Porträt 03.06.2011, 19:53 Uhr

Kaco New Energy: Energie aus Leidenschaft

Die Kaco New Energy ist Spezialist für Photovoltaik-Wechselrichter. Entstanden ist die Firma durch einen Management Buy Out des heutigen Geschäftsführers und Mehrheitsgesellschafters Ralf Hofmann. Er ist überzeugt von der Sonne als saubere, sichere und kostenlose Energiequelle. Durch den Reaktorunfall in Russland wurde er zum Überzeugungstäter.

Der Reaktorunfall von Tschernobyl hat das Leben von Ralf Hofmann nachhaltig beeinflusst. Damals, vor 25 Jahren, war er im zweiten Semester der Elektrotechnik an der Fachhochschule Heilbronn. „Sofort nach dem Unfall in Russland waren für mich alle Kerntechnik-Vorlesungen gestorben.“

Mit einer solch lebensgefährlichen Technologie wollte er nichts zu tun haben. Ganz im Gegenteil, sein Ziel war es, für eine saubere und sichere Umwelt zu arbeiten. Mit Energie musste sein Job aber schon zu tun haben, schließlich hatte er sich aus voller Überzeugung für den Schwerpunkt Leistungselektronik in seinem Ingenieurstudium eingeschrieben. Dabei geht es um möglichst effiziente Steuerung und Wandlung elektrischer Energie.

Genau damit beschäftigt sich Hofmann seit Ende seines Studiums 1990. Vier Jahre arbeitete er als Entwicklungsingenieur bei der Kaco Unternehmensgruppe in Heilbronn. Kaco steht für Kupfer-Asbest-Companie, und Dichtungen aus Kupfer und Asbest waren das Hauptprodukt der Firma. Ein anderer, deutlich kleinerer Geschäftsbereich, war die Gerätetechnik, in dem Hofmann Wechselrichter entwickelte.

1998 gründet Ralf Hofmann Kaco New Energy

Wechselrichter werden an jeder Solaranlage gebraucht: sie wandeln Gleich- in netzkonformen Wechselstrom um. Netzeinspeisewechselrichter heißen die Geräte in der Fachsprache. Weitere vier Jahre leitete der Ingenieur das Profitcenter Gerätetechnik. Dann, 1996, übernahm der amerikanische Mischkonzern Danaher Kaco und wollte den Geschäftsbereich Gerätetechnik schließen. „Die Manager aus Übersee glaubten nicht an regenerative Energien und mich bezeichneten sie wörtlich als Spinner bei meinem Versuch, sie von der großen Zukunft dieser Technologie zu überzeugen.“ Aber Hofmann glaubte fest daran, löste die Gerätetechnik durch einen Management Buy Out 1998 für einen symbolischen Euro aus und gründete Kaco New Energy mit Sitz in Neckarsulm.

Wechselrichter blieben das Hauptgeschäft und im ersten Geschäftsjahr, 1999, setzte die junge Firma mit seinen zehn Mitarbeitern 1 Mio. DM um. Zum Jahresende 2010 hatte das Unternehmen rund 750 Mitarbeiter und einen Umsatz von 460 Mio. €. Und wieder ist es ein Atomarer-Unfall, der Hofmanns Leben stark beeinflussen könnte: „Fukushima hat die Menschen in aller Welt zum Nachdenken gebracht.“ Und jeder der vernünftig denkt, wird nach seiner Meinung fortan auf eine saubere Energieerzeugung pochen.

„Die Politik muss Einfluss auf die Energie nehmen“, ist der 49-jährige Hofmann überzeugt. Energie sei der Lebensnerv in jeder Industrienation und Aufgabe der Politiker sei es, für eine saubere und bezahlbare Stromversorgung zu sorgen. „Ja, unser Geschäft ist abhängig von der Politik, doch damit können wir ganz gut leben, zumal die Sonne ein Brennstoff ist, der nichts kostet und mit dem völlig umweltneutral Strom erzeugt werden kann.“ Diese Argumente könne kein Politiker in keinem Land dieser Welt über kurz oder lang ignorieren.

Die Klimabilanz von Kaco New Energy ist sauber

Kaco New Energy profitiert schon heute von Wandel hin zur nachhaltigen Energiegewinnung. Ende Mai 2011 wurde in Neckarsulm das fünfte Produktionswerk eröffnet. Etwa 150 000 Wechselrichter hat das Unternehmen im vergangenen Jahr insgesamt produziert – vom Gerät für Kleinstanlagen mit einer Leistung von 1 kW bis hin zu MW-Solarparks. „Wir decken das gesamte Spektrum ab, das macht uns einzigartig im Markt. Und wir geben eine siebenjährige Garantie auf unsere Geräte, was kein anderer Hersteller macht.“ Kaco geht von einer Lebensdauer der mit Elektrik und Elektronik vollgepackten Kästchen von 20 Jahren aus. Danach werden sie nicht weggeworfen, sondern Verschleißteile ersetzt.

„Wenn wir mit einem klimaschonenden Gerät die Umwelt belasten würden, wäre das Unsinn“, sagt Hofmann. Diese Konsequenz gilt auch für die Produktion: Kaco New Energy hat eine saubere Klimabilanz. Das Steinbeis-Transferzentrum in Stuttgart hat dem Unternehmen für seine drei ersten Werke im Herbst 2010 eine CO2 freie Produktion bescheinigt.

Das erreicht die Firma durch den Einkauf von überwiegend grünem Strom und der Stromerzeugung aus den eigenen Photovoltaikanlagen auf dem Dach und in den Fassaden der beiden größeren Werke.

Ebenfalls im vergangenen Jahr wurde das mittelständische Unternehmen mit dem CSR Mobilitätspreis für sein Bestreben ausgezeichnet, durch Geschäftsreisen verursachte CO2-Emissionen zu verringern. Der Preis wird jährlich vom Verkehrsclub Deutschland, dem Geschäftsreisemagazin „Der Mobilitätsmanager“ und dem Bundesdeutschen Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management verliehen. Kaco New Energy erwirtschaftet die Hälfte seines Umsatzes im Ausland, hat Niederlassungen in Europa, Nordamerika und Asien. Geschäftsreisen sind daher unausweichlich und die Firma hat für jede Strecke ein umweltfreundliches Angebot: vom Elektrofahrrad über Elektroautos, Bahncards und bei unvermeidlichen Flugreisen werden Zertifikate beim Kompensationsanbieter myclimate gekauft.

Kaco New Energy: Einstieg in die Elektromobilität bedeuetet „Investition in die nahe Zukunft“

Vor etwa einem Jahr ist Kaco New Energy selbst in die Elektromobilität eingestiegen und entwickelt einen kompletten Antriebsstrang für Elektroautos. Dieses Engagement bezeichnet Hofmann als eine „Investition in die nahe Zukunft“. Bis dahin bleiben Wechselrichter und dessen Monitoring-Zubehör das Hauptgeschäft – und das boomt derzeit richtig.

Rund 100 offene Stellen hat das Unternehmen aktuell auf seiner Homepage ausgeschrieben, die Hälfte davon richtet sich an Ingenieure und Informatiker. Dass sie sich mit Steuerung und Wandlung elektrischer Energie auskennen sollten, ist logisch. Wenn sie dann noch mit Leidenschaft an einer sauberen Umwelt arbeiten wollen, umso besser.

Sich selbst bezeichnet Hofmann als Überzeugungstäter und seine Konsequenz geht sogar soweit, dass schon seine achtjährige Tochter weiß, wie ein Wechselrichter funktioniert.   

Ein Beitrag von:

  • Peter Ilg

    Peter Ilg ist freier Journalist und verfasst Texte über Arbeitsmarkt und Berufe, Mobilität und Fahrberichte, Wirtschaft und Märkte.

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