Trotz Skandalen 08.03.2013, 22:00 Uhr

Leiharbeit: Weniger Geld, trotzdem zufrieden

Arbeitnehmerüberlassung und Entsendung gehören mittlerweile auch zum Berufsalltag von Ingenieuren, Technikern und IT-Experten. In der Regel arbeiten die Betroffenen länger als die Stammbelegschaft, und das für weniger Geld, hat die Hans-Böckler-Stiftung jetzt in einer Studie herausgefunden. Unzufriedener sind sie dennoch nicht.

„Unsere Untersuchung zeigt deutliche Benachteiligungen von Ingenieuren, IT-Kräften und Technikern und damit auch konkrete Ansatzpunkte zur Verbesserung der Arbeits- und Einkommensbedingungen“, erklärt Reinhard Bispinck, Tarif-Experte des zur Hans-Böckler-Stiftung gehörenden Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in Düsseldorf.

Die Online-Befragung von rund 1400 Ingenieuren, Technikern und IT-Spezialisten, die das Institut im Rahmen des Projekts „LohnSpiegel“, durchführte, ergibt ein klares Einkommensgefälle. Leiharbeiter verdienen danach deutlich weniger als die fest angestellten Beschäftigten, aber auch im Vergleich zu denen, die von ihren Arbeitgebern in anderen Firmen eingesetzt sind.

Lohnabstand liegt bei 18 Prozent

Bei den Ingenieuren beträgt der Gehaltsabstand der Leiharbeiter zu den Stammkräften nach Bispincks Angaben 18,4 %, bei den Technikern 18,5 % und bei EDV- und IT-Berufen 22,1 % (siehe Grafik). Leiharbeiter und Angehörige von Fremdfirmen bekommen zudem seltener Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld oder Gewinnbeteiligungen.

Bei den hoch qualifizierten Leiharbeitern jedoch bliebe es bei einem Gehaltsrückstand von rund einem Fünftel gegenüber den Stammbeschäftigten, selbst wenn das verleihende Unternehmen nach Tarif zahle. In dieser Gruppe ist auch die Zufriedenheit mit der Bezahlung am geringsten: 44 % der Leiharbeitsbeschäftigten seien mit ihrem Gehalt weniger oder gar nicht zufrieden, so die Expertise.

Die Unterschiede beim Gehalt führt Bispinck zum Teil darauf zurück, dass unter den Leiharbeiten und auch bei den Entsandten mehr junge Menschen mit weniger Berufserfahrung im Einsatz sind. Das erkläre aber nicht die gesamte Gehaltsdifferenz, so Bispinck. Wichtig sei auch die Tarifbindung. So verdienen Stammbeschäftigte und Arbeitnehmer im Fremdeinsatz monatlich zwischen 150 € und 900 € mehr als Beschäftigte ohne Tarifbindung.

Arbeitszeit ist länger als tariflich vereinbart

Dagegen würden Leiharbeiter nicht von Tarifverträgen profitieren. Das könne nach Einschätzung von Bispinck seinen Grund darin haben, dass das Gehaltsniveau in Tarifverträgen für Leiharbeiter niedriger ist als in Branchentarifverträgen. Auch ist die tatsächliche Arbeitszeit von Ingenieuren, IT-Spezialisten und Technikern, die als Leiharbeiter oder im Fremdfirmeneinsatz tätig sind, länger als die vertraglich vereinbarte.

58 % der Befragten hatten eine vertragliche Arbeitszeit von 39 bis 40 Stunden in der Woche, tatsächlich haben aber nur 27 % diese Grenze eingehalten. Ein Drittel gab an, 41 bis 45 Stunden zu arbeiten, 16 % sogar zwischen 46 und 50 Stunden. Dennoch sind nach den Ergebnissen der Online-Befragung sowohl diejenigen, die für Fremdfirmen im Einsatz sind, als auch die Leiharbeitsbeschäftigten mit ihrer Arbeit relativ zufrieden.

Gravierende Unterschiede zum Stammpersonal gibt es hier offensichtlich nicht. Auf einer Skala von 1, das heißt „überhaupt nicht zufrieden“, bis 5 für „in jeder Hinsicht zufrieden“ lagen die Leiharbeiter bei einem Wert von 3,4, die beiden anderen Gruppen sogar bei 3,6. Zum Vergleich: Der Mittelwert für alle 1400 befragten Beschäftigten liegt bei 3,4. Das, was man üblicherweise mit Leiharbeit verbinde – Dumping-Löhne und schlecht qualifizierte Tätigkeiten – treffe bezogen auf Ingenieure, Techniker und IT-Fachleute offenbar nicht zu, folgert Bispinck aus den Zufriedenheitswerten.

Im EDV- und IT-Sektor verdienten Entsandte zum Teil sogar mehr als die fest angestellten Beschäftigten – natürlich auch, weil sie nur immer für einen kurzen Zeitraum engagiert würden. Zudem handele es sich um Aufträge und Arbeiten, die die Betroffenen inhaltlich durchaus zufriedenstellten. „Leiharbeit ist nicht gleich Leiharbeit“, resümiert Bispinck.

 

Von Jutta Witte/Hartmut Steiger

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