Karriere 06.10.2000, 17:26 Uhr

Kleiner Flirt nach Feierabend

Vom Bürosessel ohne große Umwege in den Feierabend-Rummel – die After Work Parties machen´s möglich.

Einen deutschen Meister wird es in dieser Sportart nie geben. Vielleicht deshalb, weil sich ihre Ergebnisse so schlecht in Rekorden und Platzierungen messen lassen. Oder vielleicht, weil „Queueing“ sich nur als Breitensportart eignet und es für den Beobachter an Dynamik und Spielwitz fehlt – und es somit als medienwirksame Unterhaltung nur mäßigen Zuspruch verspricht.
Leidenschaftliche „Schlangesteher“ (queue = Schlange, Reihe) haben jetzt ein besonders lohnendes Objekt entdeckt: die After Work Parties. „Egal, ob brennende Sonne oder Nieselregen – das Queueing gehört für viele unserer Gäste genauso zum Abend wie das anschließende Bier oder das Abtanzen“, erklärt Rainer Wengenroth, Mitinhaber und Geschäftsführer des „MK 2“. Der Düsseldorfer-Szene-Treff im Medienzentrum am Hafen ist jeden Dienstag ab 18 Uhr gerammelt voll. Rund 1500 Gäste demonstrieren eindrucksvoll für das Recht, nicht mehr bis zum Wochenende auf ihr Freizeitvergnügen warten zu wollen. Im „5 nach 6 Club“ sind alle gleich: Der Geschäftsführer schlüpft aus der Rolle des Vorgesetzten und darf hier endlich auch einmal ganz Mensch sein der Praktikant flirtet mit der attraktiven Sekretärin des Chefs – innerhalb der Bürowände eine Todsünde.
Das Bedürfnis der Bürobelegschaften aus der Werbe-, Börsen- und vor allem auch der Multimedia-Branche, direkt nach der Arbeit „noch einmal auf die Piste zu gehen“, haben sich inzwischen viele Cafés, Bars, Kneipen oder Diskotheken bundesweit zunutze gemacht. Wengenroth: „Leute, die unter großem Stress stehen, können es sich doch gar nicht leisten, nach 22 Uhr noch in die Diskothek zu gehen.“ Herübergeschwappt ist die Welle der neuen Feierabendgestaltung aus den USA, seinen Ursprung hat sie in Großbritannien. „Dort schließen die Pubs in der Regel um 23 Uhr. Wer sich also einen langen Kneipenabend gönnen will, steht unmittelbar nach der Arbeit am Tresen oder auf der Tanzfläche“, sagt Wengenroth.
Da sich eine Hamburger Agentur die Rechte an dem Namen „After Work Club“ sicherte, nennen sich die zahllosen Orte frühabendlicher Vergnügungen jetzt „5 nach 6-Club“, „Sunset Club“ oder „Nach-der-Arbeit-Club“. Am Spaß ändert das nichts. „Das fängt beim Queueing an, wenn schon vor Betreten unseres Clubs die ersten Kontakte geknüpft werden“, erzählt Wengenroth. Je länger das Queueing, desto größer also die Chance, schon vor den ersten Tanzschritten einen netten Menschen – vorzugsweise natürlich des anderen Geschlechts – kennen zu lernen. „Natürlich ist das hier auch so etwas wie eine Kontaktbörse“, gesteht Wengenroth. Aber Baggern – nach dem Motto „Make love not work“ -, Longdrinks schlürfen oder nach House-Rhythmen „abzappeln“ sind nicht die einzigen Möglichkeiten, den Feier-Abend zu gestalten. Junge Selbständige nehmen die Arbeit zuweilen auch mit an die Theke. „Vieles lässt sich hier eben zwangloser regeln als im Konferenzzimmer“, hat Dipl.-Ing. Rüdiger Groba festgestellt, der seine Kunden gerne auf einen Drink ins MK 2 einlädt.
Aber es sind nicht nur die schönen „Young urban professionals“, die sich für den Abend in Schale werfen. „Das Publikum ist gemischter als anderen Tagen“, sagt Theo Ekizoglou, Geschäftsführer im „The Room“, schräg gegenüber vom MK 2. „Der Schwerpunkt liegt bei 25 bis 35 Jahren, es sind aber auch Gäste über 50 darunter.“ Am Wochenende ginge es lauter zu als am Donnerstag, wenn der Club zur After Work-Fete lädt. Ein bisschen gedämpfter House, ein wenig Latin und immer wieder einige „Classics“ – für alle ist etwas dabei. So unterschiedlich der Musikgeschmack, so einheitlich die Sprache. „Die Leute kommen aus dem Businessbereich, sind Banker, Werbeleute oder sie haben irgendwie mit neuen Technologien zu tun“, weiß Ekizoglou.
Wie aber steht es mit der Arbeitsmoral? Wer um 18 Uhr im Club sein will, muss spätestens um 17.30 Uhr den PC abschalten.Und wer bis zum bitteren Ende den Trink.spruch „Einer geht noch rein“ beherzigt, wird sich am folgenden Tag für einen der beiden verschwommenen Bildschirme entscheiden müssen. „Bis jetzt haben wir keine Probleme“, meint Oliver Suhre von der Düsseldorfer Multimedia-Agentur BBDO Interactive. „Uns ist es egal, was die Angestellten in ihrer Freizeit machen. Ob sie nun Sport treiben oder auf die Pauke hauen – sie müssen am nächsten Tag nur wieder fit sein.“ Da einige seiner Mitarbeiter aus der weiteren Umgebung zur Arbeit nach Düsseldorf kommen, hat Suhre großes Verständnis für den Wunsch, sich nicht erst nach einstündiger Heimfahrt ins Feierabend-Geschehen stürzen zu müssen. „Außerdem treffen unsere Mitarbeiter hier Gleichgesinnte aus anderen Büros. Das ist eine gute Alternative zu den zahlreichen Studentenkneipen.“
Bis zum ungezwungenen Tresenplausch schafft es allerdings längst nicht jeder After Work-Anhänger. Einige bleiben schon vor dem Eingang hängen. Sie dürfen sich dank unwiderstehlicher Überredungskünste mit dem – natürlich inoffiziellen – Titel eines „Queueing-Master“ schmücken. WOLFGANG SCHMITZ

Von Wolfgang Schmitz
Von Wolfgang Schmitz

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