Arbeitsmarkt 26.04.2013, 10:59 Uhr

Junge Migranten beleben die deutsche Wirtschaft

Zuwanderung tut Deutschland gut, denn die meisten Migranten sind hoch qualifiziert. Sie bauen den Fachkräftemangel ab, füllen die Sozialkassen und mindern aufgrund ihres geringen Alters den hohen Altersdurchschnitt der hiesigen Bevölkerung, besagen aktuelle Studien. Skeptiker aber warnen: Was ist, wenn die Wirtschaftslage zur negativen Seite kippt?

Trendwende: Immer mehr hochqualifizierte Migranten finden den Weg nach Deutschland. Gut für Deutschland, in vielerlei Hinsicht.

Trendwende: Immer mehr hochqualifizierte Migranten finden den Weg nach Deutschland. Gut für Deutschland, in vielerlei Hinsicht.

Foto: dpa

Die Ausländer nehmen heimischen Arbeitskräften die Arbeitsplätze weg und drücken die Löhne. Zuwanderung bleibt ein Thema, das nicht allein auf Ökonomie und Demografie beschränkt bleibt, es schürt Ängste. Wissenschaftler geben Entwarnung: Von Migranten profitiere Deutschland mehr, als es darunter leide – zumindest unter den derzeitigen ökonomischen Gegebenheiten.

Denn es sind meist keine Zuwanderer, die deutsche Sozialkassen belasten. „Armutswanderung ist bislang die Ausnahme, nicht die Regel“, weiß Christine Langenfeld. Die Jura-Professorin ist Vorsitzende des „Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration“ (SVR), der vor wenigen Tagen bei der Vorstellung einer Studie zur Binnenmigration die EU-Freizügigkeit als „Erfolgsmodell“ pries.

Die Zuwanderer seien durchschnittlich zehn Jahre jünger als die Mehrheitsbevölkerung in Deutschland, seien gut qualifiziert und kämen zahlreich. „Jeder Fünfte (20,7 %) der Zuwanderer aus den EU-Beitrittsstaaten von 2004 (u. a. Polen, Tschechien, Ungarn) hat einen Hochschulabschluss. Dies gilt mit 20,9 % auch für die Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien“, heißt es in der SVR-Studie.

Die Zahlen und Daten belegen einen Wandel in der sozioökonomischen Struktur der Migrantenströme. Der Trend, dass vor allem mittel und hoch Qualifizierte Deutschland verlassen und gering Qualifizierte zuwandern, sei gestoppt worden. „Es entwickelt sich ein echter europäischer Arbeitsmarkt“, kommentiert Christine Langenfeld die frohe Botschaft aus ihrem Haus.

Aktuelle Berechnungen der Universität Bayreuth betonen ebenso die Bedeutung akademisch gebildeter Migranten. „Hoch Qualifizierte sind besonders an Innovationen und Produktionssteigerungen beteiligt“, sagt David Stadelmann, Professor für Entwicklungsökonomik.

Ein reger personeller Austausch innerhalb der Staaten habe weniger den befürchteten Braindrain, den einseitigen Abzug von Akademikern, zur Folge, sondern bereichere Wirtschaft und Gesellschaft um Innovationen, vorangetrieben nicht nur von Akademikern wie Ingenieuren, sondern auch von einwandernden Facharbeitern. Nutznießer seien vor allem attraktive Hightech-Metropolen wie München.

Deutschland profitiere mittelfristig vor allem durch Produktionssteigerungen, gewänne aber auch, weil hoch Qualifizierte häufig keine Ausbildung mehr benötigten, gesund seien und Steuern zahlten. Stadelmann bringt es auf einen Nenner: „Sie tragen mehr zum Staatshaushalt bei als sie von ihm benötigen.“

Wenn Fachkräfte Mangel seien, wären Zuwanderer willkommen, meinen auch die Ökonomen Friederike Spieker und Heiner Flassbeck. Was aber, wenn Arbeitslosigkeit herrscht und sich Migranten zu Billiglöhnen anbieten, weil sie hierzulande immer noch mehr verdienen als in den Heimatländern? „Einheimische Arbeitskräfte werden entweder arbeitslos und müssen über die sozialen Sicherungssysteme finanziert werden … oder sie passen ihre Löhne nach unten an die der Zuwanderer an.“  WOLFGANG SCHMITZ

Von Wolfgang Schmitz

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