Mädchenförderung 29.07.2011, 12:08 Uhr

„Mädchen erwünscht“: Mädchen für Technik begeistern

Stereotype Verhaltensmuster und Berufsbilder zu ändern, braucht Zeit. Oft werden bei Aktionen wichtige Erfolgskriterien nicht beachtet. Sollen Mädchen für Technik begeistert werden, muss auch auf ihre Bedürfnisse eingegangen werden.

Einen typischen Frauenberuf hatten die Zwillingsschwestern Rebecca und Ricarda Kreis im Visier. Hotelkauffrau wollten sie werden, entschieden sich nach einem Praktikum in diesem Bereich aber dagegen. Auf die richtige Spur brachte sie schließlich ein Praktikum beim Automobilzulieferer Keiper im rheinland-pfälzischen Rockenhausen.

Mittlerweile lernen sie im dritten Lehrjahr den Beruf der Elektronikerin für Betriebstechnik. „Das ist gar nicht so schwer, wie sich mancher das vorstellt“, stellt Rebecca Kreis fest. Klar sei ein gewisses Interesse Voraussetzung, aber so manche Hürde werde überbewertet. „Mit einer guten Drei in Mathe ist das durchaus zu schaffen.“

Mädchen wollen umworben werden, wenn es um Technikberufe geht

Darauf zu warten, dass Mädchen sich bewerben, ist vergebens, weiß Keiper-Ausbildungsleiter Uwe Schwab. „Man muss etwas tun. Wenn man zeigt, wie die Arbeitsplätze konkret aussehen und welche Möglichkeiten man mit einer solchen Ausbildung hat, kann es funktionieren.“ Rund 12 % der insgesamt 118 Lehrlinge im gewerblich-technischen Bereich sind bei Keiper weiblich. Der Automobilzulieferer liegt damit relativ gut im Rennen. Über alle M+E-Berufe gesehen lag 2009 der Anteil weiblicher Auszubildender bei knapp 7 % (Statistisches Bundesamt), wobei der Beruf des Elektronikers für Geräte und Systeme mit gut 8 % am besten punktete. Für den Metallbauer konnte sich nur 1 % begeistern.

Trotz Girls’Day, Schülerpraktika, Schnuppertagen: Sobald es konkret wird, bleiben gewerblich-technische Berufe jenseits der Augenoptikerin oder Zahntechnikerin bei Haupt- oder Realschülerinnen außen vor. Andererseits werden aber auch sie selbst bei der Öffentlichkeitsarbeit der Verbände und in den zahlreichen Mint-Initiativen eher stiefmütterlich behandelt.

Unter Überschriften wie „Gefragt, begehrt, gesucht“ bleibt das Thema meist auf den künftigen Akademikerinnennachwuchs beschränkt. Konsequenz: Wer hier nicht mithalten will oder kann, fühlt sich auch nicht angesprochen. „Der Mint-Begriff wird sehr eng gefasst“, bestätigt Claudia Quaiser-Pohl, Psychologieprofessorin an der Universität Koblenz-Landau und wissenschaftliche Leiterin des Ada-Lovelace-Projekts eines rheinland-pfälzischen Mentoring-Netzwerks für Frauen in Mint.

20 % aller Mädchen sind „begabt und latent interessiert“

Stereotype Berufsbilder und Muster bei der Berufswahl zu ändern, braucht Zeit und die Bereitschaft der Verbände und Unternehmen, sich wirklich einzulassen auf das aus tradierter Sicht „falsche Geschlecht“. Ein noch immer zu wenig genutzter Ansatz, um die auf rund 20 % geschätzte Mädchenzielgruppe, „begabt und latent interessiert“, nicht schon im Vorfeld abzuschrecken, liegt bei den Berufsbezeichnungen. „Sobald man einen Beruf umbenannt hat, etwa aus dem Schriftsetzer der Mediendesigner wurde, erhöhte sich auch der Frauenanteil. Als umgekehrt aus dem mathematisch-technischen Assistent der Fachinformatiker wurde, sank er von 60 % auf 20 %“, verweist Quaiser-Pohl auf entsprechende Erfahrungswerte.

Fehler werden allzu oft aber auch noch bei den für Mädchen konzipierten Aktionen und Angeboten gemacht. Die verbale Aussage „Mädchen erwünscht“ verkehrt sich schnell ins Gegenteil, wenn im Rahmen von Girls’Day oder Schnuppertagen Übungsaufgaben oder die dafür zur Verfügung stehenden Arbeitsmittel eine ganz andere Sprache sprechen, von der Gestik und Mimik des Ausbilders ganz zu schweigen.

Für kleinere Hände ungeeignete Werkzeuge, Handschuhe in Männergröße elf statt der für weibliche Hände angemessenen Größe acht, abschreckende Maße etwa in Form überdimensionierter Schaltschränke, eine Mädchen wenig ansprechende Aufgabengestaltung – allzu oft hapert es schon bei den Grundkriterien, beobachtet Karin Ressel. „Mädchen wollen den Anwendungsnutzen einer Aufgabe verstehen, damit sie die Aufgabe interessant finden. Und sie mögen den Begriff ,Technik‘ nicht“, weiß die Gründerin und Geschäftsführerin des Technikzentrums Minden-Lübbekke.

Berufsparcours heißt das von ihr entwickelte anwendungsorientierte Konzept, mit dem sie Jugendlichen beiderlei Geschlechts Ausbildungsperspektiven im gewerblich-technischen Bereich aufzeigt und die Entscheidungsfindung bei der Berufswahl erleichtern will.

Zum Einsatz kommt es bundesweit in Schulen, auf Bildungsmessen oder bei Firmenveranstaltungen. So können bei Schulveranstaltungen maximal 300 Schüler rund 20 auf einzelne Stationen verteilte Berufe praktisch kennenlernen. Sind Firmen beteiligt, wird das Spektrum entsprechend ausgerichtet.

VW Nutzfahrzeuge will mehr Mädchen und Frauen in gewerblich-technischen Berufen

Auch bei VW Nutzfahrzeuge in Hannover gehört der Berufsparcours mittlerweile zur Aktivitätenliste. Seit 20 Jahren ist hier die Erhöhung des Frauenanteils in gewerblich-technischen Berufen Thema, wird das Interesse mit weiblichen Azubis klar kommuniziert und jenseits des obligatorischen Girls’Day oder der seit drei Jahren durchgeführten intensiveren Berufsorientierungswoche ständig an neuen Ideen gefeilt.

So wurde das diesjährige 100-jährige Jubiläum des internationalen Frauentags durch einen unter dem Motto „Frauen geben Gas“ stehenden Aktionstag begangen. 100 Töchter von Mitarbeiterinnen wurden eingeladen, sich über die im Werk angebotenen 14 Ausbildungsberufe zu informieren und diese via Berufsparcours selbst auszutesten.

Die in Teilen umgesetzte aktuell anstehende Überarbeitung der im Internet veröffentlichten Berufsbeschreibungen zielt indes nicht nur auf den weiblichen Nachwuchs. „Die Angebote sind so unspezifisch, dass selbst Jungen sich nichts darunter vorstellen können“, erklärt Erika Sündermann, Gleichstellungsbeauftragte am Standort Hannover.

Gedreht werden soll auch eine Stellschraube ganz anderer Art. „Man muss an die Ausbilder ran. Wir müssen viel mehr Ausbilderinnen einstellen, sprich weiterentwickeln. Jüngere denken hier schon anders, aber einen gestandenen Ausbilder umzupolen, ist zum Scheitern verurteilt“, sagt Sündermann. Die aktuelle Quote von rund 20 % weiblicher Azubis in Hannover ist dabei so schlecht nicht. 

Ein Beitrag von:

  • Herta Paulus

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