Frauenkarrieren 25.01.2013, 12:45 Uhr

„Jungen Frauen fehlen Vorbilder“

Eine Frau im männerdominierten Maschinenbau – Birgit Glasmacher hat sich durchgekämpft. Die 54-Jährige leitet das Institut für Mehrphasenprozesse der Leibniz Universität Hannover. Mittlerweile setzt sie sich als Vorsitzende der Kommission Gender im Maschinenbau auch dafür ein, dass mehr Frauen ihrem Beispiel folgen. Im Interview mit den VDI nachrichten spricht sie über Frauenquoten, die Vorzüge gemischter Teams und weiblichen Erfindergeist.

VDI Nachrichten: Frau Professor Glasmacher, wie oft müssen Sie sich als Frau vor all den Männern im Maschinenbau rechtfertigen?

Glasmacher: Ich selbst nicht mehr. Aber Studentinnen und Doktorandinnen haben es häufig noch schwer. Das merkt man, wenn sie Übungen an der Universität durchführen. Da sind die Zuhörer im Hörsaal häufig lauter, lassen mehr Papierflieger nach unten stürzen oder machen dumme Bemerkungen.

Und wie können Sie als Vorsitzende der Gender-Kommission im Maschinenbau daran etwas ändern?

Wir wollen den Frauenanteil im Maschinenbau erhöhen. In Hannover hat sich die Zahl der weiblichen Maschinenbaustudierenden in den letzten zehn Jahren verfünffacht. 2001 hatten wir nur 88, 2011 waren es bereits 488 Studentinnen.

Was macht die Kommission konkret?

Alle Statusgruppen sind vertreten: Professorinnen und Professoren, wissenschaftliche und technische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Studierende. Auch die Gleichstellungsbeauftragte der Universität nimmt an den Treffen teil, damit wir einen optimalen Informationsfluss gewährleisten können. Konkret setzen wir uns momentan dafür ein, dass der geplante Neubau unserer Fakultät mit entsprechenden Sozial- und Waschräumen für Frauen ausgestattet wird. Und dass ein Kindergarten entsteht, der für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gut erreichbar ist. Ganz wichtig ist, dass man die Familien berücksichtigt. Gerade im universitären Bereich befinden sich viele Menschen in einer Altersgruppe, in der die Familiengründung startet.

Stichwort Familie. Sie sprechen Väter genauso an wie Mütter?

Ja, ich betone, dass es sich um Familienunterstützung handelt. Kinderbetreuung darf nicht nur an den Müttern hängen bleiben, die Väter möchten sich heute ebenfalls an der Kinderbetreuung beteiligen. Und für sie muss es genauso möglich sein, in Erziehungsurlaub zu gehen. Bei mir haben viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den letzten Jahren Nachwuchs bekommen. Und alle sind in Erziehungsurlaub gegangen, ob Vater oder Mutter.

Der Frauen-Anteil an den Professuren liegt in allen MINT-Fächern deutschlandweit bei unter 10 %. Alleine mit mehr Kinderbetreuung wird man diese Quote nicht erhöhen können.

Entscheidend ist es, Frauen zu motivieren, sich für höhere Positionen zu bewerben. Die fehlenden Vorbilder führen dazu, dass eine Maschinenbau-Professur kein Berufsbild ist, das junge Frauen im Kopf haben. Deswegen haben wir viele Projekte und Mentoring-Programme initiiert, um Studentinnen, Doktorandinnen und Habilitandinnen auf diesem Weg zu stärken. Es existieren so viele technische Dinge, von denen oft nicht bekannt ist, dass sie von Frauen erfunden wurden – etwa Scheibenwischer oder die Geschirrspülmaschine.

Fehlt Frauen manchmal auch der Wille, mit aller Macht nach oben zu kommen?

Ich glaube schon. Deswegen unterbreiten wir die Angebote. Das Interesse von Seiten der Frauen ist jedenfalls vorhanden. Man muss nur zeigen, dass ein Aufstieg tatsächlich möglich ist. Frauen sind eher in den angewandten technischen Bereichen zu finden wie Medizin-, Verfahrens- oder Umwelttechnik. Sie wollen sehen, wie sich ihre Arbeit in der Praxis niederschlägt, welchen Sinn sie macht. Männer würden eher in die Automobilbranche oder Reaktortechnik gehen.

Ist das Interesse der Wirtschaft an Ingenieurwissenschaftlerinnen gestiegen?

Das Interesse ist riesig. Es hat sich in den Unternehmen herumgesprochen, dass gemischte Teams bessere Ergebnisse erzielen. Sogar in der Forschung ist das so, weil Frauen und Männer eine unterschiedliche Sicht auf dieselbe Fragestellung haben. Bringt man beide Seiten zusammen, ist das Ergebnis runder.

Nennen Sie ein Beispiel.

Ich beschäftige mich unter anderem mit Herzklappenforschung. Einer Fragestellung, die mechanische Kräfte betraf, habe ich mich auch von der biochemischen Seite genähert. Und konnte feststellen, dass mechanische Kräfte einen großen Einfluss auf die biochemischen Vorgänge und damit auch auf das klinische Ergebnis haben. So wären Männer nicht an diese Frage herangegangen. Sie hätten eher auf die Mechanik geachtet.

Wie lassen sich junge Mädchen noch stärker für den Maschinenbau begeistern?

Die Mädchen müssten in der Schule in Physik, Mathe oder Informatik gleichberechtigter behandelt werden.

Werden Sie das denn nicht?

Es sind noch viele Rollenklischees vorhanden. Deswegen veranstaltet ein Kollege jedes Jahr den Kongress „Mädchen und Technik“ in unserer Fakultät, auf dem wir 140 Schülerinnen einen Tag lang in Workshops Technik zum Anfassen bieten. Ich besuche Schulen und versuche dort, Mädchen an Technik heranzuführen. Die Exzellenzcluster „Rebirth“ und „Quest“ haben in Hannover das Freiwillige Wissenschaftliche Jahr ins Leben gerufen, das mit dem Freiwilligen Sozialen Jahr vergleichbar ist. Dabei möchten wir Abiturientinnen und Abiturienten ein Jahr lang in die wissenschaftliche Arbeit einführen.

Welchen Rat würden Sie einer jungen Maschinenbau-Studentin geben, die Karriere machen will?

Ich würde ihr Mut machen und sagen, dass eine Karriere nichts Negatives ist. Und dass Macht nichts Negatives ist, sondern ein Gestaltungsspielraum.

Was halten Sie von der heiß diskutierten Frauenquote?

Ich bin für die Quote. In den vergangenen Jahren hat sich in den Führungsetagen nicht viel verändert. Deshalb müssten wir in relativ kurzer Zeit mehr Frauen in Entscheidungspositionen bringen. Wenn sie sich dort etablieren, brauchen wir keine Quote mehr. Dann sind Vorbilder da und das Bild in der Gesellschaft hat sich verändert.

Also eine Frauenquote als Starthilfe?

Genau. Es gibt überall Quoten, Länderquoten in der Politik zum Beispiel, in der Wirtschaft. Dort werden sie nur nie diskutiert. Die Quote wird nur bei den Frauen diskutiert. Außerdem zeigen die erfolgreichen Beispiele aus Skandinavien, dass eine Frauenquote sinnvoll ist.

Wäre das auch etwas für die Hochschule?

Wir haben bereits Zielvorgaben, auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft nimmt hier eine Vorreiterrolle ein. Wenn man aber in einer Berufungskommission sitzt und keine einzige weibliche Bewerberin zur Auswahl steht, kann man nun einmal nichts ändern. Wir können nur die Hebel in Bewegung setzen, damit sich Frauen bewerben. Und das tun wir.

Der Frauenanteil an der Fakultät für Maschinenbau in Hannover ist nicht sonderlich hoch. Sie sind allein auf weiter Flur.

So schlecht sind wir nicht. Eine Professorin ist vor Kurzem nach Kassel berufen worden, in der Strömungstechnik haben wir eine junge Professorin neu hinzugewonnen. Und der Senat der LUH hat sich für die Berufung einer weiteren Professorin im Maschinenbau entschieden.

Wie haben Sie es in der Männerdomäne Maschinenbau nach oben geschafft?

Ich durfte das machen, was mir am meisten Spaß macht. Ich habe während meiner Promotion festgestellt, dass ich mich im universitären Bereich unheimlich wohlfühle, dass ich Freude an Vorlesungen und der Verknüpfung von Forschung und Lehre habe. Das habe ich konsequent verfolgt.  S. WOLKING

Von S. Wolking

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