Karriere 30.07.2010, 19:48 Uhr

„Lieber Fülldrähte verkaufen als Lippenstifte“

Ines Kolmsee, Vorstandsvorsitzende von SKW Metallurgie, hat sich erfolgreich in einer Männerdomäne durchgesetzt. Von Glamour und Starallüren hält sie nichts. Sie setzt auf harte Arbeit und die Fähigkeit, sich mit Widerständen auseinanderzusetzen. Wer etwas erreichen wolle, solle „sich ins Getümmel schmeißen, dahin gehen, wo sich nicht jeder hin traut“.

Am Abend wird Ines Kolmsee nach Brasilien fliegen, eine Reise von anderthalb Tagen, die ihr fünf Stunden Zeitverschiebung einbringt. Wichtige Verträge müssen ausgehandelt und unterschrieben werden, 150 Mitarbeiter warten auf ihre Chefin. In vier Tagen will sie wieder zurück sein.

Das ist nichts, das die die Vorstandsvorsitzende von SKW Metallurgie aus der Ruhe bringt. Ihre Stimme bleibt sanft und freundlich, Vorfreude ist zu spüren, eher so, als ginge es gleich in den Urlaub. Kaum zu glauben, dass sie als einzige Frau einem im SDAX notierten Spezialchemiekonzern vorsteht, mit einem Umsatz von mehr als 220 Mio. € im vergangenen Jahr. Ines Kolmsee versteht sich als Profi ohne Starallüren. Es bedarf keiner langen Gespräche, um ihr das abzunehmen.

Mut, Fähigkeit und Glück, wird die 40-Jährige später sagen, waren die entscheidenden Bausteine, um so weit zu kommen. „Fähigkeit, um den Job, den man gerade hat, gut auszufüllen. Mut, um Gelegenheiten zu ergreifen. Und Glück, dass sich diese Gelegenheiten überhaupt ergeben haben.“

Aufgewachsen in Hamburg, wollte sie ursprünglich Physik studieren, empfand das Fach dann doch als zu theoretisch und schwenkte auf Energie- und Verfahrenstechnik um. Ob ihr Stiefvater, ebenfalls Ingenieur, ein Vorbild war, verrät sie nicht, so wie sie bei allem Privaten höchst einsilbig wird.

Nein, über ihre Familie wolle sie nicht sprechen, stellt sie klar. Keine Geschichten darüber, wie sie und ihr Mann, ebenfalls ein selbstständiger Unternehmer, den Alltag managen mit drei Kindern, bei starren Kindergartenzeiten und fehlenden Krippenplätzen. Wenig über private Träume, höchstens den, „dass ich meine Tomaten über den Sommer bringe“. Kein Wort über das Leben im beschaulichen Tutzing am Starnberger See, in dem auch der Fernsehpfarrer Jürgen Fliege und Moderator Michael Schanze leben und wo der Sänger Peter Maffay Ehrenbürger ist.

„Wir wollen sie nicht als Celebrity aufbauen“, sagt Christian Schunck, Pressesprecher der im oberbayerischen Unterneukirchen beheimateten SKW Metallurgie, weshalb sie auch Frauenzeitschriften keine Interviews mehr gibt. Zu einseitig, zu oberflächlich, zu wenig an der Sache orientiert – das erträgt Ines Kolmsee nicht, schon gar nicht, wenn es um ihre Person geht. Sie will als erfolgreiche Fach- und Geschäftsfrau wahrgenommen werden, die keine Konflikte und Schwierigkeiten scheut. Fast scheint es, als wäre schon der Zusatz „-frau“ zu viel. Gäbe es ein Wort für Geschäftsleute im Singular, frei von einer geschlechtlichen Kennzeichnung, würde sie sich vermutlich so benennen.

Ines Kolmsee studierte in Berlin und an der Elitehochschule für Ingenieure École des Mines in St. Etienne. Nach Stationen bei einem IT-Start-up, einem Beratungsunternehmen und verschiedenen Telekommunikationsanbietern kam Ines Kolmsee 2003 als Finanzchefin zur Starnberger Beteiligungsgesellschaft Arques. Dort sanierte sie die ehemalige Degussa-Tochter SKW Metallurgie, brachte sie an die Börse und verließ Arques, um bei dem Stahlzulieferer zu bleiben.

Seither kümmert sie sich darum, das Geschäft für die Herstellung von Fülldrähten und Zusatzstoffen für die Roheisenentschwefelung auszubauen. Was nicht schlecht zu gelingen scheint. Zwar brach das Geschäft Ende 2008 im Zuge der Finanzkrise um 50 % ein, erholte sich aber bereits im dritten Quartal 2009. Die Financial Times Deutschland kürte sie dafür im Oktober 2009 zur „Managerin des Jahres“.

Ein einfacher Weg ist es nicht, als Frau in einem Männergeschäft. Sie hat sich durchsetzen müssen gegen Mobbingversuche männlicher Kollegen, die ihre Führungsfähigkeit infrage stellten, als sie hochschwanger war. Das größte Problem mit Frauen in Führungspositionen hätten vor allem die deutschen Männer, sagt sie. In Südostasien werde ein Chef grundsätzlich nicht infrage gestellt, in Frankreich halfen ihr ausgezeichnete Sprachkenntnisse und das Diplom der französischen Hochschule. Auseinandersetzungen handelt sie mit sportlichem Ehrgeiz ab: „Wenn man es nicht schafft, gegen Widerstände vorzugehen, hat man am Ende des Tages die Position auch nicht verdient“, findet sie.

Solche Konsequenz ist nicht unbedingt jedermanns Sache. Frauen, die sich von solchen Aussichten aber nicht abschrecken lassen und womöglich eine ähnliche Karriere anstreben, rät sie sogar, „sich ins Getümmel zu schmeißen, dahin zu gehen, wo sich nicht jeder hin traut. Da liegen die größten Chancen.“ Der Erfolg scheint ihr Recht zu geben: Im kommenden Jahr läuft Kolmsees Vertrag aus, der Aufsichtsrat hat bereits Verlängerung signalisiert.

Dass Frauen nicht gerade in Massen Ingenieurinnen werden und sich als solche leitende Positionen erkämpfen, hat Ines Kolmsee bemerkt. Verstehen kann sie das aber nicht. „Natürlich ist das eine sehr technische Branche. Ich kann trotzdem nicht ganz nachvollziehen, warum sich so wenige dafür begeistern. Ich persönlich finde, dass es wesentlich weniger sexy ist, Lippenstifte zu verkaufen als Fülldrähte.“ SAPHIR ROBERT

Von Saphir Robert
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