Arbeitsmarkt 25.03.2005, 18:37 Uhr

Kommt es zu einem Konflikt der Generationen?  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 24. 3. 05 – Die sozialpolitische Konfliktlinie läuft nicht zwischen, sondern innerhalb der Generationen, so der Ökonom und Theologe Friedhelm Hengsbach. Sie lasse sich nicht allein an Einkommen und Vermögen festmachen, sondern auch an der Verteilung der Erwerbsarbeit. Die öffentliche Armut gefährde die Perspektiven junger Menschen.

Die Alten sollten den Löffel abgeben, meinte kürzlich der liberale Jungpolitiker Jan Dittrich. Die provozierend-freche Äußerung kostete ihn zwar seine politischen Ämter, doch das Thema steht seither wieder auf der Tagesordnung: Steht Deutschland vor einem Generationenkonflikt, weil die Alten auf Kosten der Jungen leben?

Auf den ersten Blick scheint Dittrich Recht zu haben. Noch nie in der Geschichte Deutschlands gab es so viel wohlhabende Ruheständler, während zugleich, so der jüngste Reichtums- und Armutsbericht der Bundesregierung, die Zahl der jungen Familien, die von Armut bedroht sind, steigt. Die demographische Entwicklung könnte dieses Problem noch verschärfen, weil künftig weniger Junge immer mehr Alte alimentieren müssten. Und zudem beschneide die Verschuldung der öffentlichen Haushalte den finanziellen Handlungsspielraum künftiger Generationen, weshalb Bund, Länder und Gemeinden einen strikten Sparkurs fahren müssten.

Ist der Generationenkonflikt zu vermeiden? Nach Ansicht des Wirtschaftswissenschaftlers und Theologen Friedhelm Hengsbach von der Kirchlichen Hochschule St. Georgen in Frankfurt am Main, werde dieser Konflikt überbewertet, die Diskussion darüber sei geprägt von „Fehlschlüssen“.

Wer in der Staatsverschuldung eine grundsätzliche Benachteiligung der Jüngeren gegenüber den Älteren erkennt, der übersehe, dass der öffentlichen Verschuldung ein Geldvermögen der privaten Haushalte entspreche, relativiert Hengsbach. Da Bund, Länder und Gemeinden vor allem bei ihren eigenen Bürgern in der Kreide ständen, flössen die Zinseinnahmen aus öffentlichen Schuldtiteln in die Hände der Bundesbürger – überwiegend in die Händer derer, die schon vermögend sind.

Ähnlich bei den Erbschaften: Wenn in den nächsten Jahren die Aufbaugeneration der Nachkriegszeit in den Ruhestand tritt, werden große Vermögen übertragen. Davon profitiere auch die nachwachsende Generation. Die sozialpolitische Konfliktlinie, so Hengsbach weiter, verlaufe nicht zwischen, sondern innerhalb der Generationen. Und sie lasse sich nicht nur festmachen an Einkommen und Vermögen, sondern auch an der Verteilung der Erwerbsarbeit und damit der Lebenschancen.

Beschnitten würden die Perspektiven der jüngeren Generationen derzeit durch die öffentliche Armut – dem Gegenstück zum privaten Reichtum, so Hengsbach. Weil dringend nötige Investitionen, z. B. für Bildung, Infrastruktur oder Umweltschutz, nicht getätigt würden, bliebe auch der „Sog auf private Investitionen“, der die Arbeitslosigkeit abbauen und Kaufkraft stärken könnte, aus.

Als Hindernis auf dem Weg zu mehr Gerechtigkeit zwischen den Generationen gilt die umlagefinanzierte Rente. Sie werde in der öffentlichen Debatte, so der Wirtschaftswissenschaftler Norbert Reuter, als nicht zukunftstauglich kritisiert, weil sie die Jungen über Gebühr belaste.

„Von einer künftigen Verdoppelung der Alterslast kann nicht gesprochen werden“, meint Reuter, ohne die demografischen Probleme leugnen zu wollen. Schon heute stehen nur 2,7 Erwerbstätige einem Rentner gegenüber. Den Grund für dieses schlechte Verhältnis sieht Reuter, der in Abteilung Wirtschaftspolitik der Dienstleistungsgesellschaft Verdi arbeitet und Privatdozent an der RWTH Aachen ist, in der hohen Arbeitslosigkeit. Hätten alle, die im Jahr 2003 arbeiten wollten, auch Arbeit gefunden, dann wären 7,9 Mio. Frauen und Männer zusätzlich beschäftigt gewesen und die Belastung der Erwerbstätigen mit Rentenbeiträgen wäre geringer gewesen.

Nicht die Alterung der Gesellschaft sei das größere Problem, sondern die hohe Arbeitslosigkeit, meint Reuter. Sollte es gelingen, bis 2010 die Erwerbslosigkeit abzubauen, dann würde sich das Verhältnis zwischen Erwerbstätigen und Rentnern gegenüber heute sogar leicht verbessern und erst im Jahr 2015 unter das Niveau des Jahres 2003 fallen. Bis 2050 müssten dann 1,6 Erwerbstätige einen Rentner versorgen. Danach würde sich die Situation entschärfen, weil dann die geburtenschwachen Jahrgänge ins Rentenalter kämen. Selbst wenn die Arbeitslosigkeit nicht reduziert würde, käme es auch nach 2015 zu keiner höheren Belastung durch die Alterung, so Reuter. Der Grund: das Wachstum der Produktivität. Bei einer jährlichen Produktivitätserhöhung von 1,5 % würde das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf bis 2050 um 75 % auf 45 150 € steigen. Sollte die Arbeitslosigkeit geringer ausfallen, wäre das Wachstum des BIP pro Kopf noch größer.

Die demografischen Probleme seien bei entsprechendem Wirtschaftswachstum zu verkraften, ist Reuter überzeugt. Voraussetzung dafür sei aber, dass die Produktivitätsgewinne in Form höherer Löhne bei den Erwerbstätigen ankämen. In der demografischen Entwicklung spiegele sich daher auch nicht ein Konflikt zwischen den Generationen, sondern ein Verteilungsproblem. has

Arbeitslosigkeit ist das größere Problem

Von Hartmut Steiger
Von Hartmut Steiger

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