, wer täglich am längsten im Büro ist, wurde zu einem neuen „Betriebssport“. Gerne wurde der enge Zusammenhang zwischen Zeitaufwand und Leistung hervorgehoben. Selbst bei Führungskräften in den Vereinigten Staaten, dem Ursprungsland des Leistungsprinzips, sorgt diese deutsche Art von Arbeitsauffassung bisweilen für Kopfschütteln. Nun scheint sich eine Trendwende abzuzeichnen. Die jährliche Umfrage zur Gehaltsentwicklung des Verbandes Angestellter Führungkräfte e.V. (VAF) in Köln, zeigte bei den 2700 befragten Führungskräften der Deutschen Wirtschaft, daß eine deutliche Mehrheit mehr Zeit haben wolle.
Die Art des Ausgleiches teilt sich in die Lebensarbeitszeit und die regelmäßige Arbeitszeit auf. Wie die Auswertung der Analyse, bei der Mehrfachnennungen möglich waren, ergab, wollen demnach 59 % der Befragten früher in den Ruhestand gehen, 42 % von ihnen wünschen sich Ausgleichstage und 17 % plädieren für einen verlängerten Urlaub.

Spitzenbelastung ist zum Normalfall geworden

Als ein Signal an die Unternehmensleitungen ist der Wunsch nach Gehaltsausgleich bei 44 % und zusätzlichen Sachzuwendungen bei 23 % der Befragten zu interpretieren. „Viele Führungskräfte spüren den deutlichen Zuwachs an Arbeit der letzten Jahre, der aber vielfach nicht ausgeglichen worden ist, vielmehr ist die Arbeitsspitze zum Normalfall geworden“, erläutert Michael Bürger, Rechtsanwalt beim VAF, die Zahlen.
Als ein weiteres und unmißverständliches Signal ist der Wunsch nach organisatorischen Veränderungen zu sehen, für den sich immerhin 29 % der Befragten aussprachen. Bürger: „Dahinter steht, daß die Organisationsstruktur und die Arbeitsbelastung wohl nicht mehr im Einklang zueinander stehen dürften“. Die erhebliche Arbeitsverdichtung in sämtlichen Branchen, die zu erkennen ist, führt dazu, daß das persönliche Gut Zeit eine neue Wertschätzung erfährt. Die immer noch geltende Regelaltersgrenze von 65 Jahren ist längst ein Auslaufmodell“, so Bürger.
„Neu ist aber die Feststellung, daß die Führungskräfte sich selbst mit einer Verkürzung der Lebensarbeitszeit einverstanden erklären“. Vor wenigen Jahren noch hatte erjenige gesellschaftliche Probleme, der mit 59 Jahren tagsüber auf dem Tennisplatz anzutreffen war. Heute muß sich schon häufig derjenige mit 62 Jahren rechtfertigen, der nicht ganztägig über seine Zeit verfügen kann. In der Befragung selbst wurden das Gehaltsniveau, die Zusammensetzung der Vergütung und die wöchentliche Arbeitszeit erfragt sowie die persönlichen Wünsche und Folgerungen erbeten. Gehaltlich betrachtet, stellte sich die Entwicklung der Bezüge sehr moderat dar. Im Mittel fiel sie im Bereich Energie und Umwelt mit 1,6 % am schwächsten aus, den größten Zuwachs verzeichnete die Stahlbranche mit 3,4 %. Auf ähnlichem Niveau liegt die Telekommunikation mit 3,2 %, während Metall und Elektro 2,9 % erreichten und der Bau 2 % verbuchen konnte.
Die Banken, Zuwachs-Spitzenreiter des Jahres 1997, zeigten ein differenziertes Bild. Dort konnten teilweise Einkommens-Zuwächse von bis zu 5 % realisiert werden. Der Durchschnitt lag bei 3 %. „Aber im Bereich des unteren Quartils (25 %-Wert) aller Angaben gab es – nicht nur in Einzelfällen – Nullrunden. „In absoluten Zahlen ergibt sich branchenübergreifend jedoch ein Bild, das als zufriedenstellend bezeichnet werden kann“, kommentiert Bürger. Über die Gesamtbreite der Einkommen nehmen die Banken mit 202 000 DM im Median (er gibt exakt das mittlere aller erfaßten Gehälter an) weiterhin die Spitzenposition ein. Bei der Metall- und Elektroindustrie liegt der Wert in diesem Jahr bei 196 000 DM, Energie und Umwelt folgen mit 180 000 DM vor dem Handel mit 176 000 DM.
Über höhere Einkommen allerdings können sich Geschäftsführer und Vorstände freuen. Denn im Median erreichten zum Beispiel Alleingeschäftsführer Dotierungen von 236 000 DM per annum. Bei einer kaufmännischen Verantwortung lag der Wert dabei mit 260 000 DM niedriger als im technischen Umfeld (245 000 DM).
Der deutliche Unterschied innerhalb der Gruppe der Geschäftsführer und Vorstände ist „in der sehr differenzierten Struktur der Gesellschaften bei den Befragten zu sehen“, so Bürger. „Während bei kleineren Gesellschaften die etwas geringfügig niedriger dotierte Alleingeschäftsführung die Regel ist, trifft auf größere Unternehmen die Ressorttrennung zwischen kaufmännischem und technischem Bereich zu“.
Die gesamte Bandbreite der Geschäftsführergehälter erstreckt sich von 216 000 DM im Median im Handel bis zu Spitzen im oberen Quartil (75 %-Wert) von 470 000 DM bei Metall und Elektro. Bezüglich des generell deutlich höheren Einkommensniveaus für die Vertreter von Organschaften (Vorstände, Geschäftsführer) ist zu sagen, daß dort ganz andere Gesetze und Regelungen zur Anwendung kommen, als bei angestellten Führungskräften. Sie werden als Unternehmer betrachtet und für Schäden wesentlich strenger zur Verantwortung gezogen, als angestellte Führungskräfte. Dies gilt beispielsweise bei Umweltschäden oder Verstößen gegen das neue Insolvenzrecht.
Hoch im Kurs bei allen Führungskräften steht die Überlassung eines Dienstwagens mit privater Nutzungserlaubnis. Während auf der zweiten Führungsebene nur ein Drittel diese Zusatzleistung erhält, sind es auf der ersten Führungsebene schon knapp zwei Drittel. Im Bereich der Geschäftsführung ist der Dienstwagen mit 92 % als „Selbstverständlichkeit“ anzusehen. Im Regelfall wird der Dienstwagen im Anstellungsvertrag zugesagt. Es empfiehlt sich, bereits den genauen Wagentyp festzulegen, bzw. eine Typenklasse.
Da der Dienstwagen nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichtes als Gehaltsbestandteil zu betrachten ist, kann der Arbeitgeber den Wagen nicht einseitig entziehen. Auch dann nicht, wenn die Führungskraft vom Dienst freigestellt worden ist. Wenn der Arbeitgeber den Dienstwagen dennoch vorzeitig zurückverlangt, sollte derjenige, der dieser Forderung nachkommt, in einem Übergabeprotokoll ausdrücklich darauf hinweisen, daß er für die vorzeitige Rückgabe Nutzungsentschädigung geltend macht.

Dienstwagen kann nicht einfach eingezogen werden

Wie wichtig das Thema ist, zeigt eine soeben veröffentliche Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts (BAG) vom 20. Juli dieses Jahres. Danach kann in solchen Fällen der Arbeitnehmer Schadensersatz in Geld, in der Höhe der steuerlichen Bewertung der privaten Nutzungsmöglichkeit (“ 6 Abs. 1, Nr. 9 EstG), verlangen. Wie jede Pauschalierung, so das BAG, mag auch diese auf Bedenken stoßen, doch ist aufgrund der bisherigen steuerrechtlichen Stellungnahmen nicht anzunehmen, „daß der so pauschalierte Gehaltsvorteil zu hoch oder zu niedrig angesetzt ist“, zitiert Bürger. Ausnahmen gelten jedoch dort, wo bereits im Anstellungsvertrag oder einem beigefügten Dienstvertrag ausdrücklich geregelt ist, daß es dem Arbeitgeber vorbehalten bleibt, das Fahrzeug im Falle der Freistellung des Mitarbeiters unverzüglich zurückverlangen zu können.
HERBERT JOKA
Mal die Seele baumeln lassen. Manager arbeiten gerne und viel, doch der früheren Selbstlosigkeit ist der Wunsch nach mehr Freizeit gewichen.
Mehr freie Zeit wollen auch die Führungskräfte im Top-Management. Immerhin 67 % der Vorstände und Geschäftsführer träumen von einer längeren Lebensarbeitszeit. Ein höheres Gehalt folgt mit Abstand an zweiter Stelle.

Von Herbert Joka
Von Herbert Joka

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