Arbeitsmarkt 28.09.2001, 17:31 Uhr

Kreativität ist keine Frage des Alters

Nach einer aktuellen Studie der Bundesanstalt für Arbeit stehen ältere Arbeitnehmer ab 50 Jahren vor allem bei kleineren Unternehmen nicht hoch im Kurs. Ein Fehler, wie viele Beispiele zeigen, denn die Leistungsfähigkeit der Älteren wird von Experten genau so hoch eingestuft wie die ihrer jüngeren Kollegen.

Fast 60 % der deutschen Unternehmen – vornehmlich die kleineren Firmen – beschäftigen keine Mitarbeiter mehr, die älter als 50 Jahre sind. Die übrigen 40 % sind allerdings sehr zufrieden mit den über 50-Jährigen. Die Bundesanstalt für Arbeit (BA) warnt derweil vor einer Lücke bei qualifizierten Arbeitnehmern. Für die Stellenvermittler ist nämlich „Kreativität, Engagement und Kompetenz keine Frage des Alters“. Daher legte die BA das Programm „50plus – die können es“ auf.

Es sind vor allem kleinere Betriebe, die keine Mitarbeiter mehr beschäftigen, die älter als 50 Jahre sind. Das hat Ute Leber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Nürnberg, festgestellt. „Die gut 40 % der Betriebe, die Erfahrungen mit über 50-Jährigen haben, binden etwa drei Viertel aller Beschäftigten“, präzisiert sie ihre Studie, die für die Bundesanstalt für Arbeit gefertigt wurde. „In Betrieben, die keine älteren Mitarbeiter beschäftigen, arbeitet dagegen nur rund ein Viertel aller Beschäftigten.“

Wie wichtig ältere Mitarbeiter sind, zeigt folgendes Beispiel: Mehr als 120 Mitarbeiter beschäftigt das rui-Institut im Dortmunder Technologie-Park. Dort setzt Herbert Ruppert, der geschäftsführende Gesellschafter, auf die Kompetenz älterer Mitarbeiter, obwohl seine Firma erst zehn Jahre alt ist. Er hat fünf Ingenieure auf Vermittlung des Arbeitsamts eingestellt, die alle zwischen 52 und 55 Jahren alt sind. Die fünf arbeiten zusammen in Teams mit Jüngeren.

Das rui-Institut beschäftigt sich mit Optimierungsmanagement in der Kfz-Branche. „Heute geht in Europa kein Auto vom Band, an dem wir nicht beteiligt waren“, erklärt Ruppert. Autohersteller aus ganz Europa schicken Autoteile in den Dortmunder Technologiepark, damit diese von rui auf ihre Qualität getestet werden. Gleichzeitig wird geprüft, ob bei der Herstellung der Teile Kosten gespart werden können. Mit fünf Mitarbeitern startete rui vor zehn Jahren, bald stieß das Institut an personelle Grenzen. Da waren dann die gestandenen Ingenieure, die zum Teil aus der Arbeitslosigkeit kamen, gefragt. Herbert Ruppert könnte weitere ältere Fachleute einstellen – wer jedoch aus der Arbeitslosigkeit kommt, und wer eine „nahtlose“ berufliche Biografie vorzuweisen hat, will er nicht sagen. Noch immer ist eine Phase der Beschäftigungslosigkeit, auch wenn sie unverschuldet ist, für viele Kunden ein Makel.

Kompetenz und ein hoher Erfahrungsschatz – das spricht für die über 50-jährigen Mitarbeiter. Daneben haben Ältere weitere Qualitäten die Bundesanstalt für Arbeit kämpft mit Hilfe von Statistiken gegen „populäre Vorurteile“ an, denen ältere Mitarbeiter ausgesetzt sind. So hätten Studien ergeben, dass die Leistungsfähigkeit bis zum 50. Lebensjahr zunimmt, kognitive Fähigkeiten und logisches Denkvermögen bis zum 60. Lebensjahr unverändert bleiben und die Lernbereitschaft bei entsprechender Motivation genauso groß ist wie bei jüngeren Menschen. Verändertes Ernährungsverhalten, Fortschritte in der Medizin, ein stärkeres Gesundheitsbewusstsein, aber auch der Rückgang der körperlichen Beanspruchung in vielen Berufen hätten dafür gesorgt, dass heute ein Großteil der Bevölkerung bis ins hohe Lebensalter aktiv sei. Soziale Kompetenz, Menschen- und Branchenkenntnis, das Beherrschen der kommunikativen Infrastruktur im Betrieb seien besondere Stärken der „Alten“.

Das Arbeitsamt hat vor allem die demographische Entwicklung im Auge, wenn es jetzt das Potenzial der lebensälteren Männer und Frauen aktiviert. Waren im vergangenen Jahr noch 35,2 % der Bevölkerung 50 Jahre und älter, so steigt ihr Anteil in den kommenden 20 Jahren um 10 %-Punkte auf dann über 45 %. „Ein Schatz muss gehoben werden“, so Ute Leber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Sie berichtet, dass rund 75 % der Betriebe, die Menschen von 50 Jahren und älter beschäftigen, diese als genauso leistungsfähig einschätzen wie die jüngeren Kollegen. Etwas schlechter sehe dagegen die betriebliche Einschätzung aus, wenn es um die Bereitschaft und Fähigkeit dieser Gruppe gehe, sich auf neue Entwicklungen und Anforderungen einzustellen. Dafür jedoch gibt es gute Gründe: Ältere Mitarbeiter nehmen häufig nicht an Fortbildungen teil. Damit bringen sie sich – oder ihre Betrieb sie – um Chancen, auf dem Laufenden zu bleiben.

MARTIN ROTHENBERG

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